Erstellt am 08. September 2015, 08:48

von Markus Lohninger

Wechsel im Gmünder Krankenhaus. Geschäftsführer Capellmann vom Diagnoseteam Horn übernimmt Radiologie-Primariat von Menner. Interne-Leiter Holzmann geht mit Ende November.

Manfred Weissinger (Ärztlicher Direktor, links) und Michael Böhm (Ärztlicher Standortleiter, rechts) begrüßen Thomas Capellmann als neuen Primar am Röntgeninstitut.  |  NOEN, Markus Lohninger

Bewegte Zeiten durchlebt derzeit das Landesklinikum Gmünd: Der Radiologe Thomas Capellmann trat mit Monatsbeginn die Nachfolge der in den Ruhestand getretenen Christa Menner als Primar und Leiter des Röntgeninstitutes an, zugleich warf Karl Holzmann als Primar der Internen Abteilung das Handtuch!

Holzmann habe seine Kündigung mit der Unterbesetzung der Interne seit mehreren Monaten (die NÖN berichtete) begründet, sagt der Ärztliche Leiter Michael Böhm. Er bleibt bis voraussichtlich Ende Oktober im Dienst, dürfte Ende November ausscheiden. Manfred Weissinger, Ärztlicher Direktor, bedauert den Weggang eines„exzellenten Internisten, der sich in Gmünd enorm reingekniet“ habe: „Er hat die Entscheidung in einem guten Gespräch nicht böse und nichts vorwerfend begründet.“

Wiesinger übernimmt Führung provisorisch

Man habe rasch die Weichen für die Zukunft gestellt, betont Böhm. So übernimmt der Erste Oberarzt Elmar Wiesinger per 1. November interimistisch „mit unser aller Unterstützung“ die Interne. Er bringt jahrelange Erfahrung als Primar am Herzkreislaufzentrum Groß Gerungs mit. Für Weissinger ist er der „optimale Kandidat“ für die ausgeschriebene Primarstelle.

Der Engpass war durch die schwere Erkrankung eines Oberarztes, dem schweren Freizeit-Unfall eines Assistenz-Arztes sowie dem Weggang der Oberärztinnen Gabriele Unfried (Zusatzausbildung in Krems) und Karoline Tauchmann (eigene Praxis) akut geworden. Dafür kehrte Assistenzärztin Kathrin Fraundorfer-Forkert aus der Karenz zurück, Primar Peter Kellner (Remobilisation) hilft auf der Interne genauso aus wie Internist Robert Mörzinger und der Kremser Herzspezialist Gerhard Kronik. Direktor Weissinger garantiert daher „auch weiter die bestmögliche Versorgung“ der Patienten. Noch brauche man aber, wie Böhm ergänzt, neue Fachärzte, um wieder in den Routinebetrieb zu gelangen.

„Zentrale medizinische Informationsdrehscheibe“

Am Röntgeninstitut ist das bereits gelungen. Thomas Capellmann (57) trat die Nachfolge von Christa Menner als Primar im Spital und Leiter des Röntgeninstitutes an. Der Wahl-Horner und dreifache Familienvater war Ärztlicher Leiter am MRT-Institut Mariahilf und zuletzt jahrelang Erster Oberarzt des Radiologie-Institutes am Klinikum Horn. In Horn führt er auch eine radiologische Gruppenpraxis. Die Idee ist es, diese um den Standort Gmünd zu erweitern, sagt Capellmann zur NÖN: „Es wäre die erste Gruppenpraxis an zwei Standorten in Niederösterreich. Das würde gewisse Synergieeffekte bringen.“

Regionalmanager Andreas Reifschneider sieht Capellmann als „zentrale medizinische Informationsdrehscheibe“ am Klinikum, Weissinger nicht nur aufgrund eines „hervorragenden Hearings“ als „Aufwertung für die Qualität der Technik und Befundung. Ich bin froh, dass das Primariat trotz bundesweiten Fusionierungs-Trends erhalten blieb und sich Capellmann beworben hat.“

Mehr als 25 Jahre an der Spitze der Röntgenabteilung

Michael Böhm dankt Christa Menner für mehr als 25 Jahre an der Spitze der Röntgenabteilung. Sie habe „mit sehr viel Eigeninitiative unheimlich viel aufgebaut, viel riskiert und investiert.“ Dazu zählt er den Auf- und Ausbau der Ordination direkt angeschlossen ans Spital, aber auch die Anschaffung modernster Technik.

Ihren Magnetresonanztomographen will Thomas Capellmann noch einem „Feintuning“ unterziehen, wobei er bedauert, dass es für die Bildgebung mit MRT in Gmünd noch keinen Kassenvertrag gibt: „Das ist der einzige Wermutstropfen. Aber immerhin können wir die Leistung sofort anbieten.“Böhm hofft, dass die Aufnahme von MRT-Untersuchungen ins Versicherungs-Spektrum im Zuge des grenzüberschreitenden Health-across-Projekts gelingen könnte.

Tschechien als Argument für Wechsel nach Gmünd

Die wachsende Zusammenarbeit mit Südböhmen sieht auch Thomas Capellmann als Anreiz für den Gang nach Gmünd, „das ist die Chance, gestalterisch tätig zu sein.“ Er will eng mit den anderen Abteilungen, dem Klinikum Zwettl und im Rahmen des Orthopädieclusters mit dem Moorheilbad Harbach zusammenarbeiten, zudem will er den Standort durch regelmäßigen Austausch von Bildern zum Einholen mehrerer Expertenmeinungen aufwerten.

Auf die Meinung einer bewährten Expertin kann er auch am eigenen Institut setzen: Die von Menner geholte Radiologin Andrea Hannesschläger bleibt dem Team erhalten.