Erstellt am 22. Dezember 2015, 04:33

von Hermann Knapp

Bezirksfeuerwehrkommandant stellt sich nicht mehr der Wahl: „Es ist eine Zeitfrage“. Bezirksfeuerwehrkommandant Armin Blutsch (54) über die Gründe, warum er nicht mehr zur Wahl antritt, das neue Feuerwehrgesetz und den Feuerwehrnachwuchs im Bezirk.

Noch-Bezirksfeuerwehrkommandant Armin Blutsch will sich künftig auf seine Funktionen auf Landesebene und in der Stadt konzentrieren. Foto: Hudler  |  NOEN, Hudler

NÖN: Sie sind seit 20 Jahren Bezirkskommandant, stellen sich im März aber nicht mehr der Wahl. Wie kam es zu der Entscheidung?

Armin Blutsch: Bisher war es gesetzlich so festgelegt, dass man als Landeskommandant und Landeskommandantstellvertreter auch aktiver Bezirkskommandant sein musste. Dietmar Fahrafellner und ich haben den Vorschlag gemacht, diese Regelung zu ändern. Der amtierende Landeskommandant und der Stellvertreter haben nun das aktive und das passive Wahlrecht. Das heißt, sie können sich der Wahl stellen, ohne vorher zum Bezirkskommandanten gewählt geworden zu sein.

„Hatte für den Bezirk weniger Zeit“

Warum war das für Sie wichtig?

Es ist eine Zeitfrage. Gerade in Spitzenzeiten von April bis Juni und von September bis November gibt es nicht nur im Bezirk, sondern auch auf Landesebene viele Veranstaltungen. Natürlich hat man als Landeskommandantstellvertreter die Verpflichtung, daran teilzunehmen. Aus diesem Grund hatte ich für den Bezirk weniger Zeit. Darum ist es besser, wenn es einen Bezirkskommandanten gibt, der sich auf dieses Amt konzentrieren kann. Natürlich werde ich aber auch künftig selbst an verschiedenen Veranstaltungen im Bezirk teilnehmen.

Wann finden die Wahlen bei den Feuerwehren statt?

Im Jänner müssen die Feuerwehrkommandanten neu gewählt werden. Zwischen 15. Februar und 15. März werden dann die Wahlen auf Abschnitts- und Unterabschnittsebene durchgeführt – bei uns im Bezirk geschieht das am 27. Februar. Am 18. März finden schließlich die Wahlen auf Landesebene statt.

Wer wird Ihnen im Bezirk als Kommandant nachfolgen?

Namen will ich noch keinen nennen. Es gibt aber einen logischen Kandidaten für die Funktion. (Die Rede ist vermutlich vom bisherigen Stellvertreter Rudolf Katzengruber, Anm. d. Red.)

Gibt es auf Abschnittsebene gravierende Änderungen?

In den Abschnitten Amstetten Land und St. Peter in der Au wird es zu Führungswechseln kommen. Die Kameraden Karl Radinger und Franz Kogler werden aus Altersgründen ihre Funktionen zurücklegen. Natürlich wird es auch im Kommando der einen oder anderen Feuerwehr im Bezirk zu einem Wechsel kommen.

„Schneekatastrophe 2006 war Herausforderung“

Sie selbst bleiben Kommandant der Amstettner Feuerwehr?

Wenn ich wieder gewählt werde, werde ich diese Funktion auch weiter ausüben.

Wenn sie auf Ihre 20 Jahre als Bezirkskommandant zurückblicken, was waren die herausfordernsten Einsätze?

Das waren auf jeden Fall die Schneekatastrophe im Jahr 2006 vor allem im Ybbstal, die Hochwassereinsätze 2002 und 2009 und 2013 im Bezirk, und natürlich der Brand der Neusiedler im Jahr 2001. Neuland war für uns auch der Sieberg-Eisenbahntunnel, für den wir eigene Alarmpläne entwickelt haben. Es hat sich in diesen Jahren bei den Feuerwehren natürlich auch in allen Bereichen viel getan. Es gibt neue Schutzkleidung und zeitgemäße Helme. Auch in der Löschtechnik hat sich etwas verändert. So ist man von Mehrzweckstrahlrohren auf Hohlstrahlrohre übergegangen, weil diese 50 bis 70 Prozent mehr Löschwirkung haben. Nicht vergessen werden darf auch die Umstellung auf Digitalfunk, die auch ein Meilenstein war.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs im Bezirk aus?

Wir können den Mitgliederstand unserer Feuerwehrjugend halten. Wichtig ist die Aktion „Gemeinsam.sicher.Feuerwehr“, mit der wir in die dritten und vierten Volksschulen gehen und den Kindern zeigen können, dass die Feuerwehr etwas Gescheites ist. Denn natürlich stehen wir in Konkurrenz mit anderen Vereinen und müssen daher am Drücker bleiben.

Sie haben ja neben Ihrem Engagement bei der Feuerwehr noch einen Zivilberuf. Wie lässt sich das zeitlich vereinbaren?

Heuer hatte ich bereits 400 Tätigkeiten mit über 1.000 Stunden, wobei ich meine Funktion als Kommandant von Amstetten noch nicht mitgerechnet habe. Man muss sich die Zeit gut einteilen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Vor allem braucht man gute Mitarbeiter auf allen Ebenen.

Noch ein Wort zur Rettungsgasse, die Ihnen ja immer ein wichtiges Anliegen war?

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass sie ein gutes Instrument ist, nur sind die Autofahrer leider zu dumm.

Stichwort Rettungsgasse: Wie steht Ihr zu diesem Thema? Stimmt bei unserer Umfrage mit und sagt uns so Eure Meinung!


 

Neue Regelungen

  • Bei der Wahl der Feuerwehrkommandanten hat auch künftig der Bürgermeister den Vorsitz inne. Neu ist, dass er eine dreiköpfige Wahlleitung anführt, der auch der jüngste und der älteste Charge angehören.

  • Wahlberechtigt sind Feuerwehrmitglieder, die das 15. Lebensjahr vollendet haben.

  • Eine Wahlanfechtung kann von jedem Kandidaten, der sein passives Wahlrecht verletzt sieht, eingebracht werden. Über die Beschwerde entscheiden Gemeindevorstand oder Stadtrat endgültig.