Erstellt am 21. Mai 2016, 08:03

von NÖN Redaktion

Kern lässt die SPÖ im Bezirk Amstetten hoffen. SP-Granden sehen Wechsel positiv und wünschen sich klare inhaltliche Positionen. Bezirksparteiobfrau Königsberger-Ludwig: Abgrenzen von Fremdenfeindlichkeit.

ÖBB-Chef Christian Kern wechselt von der ÖBB in die Politik - direkt an die Spitze des Staates und der SPÖ.  |  NOEN, APA

Auch die Sozialdemokraten im Bezirk scharen sich hinter ihren neuen Chef Christian Kern.

Im Landesparteivorstand haben Bezirksparteiobfrau Nationalrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Landtagsabgeordneter Helmut Schagerl, St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr, ÖGB-Regionalsekretär Helmut Novak und der Amstettner Stadtparteiobmann Gerhard Riegler für seine Nominierung zum neuen Parteiobmann und Kanzler gestimmt. „Ich schaue zuversichtlich in die Zukunft, weil jetzt wieder alle an einem Strang ziehen. Es gibt auch, nachdem die Entscheidung gefallen ist, offensichtlich keine Gräben zwischen Gerhard Zeiler und Christian Kern und das ist wichtig“, sagt Ulrike Königsberger-Ludwig. Kern selbst kenne sie wenig, schätze ihn aber als professionell ein.

Noch wichtiger als die Person an der Spitze ist für die rote Frontfrau im Bezirk aber die künftige inhaltliche Ausrichtung der SPÖ. „Es wird ja eine Strategiegruppe eingesetzt. Wichtig ist für uns, dass wir den Leuten wieder klar unsere Werte vermitteln und ihnen Antworten auf die drängenden Fragen geben – wie etwa die Arbeitsplatzsituation. Wir müssen auch aufhören uns ständig mit der FPÖ zu beschäftigen. Künftige Koalitionen müssen davon abhängen, was wir erreichen wollen und mit welcher anderen Partei wir das am besten können. Für mich ist klar, dass ein möglicher Partner sich von fremdenfeindlichen Aussagen abgrenzen und für ein gemeinsames Europa sein muss.“

Vorschusslorbeeren für Christian Kern gibt es von Landtagsabgeordneten Helmut Schagerl: „Er war mein Wunschkandidat. Ich halte sehr viel von ihm. Christian Kern hat schon in der Vergangenheit Managerqualitäten gezeigt, die es nun in dieser Situation braucht, um Signale in der Bundesregierung zu setzen. Ich bin mir sicher, dass er mit seinem Wunschteam positive Auswirkungen auf die Bundesregierung haben wird.“

Schagerl: „Er war mein Wunschkandidat“

Der Obmann des SPÖ-Gemeindevertreterverbands im Bezirk, Ennsdorfs Bürgermeister Alfred Buchberger, trauert im Gegensatz zu seinen Kollegen Werner Faymann nach: „Mir ist leid um ihn. Ich finde nicht, dass er alles so schlecht gemacht hat, wie es jetzt dargestellt wird. Ich bin enttäuscht über die derzeitige Situation der Sozialdemokratie. Deshalb habe ich mich mit einem Nachfolger noch nicht beschäftigt.“

Zu Kern könne er wenig sagen, weil er ihn nicht kenne. Er habe bei der ÖBB aber offenbar gute Arbeit geleistet. „Ob ihn das befähigt, Kanzler zu sein, will ich nicht beurteilen. Politik und Wirtschaft sind schon zwei Paar Schuhe.“

In der ÖVP im Bezirk beobachtet man die Veränderungen bei der SPÖ mit Interesse. „Die Personalentscheidungen sind natürlich ausschließlich Sache des Koalitionspartners. Spannend wird die Frage, wie die künftigen inhaltlichen Weichenstellungen der SPÖ aussehen“, sagt Bezirksparteiobmann Nationalrat Andreas Hanger. In der Asylpolitik müsse es beim Bekenntnis zur Obergrenze bleiben, fordert er.

Die Koalition, so Hanger, müsse den Menschen künftig klare Antworten geben, wie sie den Wirtschaftsstandort stärken und Arbeitsplätze schaffen und erhalten will. „Es ist wichtig, dass wir in der gemeinsamen Regierungsarbeit Schwung aufnehmen. Wenn wir gute Politik machen, die die Menschen anspricht, dann wird das zu einer Win-win-Situation für beide Partner.“

Geärgert hat sich Hanger über die Aussendung von ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka, der den neuen SPÖ-Chef, noch vor dessen Amtsantritt, attackierte. „Diese Aussagen haben auch in der Bevölkerung Unmut erzeugt. Ich sehe das daher sehr kritisch. Diese Aktion war entbehrlich“, findet der ÖVP-Bezirksparteiobmann dazu klare Worte.