Erstellt am 13. Februar 2016, 06:48

von Hermann Knapp

Bürgermeister Unterberger: „Auf Kurs Richtung 2.000“. Wolfsbachs Bürgermeister Josef Unterberger über steigende Bevölkerungszahlen, konsequente Siedlungspolitik, Projekte für das Jahr 2016 und sein erstes Jahr als Ortschef.

Bürgermeister Josef Unterberger zieht nach einem Jahr Amtszeit eine durchaus positive Bilanz. Vor allem der direkte Kontakt zu den Wolfsbacherinnen und Wolfsbachern ist ihm sehr wichtig. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp

NÖN: Ihr erstes Jahr als Bürgermeister ist um. Was hat Sie angenehm oder negativ überrascht?
Josef Unterberger: Wenig. Ich habe ja gewusst, was mich erwartet, auch vom Zeitaufwand her. Ich bin drei bis vier Mal in der Woche am Gemeindeamt. Natürlich ergeben sich mit meinem landwirtschaftlichen Betrieb Stresssituationen, aber am Ende des Tages geht sich doch immer alles aus – weil mich auch meine Familie voll unterstützt. Ich habe in diesem Jahr festgestellt, dass die Wertschätzung der Leute gegenüber dem Bürgermeister, und somit meiner Person gegenüber, sehr groß ist. Ich suche auch selbst den Kontakt zu den Bürgern und tue mir da auch nicht schwer, weil ich ja schon immer gut eingebunden war. Ich gehe in die Kirche und zum Frühschoppen, ich bin im Bauernbund verankert und war ja bis vor Kurzem auch Sportunion-Obmann. Ich verstehe mich mit den Jungen genauso gut wie mit den Senioren. Und wenn jemand ein Problem oder ein Anliegen hat, dann bemühe ich mich um eine Lösung, obwohl man natürlich nicht alles erfüllen kann.
Wichtig ist mir auch, alle Gemeinderäte und Mitarbeiter einzubinden und ein menschliches Klima herzustellen. Ein kleines Beispiel: Ich rufe alle an ihrem Geburtstag an.

Wie ist das Verhältnis zu den politischen Konkurrenten?
Die Zusammenarbeit mit der SPÖ und der FPÖ funktioniert gut. Sie bekommen auch alle wichtigen Informationen. Ich habe eingeführt, dass alle Gemeinderäte am Freitag einen Newsletter mit den wichtigen Terminen der kommenden Woche erhalten, damit sie auf dem Laufenden sind.

Welche großen Aufgaben oder Projekte stehen heuer in Wolfsbach an?
Wir wollen die Aufbahrungshalle sanieren. Bei einer ersten Begehung haben wir schon gesehen, dass da weit mehr Arbeit auf uns zukommt, als ursprünglich erwartet. Neu gestalten wollen wir auch den Vorplatz des Friedhofes samt Einteilung der Parkplätze und wir wollen 60 bis 70 Urnengräber schaffen – Boden und Wandgräber. Der Trend zu Urnenbestattungen ist auch in Wolfsbach da. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen und innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen werden.
Geplant ist heuer außerdem die Sanierung der Abt-Laurentius-Straße und des dort schadhaften Kanals. Zudem werden wir auch gleich Breitbandleitungen verlegen und Fernwärmerohre. Die Feuerwehr wird ihr Haus ans Fernwärmenetz anschließen, womit dann alle öffentlichen Gebäude mit Öko-Energie versorgt werden.
Abschließen wollen wir heuer auch noch die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Lampen. Außerdem werden wir in die Sanierung unseres Güterwegenetzes investieren. Wir haben ein Netz von etwa 30 Kilometern Länge, teilweise sind die Wege 40 bis 50 Jahre alt. Das ist auch finanziell eine Herausforderung für die Gemeinde.

Wolfsbach hat sich in den letzten Jahren durch eine konsequente Siedlungspolitik ausgezeichnet. Wird diese fortgesetzt?
Auf jeden Fall. Wir wollen auch künftig ausreichend Baugründe anbieten. Von den 20 Parzellen am Südhang, die wir im Vorjahr aufgeschlossen haben, sind 12 bereits verkauft und drei reserviert. Wir sind daher schon auf der Suche nach neuem Bauland. Die Siedlungspolitik bringt natürlich auch Zuzug mit sich. Wir haben derzeit etwa 1.940 Einwohner und sind auf Kurs in Richtung 2.000. Dass viele junge Familien sich bei uns ansiedeln, wirkt sich auch auf die Schülerzahlen aus. Für September sind 33 Kinder angemeldet. Das ist sehr erfreulich. Bisher hatten wir meistens nur eine erste Volksschulklasse, nächstes Jahr werden es zwei sein. Ein Problem, das wir genauso haben wie andere Gemeinden im Bezirk, sind die ungenutzten Baulandreserven. Gerade jetzt ist die Motivation der Besitzer, Gründe zu verkaufen und Geld auf die Bank zu legen, nicht gerade hoch. Wir wollen aber Gespräche führen und hoffen, dass doch der eine oder andere seine Parzellen verkauft.

Was macht Wolfsbach für Zuzügler eigentlich so attraktiv?
Wir haben eine gute Lebensqualität und eine gute Infrastruktur. Der Kindergarten wurde vergrößert und saniert, die Volks- und die Hauptschule sind ebenfalls auf dem neuesten Stand. Wir haben eine Arztpraxis, einen Nahversorger, sechs Wirtshäuser, ein Café und einen Heurigen. Außerdem gibt es ein aktives Vereinsleben und die Leute halten bei uns zusammen – das hat ja im Vorjahr das Jugendlandesfeuerwehrlager eindrucksvoll bewiesen.
Künftig wollen wir uns darum bemühen, Zuzügler noch besser ins Ortsleben zu integrieren. Im Sommer wird es eine Veranstaltung für sie geben, bei der sie auch eine Mappe erhalten, in der wir ihnen die Gemeinde vorstellen.

Wie sieht es mit neuen Betrieben aus? Gibt es da Anfragen?
Wir versuchen natürlich, Firmen nach Wolfsbach zu bringen und könnten auch Gründe anbieten. Aber obwohl wir nicht weit vom Autobahnanschluss Haag entfernt sind, erweist sich das leider als sehr schwierig.

Wie lautet in einem Satz Ihr politisches Credo?
Erfolgreiche Gemeindearbeit orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Bürger.