Erstellt am 20. Oktober 2015, 04:22

Freude am Priestertum. Der St. Valentiner Johann Zarl übergibt nach 24 Jahren an Jakobus Tisch. Im NÖN-Interview erzählt er über sein schaffensreiches Leben.

Mit dem Dekanatsteam hat der scheidende Dechant Johann Zarl (5.v.r.) viele Jahre engagiert zusammengearbeitet. Seine Nachfolge tritt der Wolfsbacher Pfarrer Pater Jakobus Tisch (8.v.r.) an (siehe auch Bericht Seite 45 der dieswöchigen Haager NÖN). Foto: Wolfgang Zarl  |  NOEN, Wolfgang Zarl

NÖN: Wie waren die letzten 24 Jahre als Dechant?
Johann Zarl: Es waren schöne 24 Jahre, die ich als Dechant das Dekanat Haag mit seinen 17 Pfarren leiten durfte. Ich denke voll Freude an viele schöne Feste in den einzelnen Pfarren zurück. Das waren oft runde Geburtstage der Pfarrer, bei denen ich zur Predigt eingeladen wurde. Aber besonders gerne war ich als „Installateur“ unterwegs, wenn ich neue Pfarrer in ihr Amt eingeführt habe. Zumindest ein Pfarrerwechsel war in allen Pfarren des Dekanates außer St. Pantaleon und Erla. In einigen Pfarren war ich sogar drei Mal. In einigen Pfarren musste ich die Beerdigung des Pfarrers vorbereiten. In allen Pfarren des Dekanates fiel in diese Zeit die Visitation des Bischofs. Wichtig war mir immer auch bei den jährlichen Pfarrvisitationen das persönliche Gespräch mit dem Pfarrer.

„Meine erste Aufgabe ist nicht die
Kontrolle, sondern die Hilfestellung“

Worin sahen Sie ihre wesentliche Funktion?
Ich wollte den Pfarrern spüren lassen: Als Dechant ist meine erste Aufgabe nicht die Kontrolle, sondern die Hilfestellung. Darum war es mir ein großes Anliegen, dass alle, die hauptamtlich in der pastoralen Arbeit der Pfarre tätig sind, auch zur monatlichen Dekanatskonferenz, zum gemeinsamen Gebet, zum Austausch und zur gegenseitigen Bestärkung kommen.

Ist es Ihnen auch gelungen, alle zur Konferenz zu motivieren?
Leider nein. Ich weiß, dass viele diese Konferenzen sehr ernst genommen haben und auch dankbar waren für die Unterstützung. Für manche war es aber auch oft lästige Pflicht. Das ist so wie überall: Wo ich selber nichts investiere, schaut auch wenig für mich heraus. Ich möchte ganz besonders auch den Priesterpensionisten danken für ihr treues Kommen zur Konferenz und auch für ihre große Bereitschaft, dort auszuhelfen, wo Not am Mann ist. Sie leisten wirklich einen großartigen Dienst in unserem Dekanat. In meinem Priestersein halte ich es so, wie es einmal ein Musiker formuliert hat: „Ich möchte die Menschen anrühren, aber nicht angreifen.“

„Es waren turbulente Zeiten, in
die mein Priestertum gefallen ist“

Warum waren Sie nicht mehr bereit, sich für eine neue Periode wählen zu lassen?
Ich bin jetzt 66 Jahre. Früher war die Wahl für acht, jetzt aber nur mehr für fünf Jahre. Mit 70 Jahren soll man als Dechant sein Amt zurücklegen. Da diese Periode schon über den 70. Geburtstag gegangen wäre, war für mich die Entscheidung klar, dass ich mich nicht mehr wählen lasse. Außerdem kenne ich keinen Dechant, der länger als 24 Jahre das Dechantenamt ausgeübt hat. Mir ist immer lieber, die Leute sagen beim Abschied: Schade als Gott sei Dank.

Sind Sie in ihrem Amt schon müde geworden, sodass sie eine Last ablegen wollten?
Es waren turbulente Zeiten, in die mein Priestertum gefallen ist. Der Aufbruch nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, dann die „Schubumkehr“ in der Kirche. Ich war der erste Dechant, der unter Bischof Kurt Krenn gewählt wurde. Bischof Klaus Küng wollte mich zum Generalvikar ernennen. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, aber ich bin auch heute noch fest überzeugt, dass ich richtig entschieden habe. Nicht aus Ungehorsam, sondern weil ich kein Mensch für den Schreibtisch bin, sondern weil mein Platz von meinen Anlagen und Talenten her mehr bei den Menschen ist. Ich habe dann dem Wunsch des Bischofs entsprochen, die Ombudsstelle der Diözese zu übernehmen - ohne zu ahnen, was da auf mich zukommt. Ich glaube heute, dass wir als Team gute Arbeit geleistet haben. Nachdem ich den Vorsitz schon 2011 abgetreten habe, möchte ich jetzt nach zehn Jahren auch aus dieser Verantwortung ausscheiden.

Eine Entscheidung, die Sie glücklich und zufrieden macht?
Ich bin jetzt im 42. Jahr meines Priestertums. Und ich kann mit Überzeugung sagen, ich habe bis jetzt die Freude an meinem Priestertum nicht verloren. Ich bin dankbar für meine Berufung, für den Weg, den Gott mich geführt hat. Und ich bin unendlich dankbar für meine Mitarbeiter und für meine wunderbare Pfarrgemeinde St. Valentin, die mich gerade dann getragen hat, wenn ich persönlich oder in den verschiedenen Ämtern an meine Grenzen gestoßen bin. Und ich bin dankbar für meine Familie im Elternhaus in Amstetten. Dort und auch in meiner Pfarrgemeinde bin ich angenommen, in meinem Gebet und in meinem Glauben weiß ich mich getragen. Mehr brauche ich nicht zum Glück und zu Zufriedenheit.