Erstellt am 19. Juli 2017, 02:03

von Markus Lohninger

Kritik auch an Raiffeisen-Abbau. Geschäftsleiter rechtfertigt Schritt: Maßnahme schafft Luft für Filial-Erhaltung.

Geschäftsleiter Walter Zwettler: „Tut weh, in Topf wie Bank Austria geworfen zu werden.“  |  ml

Debatten über Bankenschließungen im Bezirk Gmünd schwappten nun von der Bank Austria auf die Raiffeisenbank Oberes Waldviertel (RBOW) über, die in den vergangenen Wochen teils tief greifende Kürzungen der Schalter-Öffnungszeiten vollzogen hat.

Das „Zusperrmodell“ werde von der Raika übernommen, beklagt sich etwa Erich Mader via NÖN-Leserbrief. Er hat bei Raiffeisen in Reingers sein Privatkonto und verwaltet als Kassier die Konten dreier Vereine mit. Die Filialen in Haugschlag und Leopoldsdorf seien erst geschlossen worden, schreibt er, dennoch wurden die einst täglichen Öffnungszeiten in Reingers nun auf eineinhalb Tage herunter gefahren. Ein Ende der Bankstelle sei „nur mehr eine Frage der Zeit.“

Die Kritik stößt dem RBOW-Geschäftsleiter Walter Zwettler ziemlich auf: „Alle Mitbewerber haben im Bezirk zusammen 13 Filialen. Wir betreiben alleine 18, und auf uns haut man hin?“ Reingerser Bank-Austria-Kunden müssten bald nach Gmünd fahren, die Raika biete die eigene Bankstelle mit hoher Beratungsqualität direkt in Reingers. „Es ist unfair und tut irrsinnig weh, wenn wir in den gleichen Top wie die Bank Austria geworfen werden“, sagt Zwettler.

Vollbetrieb finanziell nicht mehr vertretbar

Ein Vollbetrieb sei vielerorts finanziell nicht mehr vertretbar, rechtfertigt der Bankdirektor die Kürzungen. Auch etwaige Filialschließungen kann er nicht fix ausschließen. Aber: „Wir wollen die 18 Bankstellen solange aufrecht erhalten, wie es betriebswirtschaftlich irgendwie möglich ist. Die Maßnahmen verschaffen uns dazu etwas Luft.“ Zwettler verweist zudem auf mögliche Beratungs-Termine auch außerhalb der Schalter-Öffnungszeiten.

Die RBOW erreicht mit 28.000 Privatkunden über 70 Prozent der Einwohner im Bezirk, der Firmenkunden-Anteil ist noch höher. Doch Kunden zieht es vermehrt zu Internet und Bankomat, Zwettler: „Im Branchenschnitt sucht ein Kunde ein bis zwei Mal im Jahr einen Bankschalter auf, auch wenn es bei uns noch etwas häufiger ist. Zugleich können Online-Banken unsere Infrastruktur an Bankomaten immer noch fast gratis mitnutzen.“

Das verschärft die Situation weiter: Ein Privatkunden-Konto verursacht laut Zwettler Jahreskosten von etwa 200 Euro – mehr, als Kunden zu zahlen bereit seien. Der Rest muss aus anderen Quellen gedeckt werden.