Erstellt am 27. Januar 2016, 04:48

von Hermann Knapp

Bürgermeister Spreitzer: „Echo der Bürger ist gut“. Seitenstettens Ortschef Johann Spreitzer über sein erstes Jahr, die Flüchtlingsfrage und die beiden „Jahrhundertprojekte“ Hochwasserschutz Trefflingtal und Westumfahrung.

Bürgermeister Johann Spreitzer ist seit Jänner Fulltime-Ortschef. Beim Magistrat Waidhofen hat er sich karenzieren lassen. Langweilig wird ihm sicher nicht werden, steht die Gemeinde doch vor der Umsetzung von Großrpojekten wie den Hochwasserschutz Trefflintal. Foto: Hermann Knapp  |  NOEN, Hermann Knapp

NÖN: Ihr erstes Jahr als Bürgermeister neigt sich einem Ende zu. Sind Sie so richtig im Amt angekommen?
Johann Spreitzer: Es hat sich alles gut entwickelt und ich bekomme positives Echo von der Bevölkerung. Leuten, die mich nicht gekannt haben, gefällt, dass ich offen bin und auch Meinungen von anderen gelten lasse, wenn sie für Seitenstetten gut sind. Eine große Herausforderung war das letzte Jahr für mich auf jeden Fall, aber langsam gewinne ich immer mehr Routine. Es sind auch keine groben Fehler passiert, auch wenn man vielleicht manche Kleinigkeiten schneller hätte entscheiden können. Hin und wieder zahlt man eben auch Lehrgeld.

„Kunstrasenfeld für Fußballverein ist 2016 vorgesehen“

Sie sind jetzt Vollzeitbürgermeister?
Ja, denn der Überlassungsvertrag des Magistrats Waidhofen mit der Gemeinde Seitenstetten ist mit Jahresende ausgelaufen. Das war auch nie anders vorgesehen. Ich bin nun ohne Bezüge karenziert und widme mich mit voller Kraft meinen Aufgaben als Bürgermeister. Diese Kraft und Zeit werde ich für die kommenden Aufgaben und Projekte sicher gut brauchen. Die neue Regelung ermöglicht es mir auch, wieder ein wenig mehr für die Familie da zu sein. Da war das letzte Jahr schon sehr belastend, denn ich habe sehr viel Zeit am Gemeindeamt und bei Terminen verbracht. Es galt ja auch viele Leute kennenzulernen, in der Gemeinde, im Bezirk, aber auch in der Landesverwaltung.

Welche Projekte werden 2016 in Angriff genommen?
Was uns derzeit intensiv beschäftigt, ist die Kleinkindbetreuung. Unser Kindergarten ist – aufgrund der immer jünger werdenden Kinder (unter drei Jahren), die den Kindergarten besuchen wollen – bereits zu klein.Wir haben zwar im Herbst 2016 insgesamt 28 Schulanfänger, dafür rücken aber 23 Dreijährige nach. Das heißt, dass wir kaum Platz für zweieinhalbjährige Kinder haben. Da sind aber auch schon 27 von 50 möglichen angemeldet. Für sie brauchen wir Raum. Das Land NÖ hat bereits eine zusätzliche Kindergartengruppe genehmigt, die würde unser Problem aber nicht wirklich lösen und außerdem gibt es für Kleinkindbetreuungseinrichtungen bessere Förderungen. Wir wollen daher einen einstöckigen Zubau beim Kindergarten errichten, um ein weiteres Angebot für unsere jungen Familien zu bieten. Sollte dieser bei der Gemeinderatssitzung im Februar beschlossen werden, ist bis Herbst 2016 eine Fertigstellung vorgesehen.
Geplant sind im kommenden Jahr auch noch die Vergrößerung des Trainingsplatzes und die Schaffung eines kleinen Kunstrasenfeldes für den Fußballverein. Da wird es im Februar beim Land ein Finanzierungsgespräch geben und der Verein wird auch Eigenleistungen einbringen. Den idealen Zeitpunkt, um das Projekt zu starten, werden wir dann noch mit den Fußballern abklären. Wir wollen den Spielbetrieb ja so wenig wie möglich stören.

Jahrhundertprojekte für die Gemeinde

Zwei sogenannte „Jahrhundertprojekte“ sind in der Gemeinde ja auch in Planung – das Rückhaltebecken im Trefflingtal und die Westumfahrung. Wird da auch 2016 begonnen?
Momentan läuft die Detailplanung. Es hat ja durch die Grundablöseverhandlungen noch einmal eine geringfügige Verschiebung der Straßentrasse gegeben. Da müssen nun noch Sondernutzungsrechte und Leitungsrechte abgeklärt und neue Lärmschutzgutachten gemacht werden. Ich denke, dass im Sommer die Ausschreibung erfolgen wird. Beide Projekte müssen ja Hand in Hand gehen, denn das Material, das beim Bau der Straße gewonnen wird – rund 60.000 Kubikmeter – soll zur Dammschüttung für das Rückhaltebecken verwendet werden. Insgesamt braucht man dafür 90.000 Kubikmeter. Geplant ist, Damm und Straße bis Ende 2017 fertigzustellen.

Seitenstetten hat auch Flüchtlinge aufgenommen. Wie funktioniert die Integration?
Wir haben jetzt insgesamt 28 Asylwerber im Ort. Das Zusammenleben funktioniert gut. Die meisten wohnen im Zentrum, ein paar aber auch im Trefflingtal. Da ist natürlich die Mobilität ein gewisses Problem. Nach wie vor gut angenommen werden die Deutschkurse, die von Freiwilligen aus der Gemeinde abgehalten werden. Die Bevölkerung ist den Flüchtlingen gegenüber sehr aufgeschlossen. Ich habe noch keine Beschwerden gehört. Aber auch die Asylwerber sind sehr freundlich und dankbar.

Wie sieht es mit Wohnraum in der Gemeinde aus?
Wenn sich jemand bei uns ansiedeln will, stehen in Zukunft wieder neue Wohnungen zur Verfügung. Im Schmiedfeld errichtet die Genossenschaft Kirchberg am Wagram zwölf Wohnungen, die werden im Herbst beziehbar sein, außerdem entstehen dort auch noch zwei Doppelhäuser. Die Heimat Österreich baut zwei Blöcke mit 16 Wohnungen in Unterkansering und in Oberkansering errichtet die TiH sechs Doppelhäuser. Informationen sind am Gemeindeamt erhältlich.

Gemeinden in der Umgebung haben Wasserprobleme. Wie ist das in Seitenstetten?
Jene Haushalte, die an der Gemeindewasserleitung hängen, haben keine Probleme. Unsere Quelle in Weidersdorf liefert genügend Wasser und wir planen ja auch, einen zweiten Brunnen in Dachsbach zu errichten (mehr auf Seite 33). Allerdings sind in Wohnsiedlungen etliche Brunnen aufgeschnappt und auch Landwirte am Ederrücken haben kein Waser mehr. Da sind die Brunnen total versiegt. Im Bedarfsfall werden sie von der Feuerwehr Dorf mit Wasser versorgt. Da werden wir ein Projekt starten müssen.