St. Peter in der Au

Erstellt am 19. April 2017, 06:06

von Hermann Knapp

Landwirt gegen Jäger: Ärger über Wildverbiss. Landwirt Herbert Hochwallner beklagt Trophäenjagd. Jäger widersprechen diesem Vorwurf und verweisen auf Abschusspläne. Jährlich werden im Bezirk 10.000 Rehe getötet.

Nicht nur der Verbiss von Bäumen, sondern auch das „Verfegen“ (Reiben des Geweihs am Stamm) ist für Herbert Hochwallner ein großes Problem. Viele Bäume würden dadurch nachhaltig geschädigt.  |  Knapp

„Wir haben einen viel zu hohen Rehwildbestand. Die Tiere richten im Wald enormen Schaden an“, klagt Herbert Hochwallner, Biolandwirt und Zimmereibetreiber sowie Bezirksbauernrat der Unabhängigen Bauernschaft im Dobratal in St. Peter/Au.

Betroffen vom Wildverbiss sei vor allem die Tanne. „Ihre Triebe sind ein Leckerbissen für die Rehe. Die Bäume werden in ihrer Entwicklung oft um Jahre zurückgeworfen oder gehen ganz ein, weil sie von Disteln und Büschen überwuchert werden.“

„Ich glaube einfach, dass sich viele Jäger des Grundproblems gar nicht bewusst sind.“Herbert Hochwallner

Auch Zäune würden keinen ausreichenden Schutz vor Rehen bieten, denn die Tiere fänden immer einen Weg hindurch. „Ich habe die zuständigen Jäger darauf aufmerksam gemacht, dass Rehe in mein umzäuntes Gebiet eingedrungen sind, aber sie haben nicht reagiert. Nach einem Monat hatte ich einen massiven Schaden. 80 bis 100 Prozent der jungen Tannen waren verbissen“, erzählt der Landwirt.

Seiner Ansicht nach wird die Jagd nicht zum Schutz des Waldes betrieben. „Das Grundübel ist, dass wir eine Trophäenjagd haben“, sagt Hochwallner. Es gehe den Waidmännern nicht darum, die Rehe (die keine natürlichen Feinde haben) konsequent zu reduzieren, sondern darum, den schönsten Bock zu schießen.

„Ich will die Jäger gar nicht anklagen, denn es ist gut, dass wir sie haben. Ich glaube einfach, dass sich viele des Grundproblems gar nicht bewusst sind.“ Hochwallner schätzt, dass derzeit auf 100 Hektar Grund, 30 bis 60 Rehe kommen: „Das sind zu viele.“

„Die Diskussion mit ihm haben wir ja schon lange“

Aber nicht nur durch Verbiss, sondern auch durch „Verfegung“ (Reiben des Geweihs an den Stämmen) würden die Tiere Tannen und Fichten schädigen. „Die Bäume sterben oder wachsen nicht mehr so schnell und viele von ihnen werden innen faulig“, klagt Hochwallner.

Bezirksjägermeister Franz Hochholzer widerspricht den Aussagen des St. Peterer Landwirtes. Für ihn ist Hochwallner kein Unbekannter. „Die Diskussion mit ihm haben wir ja schon lange. Tatsache ist, dass alle drei Jahre ein Abschussplan gemacht wird. In diesem Verfahren sind Grundeigentümer, Behörde und Jägerschaft einbezogen. Der Plan wurde erst heuer für die Jahre 2017, 2018 und 2019 festgelegt“, sagt Hochholzer.

In manchen Gebieten mit hohem Wildstand sei die Abschussquote um bis zu 20 Prozent erhöht worden. Es gäbe aber auch Bereiche mit so wenig Wild, dass dort künftig nicht mehr so viele Tiere geschossen werden dürfen. In den 150 Revieren im Bezirk werden jährlich rund 10.000 Rehe getötet (8.000 geschossen, 2.000 im Straßenverkehr). Allein diese Zahl beweise, so Hochholzer, dass der Vorwurf, die Jäger betrieben einen Trophäenkult absurd sei.

Mehr dazu in der neuen NÖN-Ausgabe sowie im ePaper!