Erstellt am 19. Mai 2016, 04:14

von Sabine Hummer

Behamberg: Intensive Flüchtlings-Betreuung statt Gettoisierung. Als Koordinator von „Willkommen Mensch in Behamberg“ räumt der 67-jährige Pensionist Erwin Wiesner mit den Kritikern auf.

In Behamberg sind die Flüchtlinge dank der Unterstützung von »Willkommen Mensch« und Koordinator Erwin Wiesner (3.v.li.) gut integriert. Foto: Putz  |  NOEN, Putz

NÖN: Herr Wiesner, Sie stehen der Initiative „Willkommen Mensch in Behamberg“ voran. Sind Sie mit der bisher geschehenen Arbeit Ihres ehrenamtlichen Teams zufrieden?
Erwin Wiesner: Ja, sehr! Mittlerweilen sind 50 Behambergerinnen und Behamberger im Team und stehen gemeinsam hinter der Aufgabe, Flüchtlinge in unserer Gemeinde aufzunehmen. Intensive Betreuung in dezentralen Kleingruppen ist unserer Meinung nach die beste Voraussetzung für eine gelingende Integration und damit die präventive Vermeidung von aufkeimenden Problemen mit der Bevölkerung.
Mir persönlich macht es riesig Spaß für und mit der Gemeinschaft „Willkommen Mensch in Behamberg“ tätig zu sein.

„Keine Flüchtlinge in Behamberg bedeutet
Abschieben der Verantwortung auf andere.“
Erwin Wiesner


Greifen Sie auch hilfsbedürftigen inländischen Familien unter die Arme oder sind die Hilfeleistungen auf Flüchtlinge beschränkt?
Hinschauen und helfen anstatt wegschauen ist mein Anspruch. Ehrenamtliches Engagement ist die Basis für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Nur „Österreich zuerst“ zu rufen reicht nicht.
Ein persönlicher Schwerpunkt ist seit mehreren Jahren die begleitende Unterstützung einer österreichischen Jugendlichen auf ihrem schwierigen Weg zu einem eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Leben.

Das Thema „Asylquartier im Ramingtalerhof“ hat stark polarisiert. Nun ist es vorerst vom Tisch. Könnte Behamberg ein solches Quartier mit 25 Personen überhaupt verkraften beziehungsweise würde sich Ihre Institution auch hier einbringen?
Die Flüchtlingsbetreuung aller „Willkommen Mensch“-Gruppen basiert auf Freiwilligkeit. Gewinnorientierte Quartiergeber führten daher vielerorts zu heftigem Frustaufbau bei den Betreuern. Aber Flüchtling bleibt Flüchtling. Unser Ziel wird es immer bleiben, durch integrative Arbeit ein möglichst konfliktfreies Miteinander zu ermöglichen.

Als Koordinator von „Willkommen Mensch in Behamberg“ haben Sie es wahrscheinlich auch mit kritischen Stimmen zu tun. Wie gehen Sie damit um, beziehungsweise wie halten Sie dagegen?
Die Vertreter der Behamberger FPÖ fordern im FP-Kurier, die weitere Suche nach Flüchtlingsquartieren zu stoppen. Keine Flüchtlinge in Behamberg bedeutet Abschieben der Verantwortung auf andere. Ab nach Haidershofen, Aschbach oder sonst wo hin. Kirchturmdenkendes Florianiprinzip eben. Flüchtlinge sind nun mal im Land. Sie zu gettoisieren – also irgendwo und nur nicht bei uns – führt geradehin zu unerwünschten Parallelgesellschaften. Meine Anforderung an einen Gemeindevertreter wäre schon, dass das politische Verantwortungsbewusstsein weiter als bis zur Nasenspitze reicht.

Wie stellen Sie sich die Zukunft von „Willkommen Mensch in Behamberg“ vor?
So wie derzeit die internationale Lage ist, wird uns das syrische Flüchtlingsthema noch länger beschäftigen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir daher unsere Arbeit fortsetzen.