Erstellt am 10. August 2016, 06:04

von Daniel Lohninger und Thomas Weikertschläger

Wolfgang Fuchs: „Ich wäre entsetzt“. Krankenkasse und Ärzte lehnen SP-Vorstoß für Abschaffung der Wahlarzt-Refundierung entschieden ab.

Ärztesprecher Wolfgang Fuchs  |  NOEN, privat

„Weg mit dem Kostenersatz für den Wahlarztbesuch!“ Diese Forderung von SP-Gesundheitssprecher Erwin Spindelberger sorgt für Diskussionen. Zumindest im Bezirk Gmünd herrscht unter Ärzten und Kassen-Vertretern aber Einigkeit: Ohne Wahlärzte wäre das Gesundheitssystem noch teurer.

Der Ärztevertreter des Bezirks Gmünd, der Weitraer Wolfgang Fuchs, hofft, dass die Meinung Spindelbergers eine Einzelmeinung sei und nicht Parteilinie der SPÖ werde: „Dann wäre ich entsetzt.“ Den Patienten vorschreiben zu wollen, welchen Arzt sie aufzusuchen haben, wäre in einem „zumindest derzeit noch demokratischen Land wohl kaum denkbar“, so Fuchs.

Fuchs: „Wahlärzte kosten Kasse weniger“

Für ihn ist das Argument der Kostenersparnis für die Kassen, wenn die Wahlarztrefundierung gestrichen werden würde, ein falsches. Denn: „Wahlärzte kosten den Kassen nicht mehr, sondern weniger.“ Refundiert werden maximal 80 Prozent des Honorars des Kassenarztes. Laut einem Beispiel von Fuchs hieße das bei Kosten von 50 Euro für die Inanspruchnahme eines Wahlarztes eine Refundierung von 6 bis 7 Euro seitens der Kasse: „Das ist für die Kasse eine Ersparnis von 20 Prozent. War der Patient im selben Quartal schon bei einem Kassenarzt, so gibt es überhaupt keine Refundierung“, so Fuchs.

Zudem leisteten Wahlärzte einen erheblichen Beitrag zu einem funktionierenden Gesundheitssystem. Patienten aus Populismus und Informiertheit zu bestrafen, weil sie einen Teil „des maroden Systems aus eigener Tasche zusätzlich stützen, ist in höchstem Maße schockierend“, so Fuchs. Zudem werde es gerade im ländlichen Raum immer schwieriger, alle Kassenstellen zu besetzen.

Ähnlich äußert sich Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer Niederösterreich, in einem offenen Brief an Patientenanwalt Gerald Bachinger, der den Vorstoß von Spindelberger in einem Interview gut geheißen hatte. Österreichweit sorgten Kassenärzte gemeinsam mit Wahlärzten für die medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich. Die Streichung der Kostenerstattung mit der Zwei-Klassen-Medizin zu begründen, sei daher zynisch, weil dies gerade finanziell weniger gut gestellte Patienten schlechter verkraften könnten. „Vielen Patienten ist es schleierhaft, warum sich ein Patientenanwalt gegen die Interessen der Patienten stellt“, so Reisner zur NÖN.

NÖGKK-Obmann Gerhard Hutter  |  NOEN, E. Koch

Die NÖGKK stehe zum Prinzip der Wahlfreiheit der Patienten. „Der Wahlarzt ist ein wesentlicher Bestandteil der ärztlichen Versorgung“, betont NÖGKK-Obmann Gerhard Hutter. 17 Millionen Euro seien im Vorjahr an Wahlarztrechnungen rückerstattet worden. „Würde die Refundierung abgeschafft, müssten alle Menschen zum Vertragsarzt gehen. Damit würden wir uns nichts ersparen – im Gegenteil“, führt Hutter aus.

Im Bezirk Gmünd stehen 17 Wahlärzte 45 Kassenärzten (23 Allgemeinmedizin, 12 Fachärzte, 10 Vertragsärzte) gegenüber.

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