Weitra

Erstellt am 28. Dezember 2017, 05:00

von Markus Lohninger

Ärzte-Kompetenz wird gebündelt. Weitra erhält binnen kurzer Zeit Gynäkologen, Urologen, Orthopäden und auch Hebamme. Dabei soll es nicht bleiben.

Starten kommendes Jahr mit „W4.med“: Matthias Lenz, Rafaela Schinagl, Jürgen Friedl, Khalid Jadalla und Klaus Kolm – vorne von links, im Bild mit den Raiffeisen-Direktoren Gerhard Zwettler und Dietmar Stütz.  |  ml

Den Schritt in ein neues medizinisches Zeitalter für das Lainsitztal setzen der Weitraer Arzt Khalid Jadalla und Jürgen Friedl (Pflegedienstleiter in der Moorheilbad-Harbach-Gruppe) im kommenden Jahr: Mit 7. Februar wollen sie im ersten Stock über der Raiffeisen-Bankstelle beim B41-Kreisverkehr ein erstes Ärztezentrum für Weitra starten.

Das Duo will in drei seit eineinhalb Jahren leerstehenden ehemaligen Raiba-Büroräumen auf eigene Kosten und eigenes Risiko mit EDV und medizinisch hochmodern ausgestattete Ordinations-Räume einrichten und diese an Wahlärzte vermieten. Letztere sollen ohne organisatorisches Prozedere im Hintergrund kommen, arbeiten und dann wieder abreisen können, erklärt Friedl das „Grundkonzept, um Fachärzte herbringen“ zu können.

In deren Pauschalen inbegriffen sind daher neben Raummieten auch Kosten für eine Ordinations-Assistentin, die den Betrieb zentral koordiniert und über die Hotline 0660/8577077 verwaltet, und auch die gemeinsame Bewerbung des Ärztehauses unter dem Namen „W4.med“.

„Weitra ist fachärztlich derzeit unterversorgt, daher gibt es noch viele weitere Ideen.“ Khalid Jadalla

Fix im jungen Team sind bereits der Gynäkologe Klaus Kolm (37), die Hebamme Rafaela Schinagl (25; beide ab Februar) und der Urologe Matthias Lenz (44; ab März). So gut wie fix ist auch schon der Einstieg eines Orthopäden ab April.

„Weitra ist fachärztlich derzeit unterversorgt, daher gibt es noch viele weitere Ideen“, sagt Khalid Jadalla, der den wichtigsten Bedarf aus dem täglichen Gespräch mit seinen eigenen Patienten kennt: „Einen Kinderarzt hätten wir sehr gerne. Denkbar wäre aber zum Beispiel auch ein Internist oder ein Rheumatologe, auch die therapeutische Schiene soll ausgebaut werden.“

Ziel sei es jedenfalls, die Marke „W4.med“ mit einheitlichem Design und einheitlicher Vermarktung so in der Bevölkerung zu verankern, dass beim Bedarf für einen Facharzt in der Region zunächst geprüft wird, ob es dafür ein Angebot in Weitra gibt. Die beteiligten Ärzte sind dabei eigenständige Vertragspartner.

Platz für künftige Erweiterungen

Die Idee zur Schaffung des Ordinationszentrums sei, so Jadalla und Friedl, unabhängig voneinander entstanden. Khalid Jadalla berichtet von Patienten, die ihn in Fällen der Zuweisung zu einem Facharzt fragten, ob er den Bereich nicht auch in seinem großen Gebäude abdecken könne. Dann sei er mit Jürgen Friedl in Kontakt gekommen, der durch seine Tätigkeit in der Moorheilbad-Harbach-Gruppe und als Hygienefachkraft am Landesklinikum Zwettl Zugang zu Ärzten unterschiedlicher Fachrichtung hat. So sei die Idee für eine zusätzliche Praxis allmählich gereift und schließlich räumlich über das Angebot bei Jadalla hinaus gewachsen.

Genau in dem Moment fügte sich ein Gespräch mit Raiba-Geschäftsleiter Dietmar Stütz. Die Weitraer Filiale hat nach der Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel zwei ungenutzte, via Aufzug aus dem Foyer barrierefrei erreichbare Geschoße und ausreichend Parkplätze im Hof. Für Stütz ist es „etwas ganz Besonderes, dass sich die jungen Leute da drüber trauen“. Die neue Einrichtung füge sich, so Stütz, ins Selbstbild der „Bank der kurzen Wege“ und in den „starken Wunsch der Bevölkerung nach einem nachhaltigen, sicheren und regionalen medizinischen Angebot“ für einen Raum, der bis Zwettl, Gmünd und Karlstift reicht.

Jetzt liegt es nur noch an den Patienten, dieses Angebot anzunehmen. Platz für künftige Erweiterungen der „W4.med“ steht im Erd- und Obergeschoß noch zur Genüge bereit.