Erstellt am 22. März 2016, 05:14

von Sabine Hummer

Ältester Mann wurde 105. Hauptschuldirektor i.R. Leopold Kriegbaum hat am 6. März sein 106. Lebensjahr begonnen und ist nach wie vor noch ein interessierter Gesprächspartner.

Leopold Kriegbaum besticht durch seine Lebensfreude. Kaffee- und Wirtshausbesuche sind auch mit 105 Jahren noch eine Leidenschaft.  |  NOEN, zvg

„Ein paar Traditionen muss man sich behalten“, sagt Leopold Kriegbaum, Hauptschuldirektor in Ruhe. Sooft es ihm möglich ist, nimmt er deshalb am Sonntagsgottesdienst teil und setzt sich zum anschließenden Frühschoppen ins Wirtshaus. Auch ein Kaffeehausbesuch steht regelmäßig am Plan.

„St. Peter ist offensichtlich ein
guter Boden zum Altwerden.“
Bürgermeister Johannes Heuras

„Ich bin gerne unter Leuten. Es ist wichtig, Bekanntschaften zu pflegen“, weiß Kriegbaum, der kürzlich seinen 105. Geburtstag feierte und somit zu den zehn ältesten männlichen Österreichern gehört und im Bezirk Amstetten die Statistik der ältesten Personen anführt.

„St. Peter ist offensichtlich ein guter Boden zum Altwerden“, stellte Bürgermeister Johannes Heuras im Rahmen einer kleinen Geburtstagsfeier im Haus des Jubilars fest. „Denn mit Frau Karlhuber, die bald ihren 109. Geburtstag feiern wird, wohnt auch die älteste Frau Niederösterreichs in unserer Gemeinde.“

Auch Bezirkshauptmann Martina Gerersdorfer ließ es sich nicht nehmen, dem Jubilar persönlich zu dessen Geburtstag zu gratulieren, ebenso wie die Vertreter der Gewerkschaft Öffentlicher Bediensteter, Luise Gestendorfer und Gerhard Litschauer, sowie Obmann Gerhard Wieser vom Seniorenbund St. Peter, dessen Mitglied Leopold Kriegbaum seit 43 Jahren ist.

Freistellung nach Verwundung: „Das war ein großes Glück“

Leopold Kriegbaum wurde am 6. März 1911 in Weinsteig bei Korneuburg geboren. Sein Vater starb, als er drei Jahre alt war und auch zwei seiner sechs Geschwister überlebten das Kindesalter nicht, ein Bruder fiel im Krieg. Nach dem Besuch der Volksschule und der Bürgerschule absolvierte Kriegbaum die Lehrerbildungsanstalt, die er 1931 abschloss.

Da er aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Anstellung als Lehrer fand, verdiente er sich zunächst seinen Lebensunterhalt bei der NEWAG, beziehungsweise als unbezahlter Probelehrer. 1934 kam Leopold Kriegbaum in den Bezirk Amstetten, wo er zuerst als Volksschullehrer und ab 1938 als Hauptschullehrer an verschiedenen Schulen unterrichtete.

1941 wurde Leopold Kriegbaum zum Militärdienst einbezogen, 1943 nach einer Verwundung und seiner Gehörlosigkeit am rechten Ohr freigestellt. „Das war ein großes Glück“, erinnert sich Leopold Kriegbaum an diese tragische Zeit. 1942 heiratete er Anna Christon ( 1988), 1947 wurde Sohn Gerhard geboren.

Hobbys Garten, Musik und Literatur seit 1973 genossen

Im September 1945 wurde Kriegbaum an die Hauptschule St. Peter versetzt, deren Leitung er 1969 übernahm. Hier fand Leopold Kriegbaum seinen Lebensmittelpunkt, war neben seiner schulischen Tätigkeit jahrzehntelang als Tenor und Violinist beim Kirchenchor. Unter seiner Federführung wurde 1969 die Musikschule errichtet, deren erster Leiter er war.

Mit 1. Jänner 1973 trat Leopold Kriegbaum in den Ruhestand und konnte sich gänzlich seinen großen Leidenschaften – dem Garten, der Musik und der Literatur – widmen.

Obwohl er sich mit den Jahren bei der Ausübung seiner Hobbys immer mehr einschränken musste, hat sich Kriegbaum seine Lebensfreude auch mit 105 Lenzen behalten.

„Er konnte sich immer gut auf neue Situationen einstellen und hat schnell akzeptiert, dass vieles halt nicht mehr so geht“, erzählen Ingrid und Gerhard Kriegbaum, die sich gemeinsam mit einer 24-Stunden-Pflegerin liebevoll um den betagten Vater kümmern. „Er genießt es, dass er den Lebensabend zu Hause verbringen kann, hört gern Radio und schaut sich gerne Schirennen im Fernsehen an. Er liebt die Besuche seiner Enkel und Urenkel. Und er singt nach wie vor gerne und macht mit der Pflegerin Stimmübungen.“