Erstellt am 28. Oktober 2015, 05:27

von Wolfgang Kapf, Hermann Knapp und Daniela Führer

Flüchtlinge sind eingezogen: Hilfsbereitschaft ist groß. Viele Freiwillige helfen vor Ort. Viele Bürger spendeten Winterkleidung und Fahrräder.

Am Mittwoch und am Donnerstag kamen die Flüchtlinge mit Bussen beim Containerdorf am Areal des Landesklinikums Mauer an. Die Aufnahme verlief problemlos. Die Asylwerber zeigten sich sehr dankbar. Foto: Heribert Hudler  |  NOEN, Heribert Hudler
Von Mittwoch bis Freitag sind Flüchtlinge mit Bussen beim Containerdorf am Areal des Landesklinikums Mauer angekommen.

Die Aufnahme ins Lager ist problemlos verlaufen. „Gekommen sind vorerst doch nicht unbegleitete Minderjährige, sondern Familien mit Kindern, die aus Tirol mit Bussen ins Mostviertel gebracht wurden, um hier ein bescheidenes, aber warmes Winterquartier zu beziehen.

„Flüchtlinge sagten immer wieder danke, danke, danke“


Ortsvorsteher Anton Ebner war natürlich auch vor Ort. Er berichtet, dass die Aufnahme sehr geordnet abgelaufen ist. „Die Flüchtlinge haben immer wieder danke, danke, danke gesagt.“

Der SP-Politiker ist aber auch von der Hilfsbereitschaft der Menschen der Region begeistert. „Wir hatten keine Kleiderhaken für die Kästen. Ich habe auf Facebook einen Hilferuf losgelassen und sofort haben sich Putzereien gemeldet und uns hunderte Kleiderhaken zur Verfügung gestellt.“

Für die Firma SLC Europe ist Kitti Kiss als Verantwortliche vor Ort. Der Start ist auch aus ihrer Sicht gut verlaufen: „Das haben wir den vielen freiwilligen Helfern und den Dolmetschern zu verdanken, die auf Abruf bereit stehen“, erklärt sie.

94 Personen befinden sich derzeit im Dorf

Aktuell befinden sich 94 Personen, im konkreten Familien mit 30 Kindern, im Dorf. Die Liste der Herkunftsländer schaut so aus: 42 Afghanen, 24 Syrer, sechs Mongolen, vier Russen, vier Iraker, vier Aserbaidschaner, drei Serben, zwei Georgier und fünf sind staatenlos bzw. kommen aus Palästina.

Im Dorf sollen künftig bis zu 45 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden. Die ersten 15 werden am Donnerstag erwartet. Bis dahin werden andere Personen weitertransportiert. Insgesamt kümmern sich drei Asylbetreuer und zwölf Pädagogen um die Flüchtlinge in Mauer.

Ein Asylbetreuer ist immer 24 Stunden im Containerdorf anwesend, um für die Flüchtlinge rund um die Uhr da zu sein. Stoßen die unbegleiteten Minderjährigen diese Woche dazu, wird das Personal aufgestockt. Vormittags und nachmittags sind dann drei Betreuer mehr an Ort und Stelle.

Transport unter dem Motto „Neuhofen hilft Mauer“

Die Gruppe „Menschen für Menschen“ startete vor einer Woche einen Spendenaufruf und ersuchte die Bevölkerung, Kleidung für die kalte Jahreszeit, wie Winterjacken und Winterschuhe, aber auch Hygieneartikel, Fahrräder und Spielsachen beim Containerdorf Mauer abzugeben.

Und die Welle der Hilfsbereitschaft war überwältigend. Bereits eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung der Sammelaktion trafen zwei Kleinbusse, vollbepackt mit den benötigten Gegenständen, aus Neuhofen/Ybbs ein.

Unter dem Motto „Neuhofen hilft Mauer“ stellte die Bevölkerung der Ostarrichi-Gemeinde diesen Hilfstransport zusammen, den eine sechsköpfige Abordnung mit Bürgermeister Gottfried Eidler und Vizebürgermeisterin Maria Kogler übergab.

Ab 9 Uhr fuhren dann laufend Pkws vor und Einzelpersonen und Familien gaben ihre Sachspenden ab. Alfred und Monika Semek kamen aus Aschbach mit einem Koffer und einem Riesensack voll Winterbekleidung: „Als wir vom Spendenaufruf hörten, war sofort klar, dass wir mittun. Es ist uns eine Herzensangelegenheit, hier zu helfen!“

Schon zu Mittag waren die Lager voll

Innerhalb kürzester Zeit wurden auch acht Fahrräder abgegeben. Eines davon brachte Hannes Fehringer aus Öhling, der mit einer Gruppe Freiwilliger bei der Freizeitgestaltung von Flüchtlingen mithelfen will. Der 22-jährige Landesbedienstete Klaus Gerstner aus Zeillern spendete Winterkleidung und Kleiderbügel: „Ich brauche diese Sachen nicht mehr unbedingt aber die Flüchtlinge können etwas damit anfangen. Ich gebe sie daher gerne her.“

Bis knapp vor Mittag waren die drei für die Sachspenden vorgesehenen Räume bereits so angefüllt, dass Organisator Dominic Hörlezeder einen „Spendenstopp“ ausrufen musste.

Am Nachmittag begann dann die Verteilung an die Flüchtlinge: Zuerst durften sie sich – jeweils familienweise – die von ihnen benötigten Winterschuhe aussuchen, dann in einem zweiten Durchgang die Winterjacken. Besonders bei den Flüchtlingskindern gab es „strahlende Augen wie zu Weihnachten“, weil sie – so gut wie alle – die Winterjacke sogar in ihrer Lieblingsfarbe bekamen.

NÖN.at hatte vergangene Woche berichtet: