Erstellt am 03. November 2015, 05:17

Flüchtlinge: „Alles ging Schlag auf Schlag“. In Behamberg wurde am Mittwoch eine Familie aus Syrien einquartiert. Weitere Wohnungen werden vorbereitet.

Die Betreuungsgruppe »Willkommen Mensch in Behamberg« bei der Gründungsversammlung, v.l.n.r.: Johann Kampenhuber, Karl Grübl, Koordinator Erwin Wiesner, Erna Springer, Bürgermeister Karl Josef Stegh, Anna Stegh, Rita Chmelik, Irmgard Grübl, Lisa Holzer und Heidi Lumplecker.  |  NOEN, Foto: privat
„Ja, so schnell kann es gehen“, sagt Bürgermeister Karl Josef Stegh. Vor drei Wochen wurden nach Gemeinderatsbeschluss zwei in Gemeindeeigentum befindliche Immobilien der Diakonie als Unterkünfte für Flüchtlinge angeboten. Parallel dazu hat sich auch die Betreuungsgruppe „Willkommen Mensch in Behamberg“ unter dem Vorsitz von Erwin Wiesner gegründet.

Während in Behamberg also schon von vielen Seiten Vorbereitungen für die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien getroffen wurden, kam seitens der Diakonie aber nie eine Rückmeldung, auch nach mehrmaligen Interventionen per E-Mail nicht. „Deshalb habe ich am Mittwochvormittag angerufen, um nachzufragen, ob die Wohnungen überhaupt geeignet sind“, berichtet Stegh.

„Die Dame hat mir erklärt, es gäbe derzeit bei der Diakonie keine Kapazitäten für den E-Mail-Verkehr. Sie schlug aber vor, alle Formalitäten am Telefon zu klären.“ Nach dem Okay für die Wohnungen fragte der Bürgermeister nach, mit welchem Zeitrahmen bis zur Ankunft der ersten Flüchtlinge zu rechnen sei. „Bis zu zwei Wochen könne es dauern, hieß es“, erzählt Stegh.

Drei Nächte im Freien – Kind war schon krank

Doch bereits wenige Stunden später, gegen 15 Uhr, habe er einen Anruf der Diakonie mit der Bitte um Hilfe erhalten. Ein Notfall sei eingetreten: Eine kleine syrische Familie mit einem eineinhalbjährigen Buben stehe schon seit drei Tagen auf der Straße. Der Kleine sei bereits krank und die erschöpfte Familie brauche dringend eine Unterkunft. „Momentan hab ich schon geschluckt“, schildert Stegh. „Denn die Wohnung war zwar möbliert, aber noch nicht mit dem nötigen Hausrat ausgestattet. Also habe ich mich sofort mit der Betreuungsgruppe kurzgeschlossen. Dann ging es Schlag auf Schlag.

Innerhalb einer halben Stunde war die Wohnung mit Kinderbett, Geschirr, Bettwäsche und vielem mehr ausgestattet. Unsere Gemeinderätin Rita Chmelik fuhr mit ihrer Tochter nach Wien, um die Familie abzuholen“, beschreibt der Ortschef das reibungslose Prozedere. Gegen 21 Uhr seien der 25-jährige Vater, seine 22-jährige Frau und der kleine Sohn wohlbehalten in ihrem neuen Zuhause angekommen.

Am Donnerstag war der erste Weg zum Kinderarzt, der das stark verkühlte Kleinkind untersuchte und mit Medikamenten versorgte. „Die Familie ist sehr glücklich und dankbar, bei uns zu sein und derartige Hilfe zu bekommen. Es sind sehr sympathische junge Leute, deren ganzes Hab und Gut bei der Ankunft in Behamberg ein klappbarer Buggy, eine kleine Tasche mit ein paar Windeln für das Baby und zirka 25 Euro Bargeld waren“, teilt Stegh mit.

Die zweite Immobilie, das Leitner-Haus am Wachtberg, sei allerdings noch nicht bezugsfertig. „Wir haben jetzt grünes Licht der Diakonie und können es für weitere Familien adaptieren“, informiert Stegh.