Erstellt am 01. April 2016, 04:34

von Markus Lohninger und Karin Pollak

Wirbel um Stidl-Wehr: Kommandant hört auf. Nach Gemeinderats-Diskussion zu Abriss von Wehranlage an Braunau: Feuerwehr-Kommandant wirft das Handtuch: „Fühle mich ungerecht behandelt.“

Gerhard Hofmann hört auf.  |  NOEN, Archiv
Knalleffekt nach der jüngsten Gemeinderats-Sitzung in der Marktgemeinde Hoheneich: Nachdem (Noch-)Bürgermeister Roland Wallner wie in der NÖN berichtet mit dem Antrag zum Abriss der Wehranlage in der Braunau selbst bei den eigenen Fraktionskollegen abgeblitzt war, legte Feuerwehr-Kommandant Gerhard Hofmann vorige Woche seine Funktion zurück!

„Die Stimmung ist bei diesem Thema sehr
aufgeheizt, der NÖN-Bericht hat dazu auch
noch einiges beigetragen.“
Gerhard Hofmann


„Ich fühle mich einfach ungerecht behandelt. Ich habe mir Gedanken über eine Sache gemacht, für die eigentlich nur die Gemeinde zuständig ist – und für die Löschwasser-Versorgung ist einzig die Gemeinde zuständig. Wie in diesem Fall habe ich keine gesetzliche Handhabe gegenüber Behördenbescheiden“, sagt Hofmann.

Er sei sich in der Sitzung, in der er auch selbst auf Aufforderung ungeplant gesprochen habe, wie bei einem Verhör vorgekommen: „Die Stimmung in der Bevölkerung ist bei diesem Thema sehr aufgeheizt, der NÖN-Bericht hat dazu auch noch einiges beigetragen.“

Für die Stidl-Wehr – die der Feuerwehr bei Bedarf zur Löschwasser-Entnahme dient – gibt es einen Abrissbescheid der Bezirkshauptmannschaft, die Frist dazu endet per 30. Juni.

„Begleiterscheinungen nahmen mir Freude an Funktion“

Die Frage sei, ob sich die Gemeinde die Sanierung der Wehr leisten könne oder nicht, sagt Hofmann: „Wenn nicht, dann muss man sich doch als Feuerwehrkommandant – auch wenn nicht zuständig – vorsorglich die Frage stellen dürfen, woher kommt das Löschwasser, wenn es die Wehr nicht mehr gibt? Das habe ich gemacht – und einige Hoheneicher glauben jetzt, dass ich gegen den Erhalt der Wehr bin. Ich bin aber mit Sicherheit für den Erhalt.“

Sein Bestreben sei immer die Sicherheit der Bevölkerung gewesen, betont er, „sonst wäre ich ja nicht fünf Jahre Kommandant gewesen. Aber durch diese Begleiterscheinungen wurde mir die Freude an meiner Funktion genommen.“

Auch Roland Wallner sagt, er sei nicht grundsätzlich für einen Abriss. Die Gemeinde habe die Wehr aber einst schon mit dem Wissen um den bevorstehenden Abriss gekauft.

„Zwölf Jahre lang habe ich mich unter Einbeziehung mehrerer Experten um eine sinnvolle Lösung bemüht. Um alle Auflagen zu erfüllen, würde eine Sanierung ihrer Meinung nach aber 200.000 bis 300.000 Euro plus Steuer ausmachen – das ist für das Ortsbild alleine sehr viel Geld, das bei anderen Projekten fehlen würde“, beteuert er. Löschwasser könne die Feuerwehr auch aus anderen Quellen beziehen.

Um den Rücktritt des Kommandanten tut es dem per 31. März selbst aus seinem Amt scheidenden ÖVP-Bürgermeister Wallner leid. „Er ist ein guter Kommandant, der die Mannschaft sehr positiv geprägt hat“, sagt Wallner. Auch der designierte neue Bürgermeister Christian Grümeyer (ÖVP) bedauert den Rücktritt Hofmanns. Er verstehe nicht, warum ausgerechnet dieser Anlass zu diesem Schritt geführt habe.

Gerhard Hofmann versichert, dass er der Feuerwehr erhalten bleibt und seinen Nachfolger unterstützen will. Gewählt wird dieser am 4. Mai.

Reaktionen: „Übergibt gut aufgestelltes Team“

„Gerhard hat viele junge und ältere Leute zur Wehr geholt – er übergibt ein gut aufgestelltes Team, um das wir uns keine Sorgen machen müssen.“
Roland Wallner, (Noch-)Bürgermeister (ÖVP)

„Es tut mir leid, es war eine persönliche Entscheidung. Ich hätte versucht, ihn umzustimmen, konnte seinen Entschluss aber nicht ändern.“
Christian Grümeyer, künftiger Bürgermeister (ÖVP)