Erstellt am 02. Juni 2016, 05:35

von Daniela Rittmannsberger

"Bin angekommen". Stani Vana, Frontman der Band „Deladap“, im Gespräch mit der NÖN über das neue Album „Bring it on“, das am 3. Juni erscheint.

»Deladap«-Frontman Stani Vana: »Es ist das persönlichste Album, das ich bisher gemacht habe.«  |  NOEN, Daniela Rittmannsberger

NÖN: „Deladap“ veröffentlicht am 3. Juni mit „Bring it on“ das mittlerweile siebte Album. Hat sich euer Stil geändert?

Stani Vana: Ja, es hat sich etwas verändert. Wir lassen mehr Funk und Soul einfließen und trotzdem könnte jeder Song im Radio gespielt werden. Meine Agentur hat zwei Titel zusammengefügt, Crazy Swing und Dirty Jazz, und das ist das, wo wir uns jetzt auch stilistisch bewegen. Ich habe jahrelang experimentiert und gemischt und ich fühle mich jetzt sehr wohl dabei, wie ich es mache. Lieder wie „skyrocket“ oder „sleepwalker“ habe ich vor vielen Jahren geschrieben. Sachen, die ich früher nicht passend für „Deladap“ gefunden habe, mache ich jetzt. Diese Leichtigkeit gibt mir das Gefühl, musikalisch zuhause angekommen zu sein.

Worum geht es in „Bring it on“?

Vana: Es ist das persönlichste Album, das ich bisher gemacht habe. Es wird sehr viel erzählt und die Welt aus eigener Sicht betrachtet. Nicht erklärt, das maße ich mir nicht an, aber es gibt schon Zugänge, die oft banal formuliert sind. „Merry go round“ zum Beispiel handelt davon, wie einfach es ist: Ich drehe mich mit der Erde und die Erde dreht sich um die Sonne. Oder in „King of the Divan“ zitieren wir Pippi Langstrumpf: Ich lebe nach meinen eigenen Regeln. Das klingt alles sehr naiv, geht aber in Wirklichkeit ziemlich tief. „Free yourself“ ist in Wirklichkeit eine Tagebuchseite, „Sleepwalker“ erklärt das Höllengleichnis von Platon. Die Erkenntnis der Welt durch Abbilder der Abbilder. Man versucht, sich zu orientieren, in Wirklichkeit bietet sich aber nur ein kleiner Teil der Erkenntnis. Man versucht, etwas zu verändern, geht aber wie ein Schlafwandler durch das eigene Leben.

Woher kommen deine Ideen?

Vana: Ich lese sehr viel. Bei „Sleepwalker“ war die Inspiration das Buch „Schlafwandler“ von dem australischen Autor Christopher Clark. Ich träume aber auch viel und habe vor dem Aufwachen oft Angst, dass mir nichts mehr einfällt oder dass ich die Träume wieder vergesse. Ich liebe aber auch zum Beispiel aufgetragene Schlagwörter: crazy Swing, dirty Jazz – da entstehen Bilder.

Jazz und Swing – seid ihr erwachsener geworden?

Vana: Es kommt natürlich darauf an, wie man es spielt. Das man erwachsener wird, ist zweifellos unvermeidbar, aber es geht mehr um die Energie. Die Namen sind dabei eh Programm, denn bei dirty Jazz riecht man, dass das nicht ganz normal ist. Dirty Jazz ist für mich ein Synonym für den Alltag.

Du verarbeitest unter anderem Klänge aus Ungarn und deiner Heimat Tschechien mit „Deladap“. Heute besinnt man sich oft wieder mehr auf die eigenen Wurzeln – warst du deiner Zeit voraus?

Vana: Ich verarbeite ja nicht nur meine eigenen Wurzeln, sondern das, was in meiner Umgebung war. Ich bin für die freie Entfaltung der Volksmusik, speziell im Mitteleuropäischen Bereich ist das aber nicht so leicht wie in Ungarn und Griechenland. Vieles ist sehr verwoben miteinander und das war auch der Ansatz. Danach hat es vier Jahre gedauert, denn ich habe mich in einem Terrain bewegt, wo es nichts gab. Für mich war der Groove wichtig. Jung, schön und virtuos war mir scheißegal – alt, erfahren und cool war wichtig. Nach vier Jahren erschien das erste Album und es war ein voller Erfolg.

Du bist in Prag geboren und wohnst jetzt in Erla und Wien. Wo fühlst du dich zu Hause?

Vana: In Erla, hier bin ich daheim. Ich genieße hier den Status des Paradiesvogels, was nicht immer vorteilhaft ist, aber meistens lustig. Wien und St. Valentin, das ist die Wechselwirkung, die es auch für mich sehr spannend macht. Hier editiere ich sehr gerne die Sachen, wo ich schreibe, weiß ich aber nicht. Manchmal am Flughafen, manchmal im Auto. Wir haben auch mit der Musikkapelle von Erla ein Video gedreht. Ich bin hier zuhause und lebe mit den Menschen und es ist schön, wenn sie an dem teilnehmen, was ich mir ausdenke. Und ich wiederum daran teilnehme, wenn sie Musik machen.