Seitenstetten

Erstellt am 11. Juli 2017, 05:59

von Hermann Knapp

1.000-jährige Eiche fiel einfach um. Baumriese stürzte nicht in Richtung Wohnhaus und verfehlte Werkstatt und Schuppen. Weil es regnete, waren auch keine Wanderer unterwegs.

Der Baumriese in Seitenstetten ist gefallen. Er dürfte um die 800 Jahre alt gewesen sein.  |  Hermann Knapp

Die „1.000-jährige Eiche“ in der Fröschlau ist Sonntagmittag, 2.7., einfach umgefallen – ohne Sturm, ohne Vorwarnung. „Ich saß gerade beim Tisch, als ich ein dumpfes Krachen hörte. Ich lief zum Fenster und sah den Baum noch fallen“, berichtet Gerald Krendl.

Vizebürgermeister Franz Tramberger, Bürgermeister Johann Spreitzer und Gerald Krendl vor den Wurzeln der gefallenen Eiche.  |  privat

Seine Mutter, Maria Krendl, war gerade in der Küche. Sie weiß, dass ihre Familie einen Schutzengel gehabt hat. „Denn die Männer arbeiteten im Sommer oft unter dem Baum, weil er viel Schatten gespendet hat“, erzählt sie. Sie kann es gar nicht fassen, dass der stille Riese nicht mehr da ist. Immerhin fiel 37 Jahre lang ihr Blick sofort auf die große Eiche, wenn sie aus dem Haus trat.

Tatsächlich ist es kaum zu glauben, dass der Fall des gewaltigen Baumes keine Schäden verursacht hat. Er ist auf die dem Wohnhaus abgewendete Seite gestürzt und genau zwischen Werkstatt und Schuppen gelandet, die beide unbeschädigt blieben.

Auch Bürgermeister Johann Spreitzer weiß, dass es leicht zu einem Drama hätte kommen können. „Denn an dem Baum führt ein beliebter Spazierweg vorbei. Da sind am Wochenende viele Leute unterwegs. Aber an diesem Tag hat es zum Glück um die Mittagszeit gerade geregnet“. Auch Volksschulklassen haben oft Ausflüge zu der Eiche gemacht, denn vergleichbare Bäume gibt es wenige und er war daher auch Thema im Unterricht.

Dieses Stammstück mit 3,5 Metern Länge und einem Gewicht von 15,2 Tonnen soll künftig in der Fröschlau an die Eiche erinnern.  |  privat

Tatsächlich dürfte das Naturjuwel, auch wenn es „1.000-jährige Eiche“ genannt wird zwischen 750 und 800 Jahre alt sein, was ja trotzdem ein wahrhaft biblisches Alter ist. Nun, da es gefallen ist, wollen Experten die Ringe zählen und können dann bis auf zehn Jahre genau sagen, wie lange der Baum tatsächlich stand.

Von 1926 bis 2016 war die Eiche auch Naturdenkmal. Doch im Vorjahr hat die Behörde den Schutz aufgehoben. Grund dafür: Im Herbst 2015 brach ein großer Ast heraus. Ein Gutachten stellte fest, dass die Eiche ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Personen und Sachen sei: Der Abbruch von Ästen sei jederzeit und ohne Einflüsse von außen, wie Wind und Schnee, möglich.

Die Familie Krendl als Eigentümer und die Gemeinde Seitenstetten setzten daraufhin alle Hebel in Bewegung, um das Naturjuwel zu retten.

Mit welchen Maßnahmen die Eiche gerettet werden sollte, was der Grund für den Sturz war und wie die Seitenstettner den Sturz aufnahmen, lest ihr in der aktuellen Ausgabe der NÖN sowie im ePaper!