Erstellt am 10. November 2015, 03:42

B123-Umfahrung: Eine unendliche Geschichte geht zu Ende. Über 20 Jahre wurde eine Umfahrung der B123 diskutiert, nun wird sie gebaut. Landeshauptmann Erwin Pröll persönlich nahm dafür den Spatenstich vor.

Der historische Moment: Landeshauptmann Erwin Pröll nahm gemeinsam mit Straßenbaudirektor Josef Decker und den Bürgermeistern Alfred Buchberger und Rudolf Divinzenz den Spatenstich vor. Mit am Bild die Ehrengäste aus der Politik Andreas Hanger, Andreas Pum, Michaela Hinterholzer und Helmut Schagerl sowie Beamte der NÖ Straßenbauaufsicht. Foto: Fuchs  |  NOEN, Fuchs
„Das ist ein ganz besonderer Tag für unsere Gemeinden Ennsdorf und St. Pantaleon-Erla. Ein Tag, auf den wir uns lange gefreut haben“, eröffnete Ennsdorfs Bürgermeister Alfred Buchberger am Dienstagnachmittag die Spatenstichfeier für die Umfahrung Pyburg-Windpassing im Ennsdorfer Wirtschaftspark.

„Mit einer kleinen Erdbewegung wird Großes eingeleitet.“
St. Pantaleon-Erlas Bürgermeister Rudolf Divinzenz
über den Symbolcharakter des Spatenstichs.


Es war ein Moment, den die leidgeprüften Anrainer der B123 seit zwei Jahrzehnten förmlich herbeigesehnt hatten.

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14.000 Fahrzeuge, darunter 20 Prozent Lkw-Anteil, rollen tagtäglich durch die Ortsteile Windpassing und Pyburg. Lärm und Feinstaubbelastung inklusive.

Mit insgesamt zehn Straßenblockaden hatten die Anrainer im Laufe der Jahre versucht, auf ihre unerträgliche Situation aufmerksam zu machen.

Anfang 2013 glaubte man sich dann bereits am Ziel. Das Projekt wurde ausgeschrieben, musste vom Land aber wieder gestoppt werden. Der nächste Rückschlag folgte im November 2014. Der Verwaltungsgerichtshof hob den Straßenbaubewilligungsbescheid aufgrund eines Einspruches wegen Verfahrensmängeln auf.

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Seit vergangener Woche hat man nun aber Gewissheit: Die Umfahrung wird gebaut. „Ich freue mich jetzt schon, wenn wir im 17er-Jahr wieder zusammenkommen und das Teilstück seiner Bestimmung übergeben können“, kündigte Landeshauptmann Erwin Pröll die Fertigstellung der zweieinhalb Kilometer langen Straße für Mitte 2017 an.

Seitdem die Umfahrung im Gespräch ist, wurden bereits vier NÖ Straßenbaudirektoren „verbraucht“. „Ich bin zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen die Bagger rollen werden und ich hoffe, ich werde es noch aktiv erleben, wenn wir mit der Straße fertig sind“, scherzte daher Josef Decker, der aktuelle Straßenbaudirektor des Landes.

Mit Bau will man noch im November starten

Auch Landeshauptmann Erwin Pröll sprach im Festzelt, an dem der Verkehr auf der B123 lautstark vorbeirollte, von einer „historischen Stunde“. Schließlich begleitet ihn das Projekt Umfahrung Pyburg-Windpassing seitdem er im Amt ist, also seit dem Jahr 1992.

„Ich werde oft gefragt, was in den Jahren meiner Amtszeit mit meinen Haaren passiert ist. Da kann ich sagen, geht nach Pyburg und Windpassing, dann wisst ihr, wo sie sind“, spielte Pröll auf die unendliche Geschichte der Umfahrung an. Und er fügte hinzu, dass es – egal auf welcher Ebene – kein zweites Projekt gibt, das eine derart lange Vorarbeit notwendig gemacht habe.

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Noch im November soll mit dem Bau begonnen werden. Die rund 2,5 Kilometer lange Umfahrungsstraße wird zweispurig mit einer Fahrbahnbreite von 8,5 Metern ausgeführt werden und rund 14 Millionen Euro kosten.

„Es wird uns gelingen, mit der Umfahrung achtzig Prozent des Verkehrs aus den Siedlungen herauszubekommen. Mit der Eröffnung wird auch ein Lkw-Verbot im Ortsgebiet erlassen“, versprach Pröll den Bürgern mehr Lebensqualität

Ausständig ist noch die Entscheidung über den Standort der neuen Mauthausner Brücke, zu der die Umfahrung ja führen wird. „Wir sind in Verhandlungen auf Beamtenseite und wollen der Politik noch vor Jahresende einen Vorschlag machen“, sagte Straßenbaudirektor Josef Decker

Zitiert:

„Es gibt Themen in der beruflichen Laufbahn eines Politikers, die einen begleiten. Ich habe mir gewünscht, dass ich den Bau der Umfahrung noch als aktiver Bürgermeister miterleben kann.“
Alfred Buchberger, Bürgermeister von Ennsdorf

„Es war ein langer, steiniger Weg und es mussten viele Hürden genommen werden. Darunter können wir nun einen dicken Schlussstrich ziehen.“
Rudolf Divinzenz, Bürgermeister von St. Pantaleon-Erla

„Ich habe immer gesagt, dass die Umfahrung keine Verkehrslösung an sich ist, aber sie ist trotzdem ein Meilenstein.“
Bürgermeister Alfred Buchberger

„Wir haben es geschafft. So lautet die positive und wunderbare Botschaft.“
Bürgermeister Rudolf Divinzenz

„Ich bin dankbar, dass die Bürger ihren Unmut in Form von Demonstrationen geäußert haben. Sie haben uns in Wahrheit durch diese Vorgangsweise unterstützt.“
Landeshauptmann Erwin Pröll zu den Straßenblockaden, die von der Bürgerplattform organisiert wurden


Die Umfahrung:

  • Der südliche Beginn der Umfahrung erfolgt bei Kilometer 1,9 der Landesstraße B123. Die neue Trasse springt nach zirka 300 Metern bei der Straße 1 des Wirtschaftsparks Ennsdorf über einen Kreisverkehr mit 50 Metern Durchmesser Richtung Norden ab. Über diesen Kreisverkehr wird der Ortsteil Windpassing sowie der Ennshafen angebunden werden.
  • Danach verläuft die Trasse in Dammlage, wobei der Straßendamm teilweise als Hochwasserschutz dient. Die Siedlung Windpassing wird mit einer Lärmschutzanlage vor Straßenlärm geschützt.
  • Im Norden bindet die Umfahrung mit einem dreistrahligen Kreisverkehr mit 50 Metern Durchmesser wieder an den Bestand an. Hier wird der Ortsteil Pyburg an die Umfahrung angeschlossen.
  • Wasserseitig wird parallel zur Fahrbahn ein Begleitweg errichtet, der auch die Funktion eines Radweges erfüllt und an den Donauradweg anbindet.
  • Als Ersatz für die durch die Trasse durchschnittenen Wirtschaftswege wird nordseitig des Dammes ein Wirtschaftsweg errichtet, der die Zufahrt zu den landwirtschaftlich genutzten Grundstücken sichert. Zur Verbindung mit dem Ortskern und dem öffentlichen Verkehrsnetz wird in der Nähe des Gasthauses Wendtner eine Wirtschaftswegunterführung errichtet.

Zahlen & Fakten

Länge: 2,5 Kilometer
Fahrbahnbreite: 8,5 Meter
Länge Hochwasserschutzdamm: 1.250 Meter
Länge Lärmschutz Damm/Wand: 2.350 Meter
Anzahl Kreisverkehre: 2 (je 50 Meter Durchmesser)
Brücke (Wirtschaftsweg): 1
Hochwasserpumpwerke: 2
Baubeginn: November 2015
Verkehrsfreigabe: Herbst 2017
Verkehrsentlastung im Ortsgebiet: bis zu 85 Prozent
Kosten: 14 Millionen Euro