Erstellt am 19. April 2016, 05:14

von Daniela Führer

Kastrationspflicht: „Wieder ein zahnloses Gesetz“. Bauern kritisieren Kastrationspflicht für Katzen auf Bauernhöfen, Tierschützer begrüßen sie.

Die neue Gesetzesänderung streicht die Ausnahme von der Kastrationspflicht für im Freien herumlaufende Katzen in bäuerlichen Betrieben. Nur noch reine Wohnungskatzen und Zuchtkatzen sind jetzt von der Kastrationspflicht ausgenommen. Foto: Heribert Hudler  |  NOEN, Heribert Hudler
Von Tierschützern goutiert, von der Bauernschaft abgelehnt, wird die mit 1. April in Kraft getretene Kastrationspflicht von Katzen auf Bauernhöfen (zum Gesetz: siehe unten). „In der Bauernschaft ist dadurch wieder eine enorme Diskussion entbrannt“, weiß Bauernbundbezirksobmann, Bundesrat Andreas Pum.

„Katzen auf Bauernhöfen sind nicht vergleichbar mit Hauskatzen. Sie sind Hofbewohner, die Funktionen erfüllen, beispielsweise die Vertilgung von Mäusen und auch für die Außenwirkung im Bereich Urlaub am Bauernhof sind sie wichtig.“

Kasser: Gesetzesänderung nicht zu Ende gedacht

Mit der Gesetzesänderung werde seiner Meinung nach ein Kreislauf gestört, der gut funktioniere. „Den Katzen geht es sehr gut an den heimischen Bauernhöfen. Jetzt schafft man wieder eine bürokratische Hürde für die Landwirtschaft, das ist ganz und gar nicht in unserem Sinn“, erklärt Pum die Situation der Bauern. Das eigentliche Problem mit den Streunerkatzen, die zu keinem Hof gehören, werde dadurch nicht gelöst.

Bauernbundkollege, Landtagsabgeordneter Anton Kasser bemängelt, dass die Gesetzesänderung nicht zu Ende gedacht sei: „Wenn nur noch Zuchtkatzen vom Kastrationsgesetz ausgenommen werden, sterben die Katzen auf Bauernhöfen aus, denn als Zuchtkatzen gelten nur jene, für die man Zuchtpapiere hat. Die Landwirtschaft braucht Katzen aber, sie erfüllen wichtige Funktionen. Das Gesetz geht völlig an der Realität vorbei.“

70 Prozent der Katzen stammen von Höfen

Während sich die Bauernschaft verärgert zeigt, sind die Tierschutzvereine der Region wiederum froh über die Novelle, denn sie kennen das andere Extrem: „Ich will nicht alle Bauern in einen Topf werfen, ich kenne genug, die ihre Katzen kastrieren lassen, aber gut 70 Prozent der Katzen, die zu uns kommen, oft völlig abgemagert oder krank, stammen von Bauernhöfen“, berichtet Christine Hausleitner vom Tierschutzverein Region Amstetten von ihren Erfahrungen, wenn sich Bauern nicht um ihre Katzen, weil es womöglich zu viele sind, kümmern.

Sie hält die Gesetzesänderung für gut, bemängelt aber, dass es ein „Gesetz ohne Zähne ist. Wer überprüft denn die Einhaltung? Da muss mehr Druck gemacht werden, es gehört stichprobenartig kontrolliert.“

Maria Kuttner vom Tierschutzverein Ybbstal glaubt schon, dass die Gesetzesänderung etwas bewirkt: „Es wird immer welche geben, die sich nicht daran halten und es wird sicher auch eine Dunkelziffer an Bauern geben, die die Katzen einfach töten, obwohl das verboten ist. Aber es gibt auch vernünftige Landwirte, die sagen, sie wollen das nicht und kastrieren sie. Die Gesetzesänderung ist auf jeden Fall ganz, ganz wichtig und wird die Situation verbessern, einfach, weil es heißt, die Katzen müssen jetzt kastriert werden. Aber es betrifft nicht nur Bauern, auch in Wohnungen und Wohnhäusern werden oft Katzen nicht kastriert, die dann im Freien herumlaufen“, merkt sie kritisch an.

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Gesetzliche Änderungen

Ab 1. April 2016 gilt die gesetzliche Kastrationspflicht auch für Katzen auf Bauernhöfen. Bisher hieß es in der 2. Tierhaltungsverordnung, BGBl II Nr. 486/2004 (Punkt 2, Absatz 10):

„Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten, so sind sie von einem Tierarzt kastrieren zu lassen, sofern diese Tiere nicht zur kontrollierten Zucht verwendet werden oder in bäuerlicher Haltung leben.“

Der Zusatz zur Ausnahme von Katzen in bäuerlicher Haltung entfällt übrigens in der jüngsten Änderung der 2. Tierhaltungsverordnung.

Gleichzeitig mit der Änderung der Kastrationspflicht wurden vin Gesetzgeber mit 1. April übrigens auch Kaufbörsen für Wildtiere wie Spinnen oder Schlangen verboten.