Erstellt am 18. November 2015, 06:08

von Markus Lohninger

Keine Gratis-Handys für Flüchtlinge. FPÖ-Bezirkspartei-Vizechef Walter Hoffmann rudert nach Gratishandy-Sager zurück. Caritas wehrt sich.

FPÖ-Hoffmann nach Gratishandy-Sager: Kennt selbst keinen Fall - und keine Probleme mit Flüchtlingen.  |  NOEN, privat
Kennen Sie den? Der Bekannte eines Freundes kennt jemanden, der hat gesehen, wie ein Asylwerber im Handyshop zu einem sündhaft teuren Teil griff. Dem Verkäufer hielt er eine Kontaktnummer zur Caritas vor die Nase. Der Verkäufer rief dort an – und trara: Die bezahlten es wirklich!

Seit Monaten geistern Erzählungen wie diese durchs Internet. „Auch in Schrems und Gmünd ist das so üblich“, ereiferte sich zuletzt auch Walter Hoffmann, Schremser Gemeinderat und stellvertretender Bezirkspartei-Obmann der FPÖ in Gmünd. Nur: Beweisen kann er‘s nicht. Im Gegenteil. „Ich selbst habe einen solchen Vorfall noch nie gesehen. Generell wollen wir Freiheitlichen uns in Schrems in Flüchtlings-Sachen zurückhalten, weil es diesbezüglich hier wirklich keine Schwierigkeiten gibt“, beteuert Hoffmann auf NÖN-Nachfrage.

Warum dann der Kommentar auf Facebook? „Das war eine erste Reaktion. Vielleicht war sie nicht richtig“, räumt Hoffmann ein: „Uns werden aber solche Themen zugetragen.“ Ein Unternehmer habe etwa beobachtet, wie ein Asylwerber in einem Schremser Geschäft mit einem 300-Euro-Gutschein der Caritas ein Handy für 700 Euro kaufen wollte. Der Verkäufer habe die Caritas angerufen und sei am Telefon „zurechtgestutzt worden, was er sich einbildet. Der Asylant hat das Handy angeblich gekriegt. Auch von einem Gmünder Geschäft habe ich das gehört. So spielt es sich ab.“

Caritas versorgt Flüchtlinge mit Lebensnotwendigem

Massiv gegen Gerüchte dieser Art wehrt sich Caritas-Sprecher Karl Lahmer. „Wir kaufen sicher kein Handy für Asylwerber, das wäre doch gar nicht leistbar!“, sagt er der NÖN. Die Caritas versorge Flüchtlinge mit lebensnotwendigen Gütern, biete einfache Schlafplätze, helfe bei Behördenwegen oder bei der Antragsstellung zur GIS-Gebührenbefreiung.

Für Flüchtlinge ist ein Handy weit wertvoller als für uns

Alle Gebührenbefreiten in Österreich können um Sozialtarife der Handyanbieter ansuchen. Lahmer: „Die Caritas übernimmt aber keine Handykosten jeglicher Art – weder für Asylwerber, noch für andere.“ Er streicht allerdings die Rolle von Mobiltelefonen als oft einzigem Datenspeicher, Informationsmittel und zentralem Draht in die Heimat hervor, „für Flüchtlinge ist ein Handy weit wertvoller als für uns.“

Warum Caritas in Gmünd kaum zahlen würde

Einfach ist übrigens herauszufinden, wie unlogisch ein Handyverschleudern der Caritas im Bezirk Gmünd wäre: Der Caritas wird vom Land NÖ nur die Flüchtlings-Betreuung im Wein- und Industrieviertel übertragen, für das Waldviertel ist (mit Ausnahme einer Horner Einrichtung) wie in der NÖN berichtet die Diakonie der evangelischen Pfarrgemeinden zuständig.
„Unsere“ Flüchtlinge haben also größtenteils überhaupt keinen Bezug zur Caritas.