Ennsdorf

Erstellt am 19. Juli 2017, 06:07

von Sabine Hummer

Adieu, „weltbester“ Pfarrer: Pater Martin geht. Pater Martin Bichler verlässt nach neun Jahren die Pfarre Enns-St. Marien und wird ab September in seine nähere Heimat versetzt und die Pfarre Lienz leiten.

Nach neun Jahren verlässt Pater Martin die Pfarre Enns-Ennsdorf, um sich neuen Aufgaben in seiner Osttiroler Heimat zu widmen. Besonders traurig über diese Änderung ist Ennsdorfs Bürgermeister Alfred Buchberger, der dem Geistlichen alles Gute für dessen weiteren Weg wünscht.  |  Sabine Hummer

Überall, wo Pater Martin hinkommt, fliegen ihm die Herzen zu. Das liegt zum einen an seiner weltoffenen Art, zum anderen sicher an seinem unvergleichlichen Humor. Immer ein Lachen im Gesicht, verbreitet er einfach Freude und ist ganz nebenbei bei jedem Spaß dabei. Lustige Anekdoten aus Pater Martins Leben und Wirken sind in zwei Büchern in Zusammenarbeit mit dem Ennsdorfer Journalisten Florian Kobler erschienen.

Vielleicht ein wenig unkonventionell sind die Methoden, mit denen der Franziskanermönch seine Predigten zu etwas ganz Besonderem macht. Ob Seifenblasen bei der Erstkommunion oder Fußball bei der Hochzeitsmesse – Pater Martin findet zu jedem Thema das passende Requisit, mit dem er die Verbindung aller Menschen zu Gott verdeutlicht.

Auch bei traurigen Anlässen und Begräbnissen, wenn er zum Beispiel zu jedem Verstorbenen eine lebendige Geschichte zu erzählen weiß und den Hinterbliebenen als kleines Symbol für den Verstorbenen ein Erinnerungsstück mitgibt.

„Weiterziehen gehört zur Spiritualität dazu.“Pater Martin über seinen Abschied aus Enns/Ennsdorf.

Pater Martin hat mit seinem großen Herz in der Pfarre Enns-St. Marien (zu dem auch Ennsdorf gehört) die Kirchentüren ganz weit aufgemacht. Zu den Kindern und Jugendlichen hat er einen besonderen Draht. „Mir ist es ein Anliegen, in die Schule zu gehen und über den Religionsunterricht den Kindern den Zugang zur Kirche zu öffnen“, betont Pater Martin.

Aber auch bei vielen erwachsenen Gläubigen hat der sympathische Mönch einen Stein im Brett – so auch bei Ennsdorfs Bürgermeister Alfred Buchberger, der Pater Martins Arbeit sehr schätzt und ihn den „weltbesten Pfarrer“ zu nennen pflegt.

Neun Jahre lang war Pater Martin Pfarre in Enns-St. Marien. Ab September wartet eine neue Aufgabe auf ihn: Er wird in seine nähere Heimat nach Osttirol versetzt, wo er die Pfarre Lienz-St. Marien übernehmen wird. Sein Nachfolger in Enns wird der gebürtige Allgäuer Pater Markus Schlichthärle.

„Bei uns im Franziskanerorden ist es ein normaler Rhythmus, nach neun Jahren in eine andere Pfarre zu wechseln“, erklärt Pater Martin im NÖN-Gespräch. Die Ordensleitung habe ihn gefragt, ob er bereit für diese Veränderung sei, „und ich habe dem zugestimmt“, betont Pater Martin dezidiert, dass es seine eigene, freie Entscheidung gewesen sei, Enns den Rücken zu kehren.

„Weiterziehen gehört zur Spiritualität dazu. Natürlich fällt es mir sehr schwer, Abschied zu nehmen. Es war eine spannende Zeit für mich, in der ich es genossen habe, aufgeschlossenen Menschen zu begegnen. Die Bevölkerung hier ist großartig und ist bei allem mitgegangen“, bedankt sich Pater Martin bei seiner Pfarre und allen Menschen, die ihn während der letzten Jahre begleitet haben.

Der in Lienz geborene und in Untertilliach im Osttiroler Lesachtal aufgewachsene Mönch trat nach der Matura 1986 in den Franziskanerorden ein. „Priester zu werden, hat mich schon als Ministrant fasziniert. In der Zeit um die Matura lernte ich die Franziskanerbrüder in Lienz kennen und habe gefühlt, dass das das Richtige für mich ist“, erzählt Pater Martin, der gleich nach der Matura dem Oberbruder einen Besuch abstattete, um sich für den Ordensdienst zu melden. „Der hat gemeint, mach mal Ferien, wenn du am 1. September in Reutte bist, geht’s los. Und da war ich dann auch.“

Er tauschte Maturaanzug gegen Mönchshabit

Bei der Einkleidung am 14. September 1986 zog er mit fünf anderen Novizen im Maturaanzug ein, der dann im Beisein der ganzen Verwandtschaft gegen den Habit getauscht wurde. „Das war so eine Idee von uns. Wir haben sozusagen das Weltliche abgelegt, um uns dem Geistlichen zu widmen. Meine Tante war in Tränen aufgelöst und hat mich angefleht, sofort wieder auszutreten“, erinnert sich Pater Martin.

Das hat er natürlich nicht getan. Es absolvierte sein Studium in Salzburg und Jerusalem und war im Anschluss in den Franziskaner-Niederlassungen in Villach und Innichen in Südtirol tätig, ehe es ihn nach Enns „verschlug“. Hier wurden unter seiner Federführung viele Projekte realisiert, wie der Klosterneubau oder die Turmsanierung, bei der er die Turmkreuzsteckung höchstpersönlich vornahm, nachdem er den Turm erklettert hatte. „Dabei habe ich ausnahmsweise Turnschuhe angezogen“, sagt Pater Martin, dessen Markenzeichen seine Sandalen sind, die er zu allen Jahreszeiten trägt.

Das letzte Großprojekt, die neue Orgel, kann Pater Martin nicht mehr finalisieren. Am 3. September wird es ein großes Abschlussfest geben, ehe Pater Martin Enns in Richtung Lienz verlässt. „Auch hier werden wunderbare Menschen und Projekte auf mich warten“, ist der Franziskaner überzeugt.
Enns/Ennsdorf wird ihn auf alle Fälle wiedersehen. „Bei der Orgelweihe komme ich bestimmt!“