Erstellt am 23. Dezember 2015, 11:38

von Ingrid Vogl

Versuchsgarten als Rettungsmaßnahme. Um die für das Mostviertel typischen Birnbäume zu erhalten, wurde in Haag eine „Bleiber-Weicher-Anlage“ errichtet.

Manuel Hiebl, Obstbauverbandsobmann Hans Hiebl, Moststraßen-Obfrau Michaela Hinterholzer sowie die Klosterneuburger Obstbauexperten Lothar Wurm und Markus Ruzicka (v.l.n.r.) präsentierten die sogenannte »Bleiber-Weicher-Anlage« in Haag, die in den letzten Wochen durch die HBLA und BA für Wein- und Obstbau und Hans Hiebl errichtet wurde. Foto: Vogl  |  NOEN, Ingrid Vogl
Was wäre das Mostviertel ohne die für die Region typischen Birnbäume? Krankheiten, Klimaänderungen oder fehlende Pflege waren der Grund, warum diese in den letzten Jahren trotzdem vermehrt aus dem Landschaftsbild verschwanden. Dem möchte man nun entgegenwirken.

„Klosterneuburger sind die Besten“

„Wir wollen die Einzigartigkeit der Landschaft beibehalten“, bekräftigt Moststraßen-Obfrau Michaela Hinterholzer. Deshalb wurde in Haag ein Versuchsgarten installiert, der einen wesentlichen Teil des Kulturlandschaftsprojektes der Moststraße bildet.

Rund 2,6 Millionen Euro steckt die EU bis 2020 in die Leader-Region Moststraße. 40 Prozent davon werden in Erhaltungsmaßnahmen rund um die Mostobstbäume investiert. Dafür suchte man die Zusammenarbeit mit Experten der HBLA und BA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg.

„Die Klosterneuburger sind auf dem Gebiet die Besten. Es ist super, wenn man mit den Besten vor der eigenen Haustüre zusammenarbeiten kann“, freut sich Hans Hiebl, der Obmann des Obstbauverbandes, über das Projekt.

Die ertragslose Zeit wird überbrückt

Auf Hiebls Grund wurde Ende November/Anfang Dezember die sogenannte „Bleiber-Weicher-Versuchsanlage“ errichtet. In 22 Reihen wurden 90 hochstämmige Birnbäume und dazwischen 2.226 schnellwüchsige Apfelbäume gepflanzt. Wieso man sich für diese Mischung entschieden hat, ist schnell erklärt. Birnbäume brauchen bis zu 20 Jahre, bis sie Früchte tragen, Apfelbäume nur zwei.

„Wir wollen durch die doppelte Nutzung schon in den ersten Jahren Ertrag lukrieren“, präzisiert Hiebl. Wenn sich die Birnbäume dann gut entwickelt haben, werden die Apfelbäume gerodet. Sie müssen also weichen, während die Birnbäume noch hundert Jahre bestehen sollen, erklärt Experte Lothar Wurm die Funktionsweise der „Bleiber-Weicher-Anlage“.

Die Klosterneuburger Spezialisten werden die Anlage auch weiterhin betreuen. „Die Grundvoraussetzungen für eine Topanlage sind geschaffen. Ich bin überzeugt, dass das ein Vorzeigeversuchsgarten werden kann“, freut sich Obstbaumeister Markus Ruzicka auf die weitere Arbeit.

Zahlen & Fakten:

Die Versuchsanlage:
Errichtung: Die sogenannte Bleiber-Weicher-Anlage wurde zwischen 17. November und 2. Dezember durch die HBLA und BA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg und Hans Hiebl in Stadt Haag errichtet. Sie ist Teil des Kulturlandschaftsprojekts  der Leader-Region Moststraße.
Nettofläche: 6.557,49 m2
Bruttofläche: 11.350 m2
Baumanzahl: 2.226 Apfelbäume und 90 Birnbäume
Pflanzabstand: 3,5 x 1,05 Meter
Reihen: 22 Reihen, davon acht Bleiber-Reihen

Notwendige Unterstützung:
44 Endsteher
600 Reihensteher
44 Tellerschraubanker
4,6 Kilometer Stahldrahtseil
132 Drahtspanner
450 Meter Wildzaun
180 Zaunsteher

Die Sorten:
Apfelsorten: Florina, Enterprise, Breaburn Mariri Red, Roter Boskoop, Rubinette Rosso, Elstar Elshof
Birnensorten: Gelbmostler, Schweizer Wasserbirne, Grüne Pichlbirne, Stieglbirne