Heidenreichstein

Erstellt am 05. August 2016, 06:37

von Markus Lohninger

Feiern mit der Drogeriekette. Die Kette „dm“ wird 40 – und unterstützt 40 sinnvolle Projekte: 50.000-Euro-Spende und Sammelaktion für notwendigen Ausbau der Tagesstätte Zuversicht.


Das Haupthaus der Tagesstätte Zuversicht harrt einer Überarbeitung: Sanierung, Um- und Ausbau stehen an und sind teils bereits dringend notwendig. Die finanzielle Last in Größenordnung von etwa 300.000 Euro (vor konkreter Budgeterstellung) wird dank einer Aktion von „dm“ wesentlich erleichtert.
 |  NOEN, Markus Lohninger

Tolle Chance für die Heidenreichsteiner Tagesstätte Zuversicht: Das Projekt zur Beschäftigung von derzeit 21 Mitarbeitern mit Handicap wurde als einziger Bewerber aus dem Waldviertel in die Initiative {miteinander} der Drogerie-Kette „dm“ aufgenommen. Dabei werden zum Anlass des 40-Jahr-Jubiläums 40 Projekte in Österreich unterstützt.

Für die Tagesstätte bedeutet das einerseits eine direkte Zuwendung von „dm“ in Höhe von 50.000 Euro, von der auch die völlig überraschten Projekt-Verantwortlichen erst aus einer vorige Woche veröffentlichten Pressemeldung erfuhren. Außerdem bewirbt „dm“ die Tagesstätte und deren Anliegen in sieben Waldviertler Filialen und sammelt auch mit dem Verkauf von {miteinander}-Tragetaschen Gelder.

Die Tagesstätte Zuversicht wird durch die „dm“- Aktion nicht nur unterstützt, sondern kann in Filialen auch an ausgewählten Tagen ihre eigenen Produkte verkaufen.  |  NOEN, Tagesstätte

Zu bestimmten Zeiten darf die Tagesstätte in Filialen Marktstände mit ihren eigenen Erzeugnissen betreiben, die ansonsten bei Märkten und an Freitagvormittagen in der ehemaligen Eisenhandlung Apfelthaler in Heidenreichstein verkauft werden.

Die Unterstützung hat die Einrichtung bitter nötig.

Die im Projekt begleiteten Mitarbeiter werden wegen der gesetzlichen Lage für Fulltime-Jobs im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit Anerkennungsbeiträgen von 75 Euro im Monat abgespeist, sie werden nicht einmal selbst sozialversichert. Das ist bitter, aber so leicht trotz starker Initiativen des Vereins „Zuversicht“ (die wie berichtet schon ins Parlament führten) nicht zu ändern. Eher zu ändern ist offenbar der örtliche Rahmen – vor allem unter dem Schirm der „dm“-Aktion.

Platznot: Obergeschoß soll geschaffen werden

Und das soll spätestens im Frühjahr im Bauernhof passieren. Denn abgesehen vom baulichen Zustand des 2003 bezogenen Edinger-Bauernhofes in der Heidenreichsteiner Katastralgemeinde Kleinpertholz sind die Kapazitätsgrenzen erreicht. Hatte er beim Start zwei Arbeitsanleiter („Schlüsselarbeitskräfte“) und zwei Mitarbeiter mit Handicap zu fassen, so ist er nun für acht regulär Beschäftigte, 21 Mitarbeiter mit besonderen Bedürfnissen, mehrere Zivildiener und einige ehrenamtliche Helfer ein inzwischen recht enger Ort der Begegnung.

„Unsere Traumvorstellung ist im Haupthaus ein barrierefreies Erdgeschoß sowie ein Dachausbau, der zum Beispiel die Unterbringung eines großen Gemeinschafts- oder Essraumes und zweier Büroräume ermöglicht“, sagt Vereinsobmann Martin Hetzendorfer: „Wir müssen aber abwarten, welches Budget wir aufstellen können.“ Können die Ideen umgesetzt werden, dann schafft das neue Optionen im Erdgeschoß. Dieses ist aktuell nicht nur ein bunter Mix aus geschenkten Einrichtungs-Gegenständen, sondern auch von zu engen und teils sanierungsbedürftigen Räumen mit unterschiedlichen Bodenniveaus geprägt. Künftig könnten Mauern verlegt, Räume anders angeordnet werden.

Für realistisch hält Hetzendorfer ein Budget in der Höhe von etwa 300.000 Euro, langfristige Visionen wie die Ergänzung um einen Aufzug in den ersten Stock nicht miteingerechnet.

Zur Tagesstätte Zuversicht

Seit 2003 werden in Kleinpertholz leistungsfähige und -willige Personen, die durch Beeinträchtigungen in reguläre Dienstverhältnisse kaum integrierbar sind, beschäftigt. „Wir achten darauf, dass sie nach ihren Begabungen und Interessen eingesetzt werden“, sagt Tagesstätten-Leiter Stephan Zimm.

Dabei werden sie in eine geregelte Tagesstruktur eingebunden, können ihre Talente einsetzen, erfahren Wertschätzung.

So wird in fünf Gruppen (Industrie & Garten, Haus & Hof, Dienstleistung & Forst, Instandhaltung, Kreativ) an der Instandsetzung des Haues, im Haushalt oder Garten gearbeitet. Produkte werden freitagvormittags im Shop gegenüber der Wasserburg („Eisen-Apfelthaler“) verkauft, zudem werden gerne Aufträge von regionalen Firmen erfüllt.

Auf diese Weise werden immerhin an die zehn Prozent der Kosten aus eigener Kraft erwirtschaftet .