Erstellt am 01. Oktober 2015, 00:07

von Markus Lohninger

Wirbel um Mietvertrag. Studentenverbindung Leopoldina zieht über dem Jugendzentrum ein. SPÖ sorgt sich, Leopoldina-Chef über Ideologie- und Alkohol-Vorwürfe „entsetzt“.

Die katholische Studentenverbindung Leopoldina richtet ihre neue „Bude“ über dem Jugendzentrum der Stadtgemeinde im ersten Stock des ehemaligen Zollamtsgebäudes ein. Sie will an die 50.000 Euro in die Umbaumaßnahmen der Räumlichkeiten investieren.  |  NOEN, M. Lohninger
Die Nutzung des ehemaligen Zollamtsgebäudes hatte bereits zum Streit in der damaligen Koalition von SPÖ und ÖVP geführt, in der Gemeinderatssitzung des 24. September schieden sich daran neuerlich die Geister: Hatte 2011 die SPÖ die Einrichtung des Jugendzentrums „Space“ im Erdgeschoß im Alleingang beschlossen, so boxten nun ÖVP, AfG und FPÖ ohne Stimmen der Sozialdemokraten die Vermietung des ersten Stocks an die katholische Studentenverbindung Leopoldina ab 1. November durch.

Die SPÖ stieß sich einerseits daran, dass der Vertrag erst kurzfristig als Dringlichkeits-Antrag von FP-Stadtrat Benjamin Zeilinger auf die Tagesordnung kam. Ein solches Projekt hätte in einer Demokratie vorab im zuständigen Ausschuss behandelt werden müssen, klagte etwa Stadtrat Christian Rupp.

Mehr noch stören die Sozialdemokraten die künftigen Nachbarn der Jugendlichen. Das Space wolle, so Klubchefin Beatrix Vischer-Simon, Rückzugsgebiet für jeden sein, die Leopoldina wolle hingegen Ausländer, Frauen, Nicht-Heteros oder Nicht-Christen ausschließen: „Das ist ideologisch überhaupt nicht zu verstehen.“ Sie habe, so Vischer-Simon weiter, auch hinsichtlich der Abhaltung von Festen mit Alkoholgenuss im selben Haus Angst vor Konflikten.

"Es wird in großen Mengen getrunken"

Unterstützung kam von SP-Gemeinderätin Sonja Köck. Ihr Gatte sei Leopoldina-Mitglied, und sie könne die Aussagen der Fraktionskollegin bestätigen: „Ich weiß, wie es in der Bude zugeht und dass dort teils in großen Mengen getrunken wird.“

Niemanden ausschließen zu wollen und dann doch die Tore für die Studentenverbindung zu schließen, halte er für „schizophren“, konterte VP-Klubchef Martin Preis. Ins selbe Horn stieß Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP), man dürfe niemanden ausschließen. Vor allem: „Wir kennen die Leute, die bei der Leopoldina sind – das sind lauter gute Leute.“

Pragmatisch sieht die Sache Finanz-Stadtrat Hubert Hauer (AfG): Eine anerkannte Organisation wolle den seit Jahren leer stehenden ersten Stock einer Gemeinde-Liegenschaft pachten, das sei doch ein Nutzen. „Wären die Freimaurer an uns herangetreten, hätten wir sie auch genommen.“

„Entsetzt, wie mit Verein umgegangen wird“

Er glaube an ein friedliches Nebeneinander und freue sich auf eine Aufwertung der Immobilie durch Investitionen, ergänzte Martin Preis (mehr dazu oben links!). Preis relativierte auch die Sorgen über möglichen Alkoholgenuss – man habe bei einer Begehung des Hauses Schnapsflaschen gesichtet, „die noch nicht von der Leopoldina sein konnten.“

Entschieden gegen das Bild des Säuferclubs verwehrt sich Leopoldina-Philistersenior Hannes Ramharter – Alkohol komme in allen Vereinen vor, „in manchen auch mehr“. Er sei „entsetzt darüber, wie mit einem Verein umgegangen wird, der seit mehr als 60 Jahren in Gmünd existiert“. Erst im Vorjahr habe der damalige SPÖ-Bürgermeister Beer beim Stiftungsfest die wertvollen Dienste der Verbindung für die Stadt Gmünd hervorgehoben.

Dass Homosexuelle im Verein keinen Platz hätten stimme nicht, der Ausschluss von Frauen sei „nicht in Stein gemeißelt“, ergänzt Ramharter. Außerdem: „Es muss das Recht eines Vereins sein, zu definieren, wen er dabei haben will. Wenn Briefmarkensammler nur Briefmarkensammler aufnehmen, ist das genauso legitim.“