Erstellt am 20. Januar 2018, 05:00

von Hermann Knapp und Andreas Kössl

Landtagswahl: Absiedlung im ländlichen Raum stoppen?. Die NÖN befragte Landtagswahlkandidaten nach ihren Rezepten, um die Absiedlung im ländlichen Raum zu stoppen.

VP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser glaubt an einen Gegentrend zur Abwanderung. VP-Kandidat Werner Krammer will eine Zielgruppe für den Zuzug definieren. SP-Spitzenkandidatin Kerstin Suchan-Mayr fordert leistbares Wohnen für die Jugend.  |  Kössl/Archiv

Die Ballungszentren wachsen, während der ländliche Raum mit Abwanderung zu kämpfen hat, vor allem das Obere Ybbstal ist davon betroffen. Die NÖN hat im Vorfeld der Landtagswahl bei den Parteien nachgefragt, wo sie die größten Probleme und Chancen für den ländlichen Raum sehen.

Kasser: "Gegentrend wird kommen"

„Zurzeit gibt es leider einen Trend zum Wohnen in der Anonymität der Stadt, aber ich bin sicher, dass auch ein Gegentrend kommen wird, der eine Chance für den ländlichen Raum ist“, sagt ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser.

„Naturerlebnis, Dorfgemeinschaft, Vereinsleben, regionale Lebensmittel und zu wissen, wo ich herkomme, sind für viele Menschen jetzt schon Motivation dafür, sich bewusst für ein Leben am Land zu entscheiden.“ Natürlich brauche es aber entsprechende Rahmenbedingungen im ländlichen Raum: Arbeitsplätze, eine gut ausgebaute Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuungsplätze und auch ein gutes kulturelles Angebot.

"Internetausbau als Herausforderung"

Die ÖVP hält die Verlegung von Glasfaserkabeln für den ländlichen Raum für überlebensnotwendig.  |  shutterstock/zentilla

„Vieles davon haben wir im Bezirk Amstetten schon verwirklicht. Die größte Herausforderung ist derzeit der Ausbau des schnellen Internets. Denn nur damit schließen wir die Kluft zwischen Stadt und Land, und das ist ein sehr wichtiger Impuls, gerade für die hinteren Talschaften im Bezirk.“

Es müsse, so Kasser, aber auch gelingen, den Menschen die regionalen Kreisläufe noch viel bewusster zu machen. „Wenn ich mein Geld ausgebe, muss ich mir die Frage stellen: Wer bekommt es? Bei Öl und Gas geht mein Geld zum großen Teil nach Kasachstan oder Usbekistan, bei Holz bleibt alles in der Region. Und genau das Gleiche gilt für den Lebensmittelbereich und auch für alle anderen Güter, die jeder von uns verbraucht.“

Besonders wichtig ist es für Kasser, die jungen Frauen am Land zu halten. „Sie sind der Schlüssel. Denn gehen sie weg, stirbt das Land. Gerade deshalb investieren die Gemeinden auch viel in Kinderbetreuung und Bildungsmöglichkeiten.“

Auch Kassers Parteikollege Waidhofens Bürgermeister Werner Krammer sieht die Chance des ländlichen Raums in der Lebensqualität. „Während es in der Stadt eine gewisse Sehnsucht nach Anonymität gibt, gibt es im ländlichen Raum eine Sehnsucht nach Einbettung in eine Gemeinschaft. Überdies hat der ländliche Raum qualitätsvolle Lebensmittel und einen intakten Kultur- und Naturraum. Und wir haben im Bezirk Amstetten mit unseren Unternehmen enorme Potenziale am Arbeitsmarkt.“

Breitbandausbau als große Chance

Im eben angelaufenen Breitbandausbau im Ybbstal sieht Krammer eine große Chance. „Man muss aus dieser Infrastruktur aber etwas machen. Hier braucht es die Innovationskraft von Menschen, welche die damit verbundenen Chancen erkennen.“ Um Zuzug in der Region zu generieren, müsse man eine Zielgruppe finden, meint Waidhofens Stadtchef weiter. „Meiner Meinung nach besteht diese aus Menschen um die 40, die eine Zeit lang woanders gelebt haben, dort Erfahrungen gesammelt haben, vielleicht gerade eine Familie gegründet haben und sich nun die Rahmenbedingungen in den großen Städten nicht mehr antun wollen. Diese Menschen wollen aber einen ordentlichen Arbeitsplatz oder sich vielleicht sogar selbstständig machen. Über Breitband können sie sich mit der ganzen Welt verbinden. Das ist eine Chance dieser neuen Datenautobahn im Ybbstal.“

Suchan-Mayr: "In leistbaren Wohnraum investieren"

SPÖ-Spitzenkandidatin Kerstin Suchan-Mayr aus St. Valentin ortet einen bedenklichen Aderlass des ländlichen Raumes in den letzten Jahren: „Ich erinnere an das Ende des Zugverkehrs ins Ybbstal sowie die Schließung von Polizeiposten und Postämtern. Es fehlt aber auch an Nahversorgung und an Ärzten.“

Der SPÖ sei es wichtig, vor allem jungen Menschen leistbares Wohnen zu bieten. „Wir wollen das Konzept 5x5 (fünf Euro pro Quadratmeter für fünf Jahre) umsetzen. Wir brauchen aber auch dringend eine Fachhochschule, um die Abwanderung von jungen Menschen in andere Bildungsregionen einzudämmen und wir müssen die Chancen der Digitalisierung in verschiedenen Bereichen optimal nutzen“, sagt Suchan-Mayr.

Gerade der Bezirk Amstetten sei ein starker Wirtschaftsraum mit sehr vielen Arbeitsplätzen. Um diese gute Wirtschaftssituation weiterhin gewährleisten zu können, sei es wichtig, rechtzeitig zukunftsweisende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit nicht die „netten Ideen von heute schon morgen der Vergangenheit angehören“.

„Ebenso braucht es ein gerechtes Fördersystem in der Landwirtschaft und die Unterstützung von Biobauern und Selbstvermarktung.“