Erstellt am 01. März 2016, 03:47

von Hermann Knapp

2,6 Millionen erstritten. Arbeiterkammer / Auch im Jahr 2015 wurde viel Geld für Arbeitnehmer im Bezirk eingebracht und manches schwarze Schaf unter den Unternehmern musste klein beigeben. AMSTETTEN / Robert Schuster, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer, hat schon viel erlebt.

Der Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer im Bezirk Amstetten, Robert Schuster (r.), und der Leiter des AK Rechtsschutzbüros West, Karl Heigel, präsentierten die Bilanz für das Jahr 2015.  |  NOEN, Foto: Schuster

Robert Schuster, Bezirksstellenleiter der Arbeiterkammer, hat schon viel erlebt. Aber manche Dienstgeber bringen ihn ob ihrer Dreistigkeit noch immer zum Kopfschütteln. „Wir hatten da im Gastgewerbe einen Fall, so etwas ist mir bisher noch nicht untergekommen“, sagt er. Es geht um eine Dienstnehmerin, die in einem Büffetbetrieb angestellt war.

An Feiertagen ließ der Wirt den Betrieb anstelle von acht Stunden nur vier Stunden offen. „Und deshalb wurden der Frau vom Arbeitgeber vier Stunden Urlaub abgezogen, mit der Begründung, dass sie ja um vier Stunden weniger gearbeitet habe, als vereinbart.“

Tatsache ist aber: Die Frau hätte am Feiertag gar nicht arbeiten müssen und wie jeder andere Dienstnehmer auch, Anspruch auf acht Stunden Feiertagsentgelt gehabt. „Und die vier Stunden, die sie dann doch gearbeitet hat, hätte sie natürlich zusätzlich bezahlt bekommen müssen“, sagt Schuster.

Als die Dienstnehmerin sich schließlich an die AK wandte, kam zudem auf, dass ihr auch die Mehrstundenzuschläge nie ausbezahlt wurden. Nach Intervention der Arbeiterkammer zahlte der Dienstgeber schließlich die ausständigen 1.083 Euro. Ein Teil des ausständigen Entgelts war durch den Ablauf von Verfallsfristen für die Frau aber verloren.

Geringer Lohn und schwierige Arbeitszeit

Schuster wunderte sich nicht, dass es im Gastgewerbe oft schwer ist, Personal zu finden. „Denn der Stundenlohn ist mit acht Euro niedrig und man verliert durch die Arbeitszeiten am Abend und am Wochenende leicht den Anschluss an den Freundeskreis. Das wollen immer weniger Menschen.“

Es gäbe neben den schwarzen Schafen, so Schuster, aber natürlich viele Gastronomen, die sich sehr bemühten, alles ordnungsgemäß abzurechnen. „Erst vor Kurzem hat mich etwa eine Wirtin angerufen, die sich von mir diesbezüglich beraten lassen will. Nächste Woche bin ich bei ihr.“

2015 forderte die AK-Amstetten für 305 Arbeitnehmer im Bezirk ausstehende Löhne und Gehälter ein. „Leider haben es auch einige Arbeitgeber auf eine gerichtliche Auseinandersetzung ankommen lassen“, bedauert Bezirksstellenleiter Robert Schuster. 63 Fälle mussten dem AK-Rechtsschutzbüro West übertragen werden, das die Klagen beim Arbeitsgericht einbringt. „Aber insgesamt wird im Mostviertel“, so Schuster, „noch immer sehr viel am Verhandlungsweg erreicht – im Gegensatz zu anderen Regionen Niederösterreichs“.

Für die Arbeitnehmer des Bezirks konnten 969.801 Euro an Entgeltnachzahlungen erreicht werden.


Jahresbilanz 2015

  • Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit: Persönliche Beratungen: 3.339. Telefonische und schriftliche Beratungen: 3.397.

  • Interventionen beim Dienstgeber: 242 Fälle.

  • Kostenloser Rechtsschutz: 63 Fälle.

  • Außergerichtlich eingebracht: 799.748 Euro.

  • Gerichtlich eingebracht: 170.053 Euro.

  • Insolvenzvertretung: 1.666.156 Euro.

  • Gesamtsumme, die für die Arbeitnehmer im Bezirk im Jahr 2015 eingebracht wurde: 2.635.957 Euro.