Erstellt am 17. November 2015, 04:13

von Daniela Rittmannsberger

„Manchmal reicht nur das Geräusch der Türklinke“. Anfang September trafen die ersten Asylsuchenden in der Godamühle ein, heute kümmern sich zwei Betreuerinnen um insgesamt 29 syrische und afghanische Flüchtlinge.

Die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan fühlen sich in der Godamühle sichtlich wohl und freuen sich über jeden Besucher, erklärt Betreuerin Jutta Seferovic (5.v.r.). Foto: Rittmannsberger  |  NOEN, Daniela Rittmannsberger
„Es ist eigentlich nie ruhig, wir könnten Tag und Nacht arbeiten“, erzählt Jutta Seferovic in ihrem kleinen Büro, das sie sich mit einer Sozialwissenschaftlerin teilt. Arbeit gibt es genug in der Godamühle, vor allem seit Anfang September die ersten Flüchtlinge am abgelegenen Hof in St. Valentin eintrafen.

Die letzten Bewohner trafen im Oktober ein

Damals kamen 15 Menschen aus Afghanistan und der Ukraine in St. Valentin unter, zwei Monate später bewohnen heute bereits 29 Asylsuchende das Haus. Die letzten Bewohner sind im Oktober in St. Valentin eingetroffen, 17 Syrer und zwölf Afghanen teilen sich je einen Wohnblock, die ukrainischen Asylwerber wurden überraschend in die Slowakei abgeschoben.

Nach zwei Monaten in St. Valentin sind die geflohenen Menschen nun angekommen in ihrer neuen Heimat, und das nicht zuletzt wegen der großen Unterstützung der Bevölkerung. Bereits im Vorfeld fanden sich viele, die die Familien bereitwillig unterstützen wollten.

x  |  NOEN, Rittmannsberger


Rund zehn St. Valentiner helfen den Neuankömmlingen beim Erlernen der Sprache, andere wiederum begleiten sie bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Und vor allem: Die Menschen freuen sich über jeden Besuch in der Godamühle. „Sie sind sehr gastfreundlich. Kaum kommt jemand, gibt es schon Kaffee und Tee“, erzählt Seferovic.

Das Zusammenleben der Afghanen und der Syrer funktioniert bisher sehr gut. Um zwischen den Betreuerinnen und den Flüchtlingen immer wieder die wichtigsten Punkte zu klären, kommt regelmäßig ein Dolmetscher an die Godamühle: „Zwei Stunden lang wird dann alles Wichtige durchbesprochen. Uns freut dabei vor allem die Rückmeldung der Menschen. Nämlich, dass es ihnen sehr gut hier gefällt und dass es passt für sie“, freut sich die Betreuerin.

Die Betreuerinnen sind den ganzen Tag vor Ort und sind vor allem laufend am Organisieren. „Es gibt immer wieder etwas Neues für die Menschen. Zum Beispiel die Mülltrennung – aber sie sind sehr aufgeschlossen und wenn man es erklärt hat, dann passt es für sie so“, erzählt die Frau.

Kinder fürchten sich vor den Hunden

Unter den 29 Asylsuchenden sind auch sechs Kinder, fünf davon gehen in die Schule, ein kleiner Bub fängt gerade im Kindergarten an. Die Eltern der Kleinen müssen sich noch etwas gedulden, denn arbeiten darf keiner der Menschen in der Godamühle. Dabei wäre das gerade der innigste Wunsch der meisten.

Aber: Es werden nach und nach im Kleinen Aufgaben gefunden, etwa das Reparieren der Fahrräder, das zwei junge Afghanen übernommen haben, und die geplante Mithilfe beim Christkindlmarkt. Die Fahrräder ermöglichen den Flüchtlingen auch das Kennenlernen der Region, denn gemeinsam mit den Betreuerinnen wird zum Beispiel nach Enns geradelt, um dort die Moschee zu besuchen.

Knapp zwei Monate sind die Flüchtlinge bereits in St. Valentin – die Flucht selbst wurde aber bisher nicht thematisiert. Man merkt aber an kleinen Dinge, wie sehr sich das traumatische Ereignis im Gedächtnis der Menschen eingebrannt haben muss: „Vor allem die Kinder fürchten sich sehr vor Hunden, da auf der Flucht in Ungarn die Polizei mit den Hunden unterwegs war. Und manchmal reicht nur das Geräusch der Türklinke und man merkt die Angst“, erzählt die Betreuerin.

Für Jutta Seferovic ist die Arbeit in der Godamühle sehr bereichernd: „Bevor ich hierher kam, wurde ich oft gefragt, ob ich denn keine Angst habe. Aber im Gegenteil: Es ist sehr schön, mit diesen Menschen zu arbeiten.“