Erstellt am 19. Januar 2016, 03:18

von Hermann Knapp

Bauernbundobmann: „Das sind oft Schikanen!“. Bauernbundobmann Pum fordert Eindämmung des Bürokratismus sowie der Kontrollen für Landwirte und kündigt Image-Kampagne für regionale Produktion an.

Der Computer ist auch aus der Lebenswelt der Landwirte nicht mehr wegzudenken. Für Bauernbundobmann Bundesrat Andreas Pum leiden die Bauern aber schon an einem Übermaß an Bürokratie. Foto: Knapp  |  NOEN, Hermann Knapp
Mit der Forderung nach einem massiven Bürokratieabbau für die Landwirte, startet Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum politisch ins neue Jahr.

Unzählige Kontrollen stoßen sauer auf

„Die Antragstellung für die Ausgleichszahlungen wurde in den letzten Jahren massiv verkompliziert. Im Bezirk werden rund 3.500 Mehrfachanträge bei der Kammer abgegeben. In der Nachbearbeitung gilt es da dann unzählige Formal- und Bagatellfehler auszuräumen“, berichtet der VP-Politiker.

Allerdings handle es sich zumeist nur um Kleinigkeiten, für die sich der Aufwand im Grunde nicht lohne, weil sie keinen wirklichen Einfluss auf den Förderanspruch hätten.

„Die Bauern müssen ja die bewirtschafteten Fläche auf den Quadratmeter genau angeben. Wenn nun zum Beispiel auf einem Feld ein vier Quadratmeter großer Misthaufen liegt, dann muss dieser exakt herausgerechnet werden. Das ist nur eine bürokratische Schikane“, schimpft Pum.

Was den Landwirten im Bezirk auch sauer aufstößt, sind die unzähligen Kontrollen ihrer Betriebe. „Die Handelsketten haben eigene Kontrolleure, die diversen Programme, an denen die Bauern teilnehmen – zum Beispiel Markenfrischfleisch – schicken wieder eigene Prüfer und die AMA kontrolliert sowieso regelmäßig die Einhaltung der EU-Richtlinien. Es kann dem Bauern daher passieren, dass in einer Woche drei Kontrolleure kommen, die im Grunde dasselbe prüfen. Das kostet unnötig Zeit und Nerven“, sagt Pum.

Seiner Ansicht nach wäre es sinnvoll, alle Kontrollen zu vereinheitlichen und in die Hände der AMA zu legen.

Marketing für regionale Produkte wird verstärkt

Die Landwirte im Bezirk haben aber auch noch andere Sorgen. Die Preise in den meisten Sparten (Schweinefleisch, Rindfleisch, Milch, Getreide, etc.) sind nach wie vor im Keller. Neben globalen Ursachen tun auch die Handelsbetriebe das ihre dazu, indem sie bäuerliche Produkte zu Dumpingpreisen in den Regalen anbieten.

„Daher wird auch heuer ein Schwerpunkt unserer Arbeit auf dem Marketing liegen. Da geht es natürlich um Bewusstseinsbildung bei den Konsumenten, was heimische Produkte eigentlich wert sind und welche Leistung die Bauern auch für die Erhaltung der Kulturlandschaft und den Tourismus erbringen“, sagt Pum.

Noch im Frühjahr soll die Kampagne „Da schauen wir drauf“ präsentiert werden, die genau auf die genannten Punkte abzielt. Zusätzlich will die Bauernschaft aber auch an die Wirte appellieren, heimischen Produkten den Vorzug zu geben. „Regionale Qualität zahlt sich aus, weil der Gast durchaus unterscheiden kann, was er auf dem Teller hat!“, sagt Pum.

Bestbieterprinzip als Erfolg zu vermelden

Was die Situation der Landwirte insgesamt so speziell macht ist, so der VP-Politiker, dass sie in jeder Region, ja fast in jeder Gemeinde mit anderen Problemen kämpfen. „Das haben im Dezember die Teilbezirkstage wieder klar gezeigt, wo wir bewusst viele Landwirte zu Wort kommen haben lassen. In Ennsdorf geht es etwa um die Frage, welchen Stellenwert bäuerlicher Grund und Boden angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung überhaupt noch hat. In St. Pantaleon ist der Hochwasserschutz das große Thema, in St. Valentin, aber auch in Behamberg durch seine Nähe zu Steyr, steht die landwirtschaftliche Produktion im Spannungsfeld von Stadt und Land.“

Und bezirksweit müssen sich, so der Bauernbundobmann, die Landwirte natürlich mit den Auswirkungen des Klimawechsels auseinandersetzen. „Wir müssen auch heuer diverse Wetterkapriolen befürchten“, sagt Pum.

Einen Erfolg hat der VP-Politiker im noch jungen, neuen Jahr aber auch schon zu vermelden. „Nach schwierigen und intensiven Verhandlungen hat der Bauernbund erreicht, dass nun auch im Lebensmittelbereich bei Beschaffungen nicht mehr das Billigstbieter-, sondern das Bestbieterprinzip gilt. Damit steigen natürlich die Chancen für heimische Erzeuger, zu punkten, weil kurze Wege der Produkte und regionale Qualität nun fixe Bestandteile der Vergabekriterien sind.“