Erstellt am 16. Februar 2016, 12:39

von Doris Schleifer-Höderl

Kinderärzte: „Sind im Bezirk noch gut aufgestellt“. Zurzeit gibt es im Bezirk fünf Kinderordinationen, zwei davon in Amstetten. Die NÖN recherchierte, ob das zu wenige sind.

Kinderarzt Albin Mischkounig hat immer ein volles Ordinationszimmer. Einen Kinderärztemangel ortet er aber nicht. Foto: Kovacs  |  NOEN, Kovacs
Dass sich der Ärztemangel schon lange nicht nur bei den Allgemeinmedizinern zeigt, sondern auch Fachärzte betroffen sind, ist laut der Niederösterreichischen Ärztekammer Fakt.

Viel zu tun: „Keine Zeit für eine Stellungnahme“

Wie die NÖN in ihrer Ausgabe vom 9. Februar berichtete (

und unten), zeigte sich ein Vater erzürnt, weil beide Amstettner Kinderärzte mit Kassenvertrag in den Semesterferien auf Urlaub waren und einem seiner Zwillingssöhne deshalb eine wichtige Injektion einer verordneten Spritzenkur nicht verabreichen konnten.

Im Bezirk gibt es derzeit fünf Kinderordinationen mit Kassenvertrag. Zwei davon befinden sich in der Stadt Amstetten, zwei in Waidhofen an der Ybbs sowie eine in St. Valentin.

Dass die Ärzte viel zu tun haben, zeigte sich beim Telefonat mit Kinderarzt Gerhard Kusolitsch, der seine Ordination in St. Valentin hat und von dem die NÖN eine Stellungnahme zum Kinderärztemangel einholen wollte. Es war kurz vor 12 Uhr. „Mein Wartezimmer ist voll und ich habe bis zum Abend ständig Patienten zu betreuen und daher keine Zeit für eine Stellungnahme“, so Kusolitsch bedauernd.

Noch bis zum Jahr 2019 wird Praxis offen sein

Mehr Glück mit der Recherche hatte die NÖN bei Albin Mischkounig aus Amstetten. Der 66-jährige Mediziner hat seine Praxis in der Nikolaus-Lenau-Straße 2 und gerade Mittagspause. Seit 7.45 Uhr war er in der Ordination und hatte bereits 45 Patienten betreut. „Am Nachmittag habe ich Mutterberatung in Wallsee und Ardagger und morgen Freitag habe ich den ganzen Tag lang Ordination“, erklärte er.

Einen Kinderfachärztemangel ortet Mischkounig allerdings nicht. „Ich würde meinen, wir sind diesbezüglich im Vergleich zu anderen Bezirken mehr als gut aufgestellt. Noch dazu haben wir mit der Kinderabteilung am Klinikum Amstetten eine 24-stündige Versorgung. Da können wir uns wirklich glücklich schätzen.“

Mischkounigs Kassenvertrag läuft noch bis 2019, dann gehe er ihn Pension. Ob es allerdings einen Nachfolger für seine Praxis geben wird, wird sich erst weisen. „Man wird sehen. Bis dahin ist ja noch Zeit.“

Angesprochen auf jenen Vater, der für seinen Zwillingssohn in den Semesterferien einen Kinderarzt benötigte, meint der Mediziner: „Diese Injektion im subkutanen Bereich, also unter die Haut initiiert, kann jeder Arzt geben – nicht nur ein Kinderarzt. Da hat der Vater ein wenig überreagiert. Und bitte, ich war nach zehn Jahren ausnahmsweise einmal in den Semesterferien auf Urlaub! Und diesen habe ich natürlich der Ärztekammer rechtzeitig gemeldet.“

Dass auch Judith Niemann, die zweite Amstettner Kinderärztin, zur gleichen Zeit auf Urlaub war, habe er nicht gewusst. Spreche man sich denn nicht urlaubsmäßig miteinander ab? „In der Regel schon! Aber Frau Kollegin Niemann hat sich diesmal nicht bei mir gemeldet.“

Unklar, warum es nicht geklappt hat

Auch Judith Niemann bestätigt der NÖN, dass man puncto Urlaub immer miteinander kommuniziere. „Warum es diesmal nicht geklappt hat, kann ich mir nicht erklären. Ich habe die Ärztekammer auf jeden Fall rechtzeitig davon in Kenntnis gesetzt“, sagt sie.

Darauf angesprochen, ob genügend Kinderärzte im Bezirk praktizierten, meint die Medizinerin: „Wir haben alle sehr viel zu tun und so gut wie immer ein volles Wartezimmer. Daher arbeiten wir auch eng zusammen und es kommt auch schon mal vor, dass wir einen Patienten eines Kollegen übernehmen. Wir kooperieren ebenfalls gut mit der Kinderabteilung des Klinikums sowie mit den Allgemeinmedizinern im Bezirk. Daher bin ich der Ansicht, dass wir im Bezirk sehr gut aufgestellt sind – weitaus besser als in anderen Bezirken.“