Erstellt am 01. November 2015, 04:52

von NÖN Redaktion

Was kostet Wohnen?. Laut Analyse einer Immobilien-Plattform muss man im Bezirk Gmünd 8 Prozent des Einkommens für Wohnen ausgeben.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Billig und günstig Wohnen, was sich viele wünschen, ist – glaubt man einer neuen Analyse der Immobilienplattform „ImmobilienScout24“ – im Bezirk Gmünd Realität: Demnach gehört der Bezirk Gmünd zu jenen drei Bezirken in Österreich, in denen man – gemessen an seinem Nettoverdienst – prozentuell am wenigsten für Wohnen ausgeben muss.

Billig? „Nur auf den ersten Blick“

Während der Österreichschnitt hier bei 29 Prozent liegt, müsse man, wie es in der Studie heißt, im Bezirk Gmünd lediglich 8 Prozent seines Nettoeinkommens für Wohnen ausgeben. Damit liegt Gmünd gemeinsam mit den Bezirken Hollabrunn und Amstetten am „billigen“ Ende der Liste, die vom Bezirk „Wien Innere Stadt“ mit 81 Prozent angeführt wird.

Doch ist Wohnen im Bezirk wirklich so billig? „Nur auf den ersten Blick“, meint dazu Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Michael Preissl: „Zwar sind die Preise etwa für Mietwohnungen im Waldviertel geringer als in anderen Gegenden. Aber was man sich hier erspart, wird durch andere Dinge aufgefressen.“

Denn aufgrund der schlechten Verkehrsanbindung des Waldviertels sei es notwendig, viel Geld für Mobilität in die Hand zu nehmen, um etwa an den Arbeitsplatz zu gelangen.

„Damit kann man Kosten nicht abdecken“

Beeinflusst sei die Analyse durch das hohe Medianeinkommen im Bezirk, das etwa 200 Euro über den übrigen Waldviertler Bezirken liegt. „Der Grund dafür ist, dass es einige Leute gibt, die sehr gut verdienen. Eine Frau mit Teilzeitjob und zwei Kindern hat von dieser Statistik nichts“, so Preissl, und: „Eine ältere Frau, die mehrere Kinder aufgezogen hat und jetzt allein in einem großen Haus sitzt, kann das von einer Mindestpension nicht erhalten.“

Werner Damberger, Geschäftsführer der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel, hält die 8 Prozent für einen statistischen Wert, der habe mit der Realität wenig zu tun: „Rechnet man ein durchschnittliches Einkommen im Waldviertel von 1.300 Euro netto, so wären das 104 Euro für Wohnen. Damit kann man viel abdecken, aber nicht die echt anfallenden Kosten.“

Warum es im Waldviertel schwierig sei, Wohnungen an den Mann zu bringen, begründet Damberger mit der Abwanderung, aber auch mit der Bürokratie: „Die Überreglementierung der Normen, die Bauordnungen, die Klimaschutzziele, die Energieeffizienz und vieles andere mehr, machen Wohnbau sicherlich nicht billiger.“

Andreas Krenn, Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer in Gmünd, meint, es sei „Ruhe“ im Mietbereich eingekehrt. „Die Mieten sind im Jahresvergleich stabil geblieben. Was hingegen gestiegen ist, sind die Betriebskosten, wie Kommunalabgaben oder Versicherungsprämien. Diese hat aber nicht der Vermieter zu verantworten, er kann sie auch nicht beeinflussen.“