Erstellt am 30. März 2016, 04:04

von Raimund Holzer

Flüchtlingsdrama: „Es gibt viele Helden“. Die Weistracher Künstlerin Christine Schörkhuber engagiert sich in Kooperation mit der Volkshilfe und hilft gestrandeten Flüchtlingen im Lager an der Grenze.

Christine Schörkhuber engagiert sich bei einem Einsatz hunderter internationaler Freiwilliger in Kooperation mit der Volkshilfe für Flüchtlinge - fast nur Familien - im Lager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Ein Ende ist nicht in Sicht, am Rand entstehen weitere Zeltplätze. Fotos: privat  |  NOEN, privat
Am vergangenen Dienstag ist Christine Schörkhuber von einem Aufenthalt im Lager Idomeni nach Österreich zurückgekehrt.

„Wir haben vorher bei mehreren Fahrten viele Spendengüter aus Österreich ins Lager gebracht, aber der Transport ist immer schwieriger geworden. Da habe ich die Idee gehabt, mit Spendengeld in den lokalen Geschäften Guthaben zu kaufen, die dann von den freiwilligen Helfern genutzt werden, um Güter an die Familien zu verteilen. Das hat sehr gut funktioniert!“, freut sich die Weistracherin.

x  |  NOEN, privat


Aber trotz Hilfe der Nichtregierungsorganisationen (NGOs): „Es ist eine unglaublich schreckliche Situation hier, die Zustände sind entsetzlich! Vor allem den Kindern geht es schlecht: Sie sind sowieso großteils traumatisiert. Dann wachen sie morgens auf und sehen Panzer, Stacheldraht und Soldaten ...“

Gäbe es nicht so großartige Unterstützung von vielen Organisationen und Freiwilligen (Volunteers), die Lage wäre längst eskaliert. „Aber es gibt ganz viele Helden auf dieser Welt!“, sagt die Künstlerin leise.

Die offiziellen Stellen und auch die Menschen in Griechenland „bemühen sich wirklich, aber vor allem die Asylbehörden sind völlig überfordert.“ Derzeit halten sich rund 10.000 Menschen im Grenzlager Idomeni auf, in umliegenden, kleineren Lagern dürften auch noch etwa 4.000 Personen sein.

„In einer globalisierten Welt ist
jeder Krieg ein Weltkrieg!“
Christine Schörkhuber

Vor einigen Tagen seien dann „einfach ein paar Leute losmarschiert, weil sie die Lage nicht mehr ausgehalten haben. Es gab ein paar Gerüchte, aber obwohl die Hilfsorganisationen das verhindern wollten, haben sich immer mehr Menschen dem Zug angeschlossen. So ist dann diese ‚Fluss-Story‘ entstanden. Dabei haben sich die Flüchtlinge nur an einen Strohhalm geklammert, um endlich aus dem Lager raus zu kommen!“

Gerade in Zusammenhang mit diesem Vorfall kritisiert die 34-Jährige auch manche Medien: „Leider sind einige Journalisten eher auf Sensations-Storys aus, als sachlich von der Lage zu berichten.“

Für Schörkhuber ist es nahezu lächerlich, dass Europa diesen 14.000 Menschen, die am Weg in die Freiheit gestoppt wurden, mit hysterischen Grenz-Schließungen begegnet. „In einer globalisierten Welt ist jeder Krieg ein Weltkrieg! Das bekommen wir auch in Europa zu spüren, obwohl wir das Glück haben, ohne Bomben und Gewalt aufzuwachsen. Es wird so oft vergessen, dass die Flüchtlinge und wir Europäer die selben Feinde haben!“, fügt Schörkhuber an. „Zurück in den Krieg gehen die Menschen auf keinen Fall.“

Wer diese Arbeit unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto AT77 6000 0000 0174 0400, Verwendungszweck 4160230, tun. Das Geld geht direkt an die Soforthilfe im Lager Idomeni.