Erstellt am 14. Juni 2016, 05:05

von Daniela Führer und Doris Schleifer-Höderl

Arbeitslosigkeit ist wieder gesunken. Schon zum fünften Mal in Folge ist Zahl der Beschäftigungslosen zurück gegangen. Wirtschaft geht es besser.

Andreas Geierlehner und Reinhard Mösl von der Wirtschaftskammer Amstetten sehen Handlungsbedarf bei der Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. Foto: Doris Schleifer-Höderl  |  NOEN, Doris Schleifer-Höderl
„Es ist das fünfte Monat in Folge, dass im Bezirk Amstetten die Arbeitslosigkeit sinkt. Stark bei der Jugend, aber auch bei den über 50-Jährigen ist ein deutlicher Rückgang zu sehen“, berichtet AMS Amstetten-Geschäftsstellenleiter Harald Vetter (Foto unten).

2.252 Personen waren im Mai bezirksweit ohne Job – um 6,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Diese Entwicklung geht nicht mit jener in Niederösterreich oder ganz Österreich einher. In NÖ gab es im Mai zum Beispiel nur fünf Bezirke, in denen weniger Menschen arbeitslos gemeldet waren“, weiß Harald Vetter. In absoluten Zahlen ist der Bezirk sogar Spitzenreiter betreffend dem Minus an Arbeitslosen.

Dabei sahen die Prognosen zu Jahresbeginn noch düster aus – auch für den Bezirk: „Mit so einer guten Entwicklung haben wir nicht gerechnet“, erinnert sich der AMS-Chef. Dennoch bezeichnet er die Lage nur als „Lichtblick“, denn er weiß: „Durch den Zuzug steigt das Arbeitskräfteangebot, daher bleibt es schwierig am Arbeitsmarkt – vor allem für Ältere und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen.“

Gute Stimmung in der Wirtschaft im Bezirk

Zurückzuführen sei der Arbeitslosenrückgang im Bezirk auf die gute Wirtschaftslage. „Wir kriegen gewaltig mehr Stellen angeboten. Fast 80 Prozent mehr als letztes Jahr. Auch bei den Lehrstellen ist die Nachfrage nach Lehrlingen hoch, am meisten im Metall- und Elektrobereich, am Bau, im Fremdenverkehr und bei Technikern“, berichtet Vetter.

Dass es um die Wirtschaft im Bezirk aktuell gut steht, bestätigen auch Andreas Geierlehner, Leiter der Wirtschaftskammerbezirksstelle Amstetten und Reinhard Mösl, Obmann der WKO Amstetten: „Wir haben derzeit 7.070 Betriebe, die 32.125 Mitarbeiter beschäftigen und 1.775 Lehrlinge ausbilden. Damit gehört Amstetten zu den beschäftigungsreichsten Bezirken in NÖ.“

Ein Schwachpunkt sei allerdings auch in Amstetten der Mangel an Fachkräften – kein Phänom der letzten Zeit, dies zeichne sich schon einige Jahre ab. Zurzeit gehe es etwa schleppend mit Personal im Metallbereich voran, wo aktuell 300 Mitarbeiter gesucht werden, aber nicht zu finden sind.

„Die Entwicklung des Fachkräftemangels ging schleichend vor sich“, sagt Mösl. „Hauptgründe dafür sind mit Sicherheit die geburtenschwachen Jahrgänge sowie der Trend hin zur längeren Schulausbildung. Fakt ist daher, der Fachkräftebedarf wird weiter steigen. Daher sehen wir großen Handlungsbedarf.“

„Man kann sich vieles auch krank reden“

Die Wirtschaftskammer fordert daher die rasche Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt, aber auch ein Ende des Konkurrenzkampfes zwischen dualer und schulischer Ausbildung. „Hier im Bezirk haben wir aber ein gutes Einvernehmen mit den Bildungseinrichtungen, wo wir direkt auch mit Lehrlingen in die Schulen gehen, die den Schülern von ihrer Ausbildung berichten. Das wird von den jungen Leuten gut angenommen.“

Auch bei den Betrieben im Bezirk sei die Bereitschaft, Lehrlinge selbst auszubilden nach wie vor groß. „Jeder Betrieb weiß, dass es das Beste ist, seine zukünftigen Mitarbeiter selbst auszubilden.“

Scheitern würde dieses Ansinnen oft am Vorhandensein von interessierten Jugendlichen. Alles in allem sei man aber mit der Kampagne „Karriere mit Lehre“ gut unterwegs. Wichtig sei, so die beiden Wirtschaftsexperten, eine allgemein positive Grundstimmung, was das Thema Beschäftigung betrifft, die aber in der Gesellschaft nicht immer gegeben sei. „Man kann sich vieles auch krank reden. Dagegen sind wir eindeutig, denn gerade hier in Amstetten haben wir gute Ausgangspositionen, die uns optimistisch stimmen.“