Erstellt am 17. Mai 2017, 02:01

von Markus Lohninger und Hannes Ramharter

Ja zur Vision, ja zu Soforthilfe. Zustimmung zu „Sinneswandel“ im Land NÖ – und Drängen auf kurzfristige Maßnahmen.

Wird es doch noch etwas mit einer Autobahn im Waldviertel?   |  shutterstock.com/Maciej Czekajewski

Mit der Aussage, sich der „Idee einer Waldviertel-Autobahn“ nicht grundsätzlich verschließen zu wollen, stieß der nach dem Rücktritt von Landeshauptmann Erwin Pröll für die Finanzen und den Straßenbau in Niederösterreich zuständige VP-Landesrat Ludwig Schleritzko auf positives Echo.

Applaus kommt von FPÖ-Klubobmann Gottfried Waldhäusl, der einst eine Unterschriftenaktion für den Bau einer Waldviertel-Autobahn organisiert hatte und nun eine Trassenführung „in etwa so wie die Franz-Josefs-Bahn“ vorschlägt. Applaus kommt aus dem Bezirk Gmünd auch von SPÖ-Chef Konrad Antoni. Das Thema sei vor über 15 Jahren vom damaligen Heidenreichsteiner Bürgermeister Hans Pichler aufgeworfen worden, sagt Antoni: „Jetzt hat sich das Land NÖ neu aufgestellt, neue Personen bringen neue Chancen – es war höchste Zeit für den Sinneswandel weg vom ‚sanften Ausbau‘ unter Pröll. Wir freuen uns darüber.“ Seitens der ÖVP hält es Bezirks-Obfrau Martina Diesner-Wais für „sinnvoll, wenn eine Perspektive für die Zukunft geschaffen wird“. Es sei dazu im Vorfeld notwendig, Wünsche, Achsen-Optionen oder geografische Möglichkeiten zu erheben.

Der neue Straßenbau-Landesrat Ludwig Schleritzko will die Situation neu bewerten.  |  NLK/Burchhart

Das bereits für den Bezirk zugesicherte Ausbauprogramm dürfe durch die aktuellen Debatten aber nicht verzögert werden, mahnt Diesner-Wais eine rasche Umsetzung ein.

Ins selbe Horn stößt Landtags-Abgeordnete Margit Göll (ÖVP), die an sich für jede Straßenverbesserung dankbar ist, vor allem „wenn ein A oder S davor steht. Dabei reden wir aber von 20, 25 Jahren, während wir im Bezirk an mehreren Ecken und Enden Verbesserungen möglichst sofort benötigen würden.“ Vor allem für jene, die innerhalb des Bezirkes verkehren müssten, sei die Situation teils „zum Verzweifeln“. Das „2+1“-System mit abwechselnd zwei Spuren in eine und eine Spur in die andere Fahrtrichtung hält VP-Göll für eine rascher umsetzbare Maßnahme, die etwa im Bereich Zwettl-Krems auch schon relativ zügiges Vorankommen ermögliche.

„Wahnsinn, was sich an der neuen S10 tut!“

Auf die lange Vorlaufzeit für eine Autobahn verweist auch SP-Antoni. „Der Handlungsbedarf nach 30, 40 Jahren mit marginalen Investitionen im Bezirk ist aber gerade jetzt riesig“, sagt er: „Daher sollte jetzt gebaut werden. Aber künftige Maßnahmen sollten Teil eines in sich greifenden Gesamtkonzeptes sein und einem späteren Autobahn- oder Schnellstraßenbau nicht im Weg stehen.“ Auch Südböhmen müsse, so Antoni weiter, rasch in die Planungen einbezogen werden.

Große Zustimmung für eine „Waldviertel-Autobahn“ kommt aus dem Bezirk Gmünd auch aus der Wirtschaft und von Arbeitnehmer-Vertretern. Wirtschaftskammer-Bezirksobmann Peter Weißenböck bezeichnet sie als „lange gehegten Wunsch, von dem wir uns große wirtschaftliche Chancen erwarten. Entlang einer Autobahn lebt und gedeiht etwas.“ Der rasche Ausbau der Bundesstraßen habe Priorität, eine Autobahn sei aber, so Weißenböck weiter, eine „langfristige Vision“.

Arbeitnehmer würden mehrfach von einer Autobahn profitieren, sagt Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Michael Preissl: „Pendler kommen schneller an ihre Arbeitsplätze. Zugleich wird die Region attraktiver für Firmen-Ansiedlungen, die neue Arbeitsplätze bringen können – Verkehrs-Ökonomen wollen das oft im Vorfeld nicht wahrnehmen, aber es ist ein Wahnsinn, was sich etwa im Mühlviertel entlang der neuen S10 tut!“

Seitens der Arbeitnehmervertreter könne Schleritzko mit bestmöglicher Unterstützung rechnen. Selbiges sichert dem neuen Landesrat auch der Waldviertel-Sprecher im Wirtschaftsbund und Vorsitzende des Finanzausschusses im Nationalrat, Werner Groiß (ÖVP), zu.