Erstellt am 06. Oktober 2015, 06:57

von Sabine Hummer

Bevölkerung in Vestenthal: „Wir wollen helfen“. Informativer Abend mit persönlichen Erzählungen der Gastreferenten stieß auf immense Zustimmung bei den Besuchern.

Die Gastreferenten Bürgermeister Johannes Pressl aus Ardagger, Bürgermeister Leopold Bürscher aus Großraming (OÖ) und Sigrid Waser-Wagner aus Kilb erzählten über ihre durchwegs positiven Erfahrungen mit Asylwerbern in ihren Gemeinden. Fotos: Sabine Hummer  |  NOEN, Sabine Hummer
Emotionsgeladen und berührend, so könnte der Informationsabend zum Thema „Flüchtlinge in Haidershofen“ am Donnerstag kurz zusammengefasst werden.



Bis auf den letzten Platz war der Saal des Gasthauses Braml in Vestenthal gefüllt. Als Gastreferenten sprachen Sigrid Waser-Wagner aus Kilb, Bürgermeister Leopold Bürscher aus Großraming (OÖ) und Bürgermeister Johannes Pressl aus Ardagger über ihre unterschiedlichen, aber durchwegs positiven Erfahrungen mit Asylwerbern in ihren Gemeinden.

Seitens der Volksschule kam Margarete Donner in Vertretung des Direktors, um zur Eingliederung der Flüchtlingskinder in die Schule Stellung zu nehmen.

„Antworten sind aktuell wichtiger als die Suche nach Sündenböcken“, lauteten Bürgermeister Schimpls einführende Worte. „Wir werden nichts an der aktuellen Lage ändern können. Wir wollen helfen.“
In Abstimmung mit Diakonie und Caritas stellte Karin Ortner die aktuellen Zahlen und Fakten der Flüchtlingsproblematik dar.

„Es gibt ein Menschenrecht auf Asyl, das darf man bei allem, was man bespricht, nicht aus den Augen lassen“, betonte die Sprecherin der Bürgerplattform. Mit Fotos, die vor und während dem Krieg aufgenommen wurden, stellte sie die einst blühende Heimatstadt der Flüchtlingsfamilie vor.

Berührende Erzählungen der Gastredner

Als erster Gast ergriff Bürgermeister Johannes Pressl (Ardagger) das Wort und erzählte über die siebzehnköpfige Flüchtlingsfamilie, die seit Kurzem in seiner Gemeinde untergebracht ist.

Er betonte die Wichtigkeit der Unterstützung durch ehrenamtliche Hilfsplattformen. „Wir müssen sie an der Hand nehmen und ihnen zur Selbstständigkeit verhelfen. Sie haben hier kein Netzwerk und kennen sich in diesem fremden Land schlichtweg nicht aus“, so Pressl.

50 Asylwerber wurden im November 2014 in ein Gasthaus in Großraming einquartiert. Knapp ein Jahr später schilderte Bürgermeister Leopold Bürscher die gute Wendung, die die anfängliche Skepsis der Bürger nun erfahren hat. Er berichtete über Erfahrungswerte, die die Asylwerber in der Gesellschaft erst sammeln müssen.

So initiierte er einen Polizei-Workshop zum Thema „Radfahren“, bei dem die Flüchtlinge mit den Straßenregeln vertraut gemacht wurden. „Heute fahren sie so wie wir“, meinte Bürscher.

Als unglaublich bereichernd bezeichnete Sigrid Waser-Wagner die Arbeit mit den Asylwerbern. Andrea Reitbauer von „Willkommen Mensch“ dankte für die überwältigende Hilfe, die in Vestenthal und Haidershofen angelaufen sei. Die Familie brauche aber nach den Strapazen der Flucht erstmals Ruhe. „Wir haben momentan fast zu wenige Flüchtlinge für die ganze Hilfsbereitschaft.“

Zitiert:

„Wenn man ein Tatschkerl aufs Wangerl von einem zehnjährigen Mädchen bekommt, das gerade Schreckliches durchlebt hat, kriegt man eine Gänsehaut.“
Bürgermeister Manfred Schimpl über das erste Zusammentreffen mit der Flüchtlingsfamilie

„Wenn ich eine Wohlfühlkultur für die Asylanten aufbaue, muss ich mir klar sein, wie ich diese Situation auf Dauer bewältige.“
Siegfried Mühlberghuber, FPÖ-Gemeinderat in Haidershofen

„Wenn du eine gefährliche Reise unternehmen würdest, würdest du dein Handy zu Hause lassen?“
Karin Ortner über die Luxus-Vorwürfe gegenüber Flüchtlingen

„Wenn wir das nicht zusammen bringen, können wir uns alle schämen.“
Kommandant Andreas Oberleitner, Feuerwehr Brunnhof

„So viel ehrliches Danke hab ich sonst in meinem ganzen Leben noch nicht bekommen.“
Christine Oberleitner über ihren Rot-Kreuz-Einsatz in Nickelsdorf

„Wenn man vor einem Asylwerber steht, hat das Thema ein Gesicht und einen Namen. Die zentrale Botschaft muss sein, gemeinsam werden wir es schaffen.“
Gastreferent Bürgermeister Leopold Bürscher aus Großraming

„Wir müssen aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt. Gehen wir auf Leute, die Ängste haben, zu und reden wir mit ihnen.“
JVP-Obmann Michael Strasser