Erstellt am 22. April 2016, 04:34

von NÖN Redaktion

Kinderbetreuerinnen: „Kompetent, aber schlecht bezahlt“. Gewerkschaft für Umstufung der Betreuerinnen in Entlohnungsstufe vier. Gemeinden regeln das derzeit unterschiedlich.

Walter Schwandl (FSG) und Josef Payrleitner (FCG) sind sich einig: Die Kindergartenbetreuerinnen sollen in die Entlohnungsstufe vier emporgehoben werden. Von 24. bis 26. April gibt es Aktionstage vor Kindergärten. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp
Schon seit Jahren kämpft die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten für eine Umstufung der Kinderbetreuerinnen von der Grundentlohnungsgruppe drei in die Grundentlohnungsgruppe vier.

Begründung: „Früher waren die Betreuerinnen hauptsächlich für Reinigungsarbeiten zuständig und halfen beim Essen. Inzwischen haben sie klar den Auftrag, die Pädagoginnen in der Bildungs- und Betreuungszeit der Kinder zu unterstützen“, sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten im Bezirk, Walter Schwandl (Fraktion Sozialistische Gewerkschafter).

„Wir sind uns parteiübergreifend einig“

Schwandl verweist auch darauf, dass die Betreuerinnen ja einen Kurs samt Prüfung absolvieren müssen und zudem Praktika in anderen Kindergärten.

Schützenhilfe bekommt Schwandl vom stellvertretenden Gewerkschaftsvorsitzenden im Bezirk, Josef Payrleitner, von der Fraktion christlicher Gewerkschafter.

„Wir sind uns parteiübergreifend einig. Die Betreuerinnen leisten einfach höher qualifizierte Arbeit als früher. Das muss man berücksichtigen. In kleinen Kindergärten kommt es sogar vor, dass sie eine Gruppe führen müssen, wenn die Pädagogin krank ist“, betont der Weistracher.

Für die Bezahlung der Kindergartenbetreuerinnen sind zwar die Gemeinden zuständig, allerdings ist das Gemeindedienstrecht in einem Landesgesetz verankert.

Ping-Pong zwischen Gemeinden und Land

„Wir werden deshalb mit unserem berechtigten Anliegen zwischen Gemeinden und Land hin und her geschickt. Wenn es ums Zahlen geht, will eben niemand wirklich zuständig sein“, klagt Schwandl. In der Praxis handhaben die Kommunen die Bezahlung der Kindergartenbetreuerinnen recht unterschiedlich.

In den meisten sind sie tatsächlich noch in der Entlohnungsgruppe drei eingestuft, einige Gemeinden haben sie aber auch schon aus eigenem Antrieb in die Gruppe vier emporgehoben. Wieder andere zahlen den Betreuerinnen als Anerkennung eine einmalige Zulage.

Für die Gewerkschaft ist dieses Durcheinander unbefriedigend. „Wir fordern eine einheitliche Regelung, sprich die Umstufung aller Betreuerinnen in die Grundentlohnungsgruppe vier. Es geht da ja nicht um Unsummen, sondern durchschnittlich um 10,70 Euro brutto pro Monat“ sagen Schwandl und Payrleitner. Im Bezirk Amstetten gibt es insgesamt rund 200 Kindergartenbetreuerinnen.

„Entlohnungsstufe im Landesgesetz definiert“

Die Gewerkschaft verteilt von 26. bis 28. April vor Kindergärten Informationsblätter an die Eltern. „Wir möchten sie auf die Problematik aufmerksam machen. Sie sollen wissen, dass sie ihre Kinder in gute Hände geben, die sehr kompetent sind, aber leider schlecht bezahlt“, sagt Schwandl.

Eine positive Nachricht hat der Gewerkschafter in der Causa aber auch. Die Stadt Amstetten hat mit Jänner dieses Jahres ihre 56 Kinderbetreuerinnen in Gruppe vier umgestuft. „Wir haben uns das durchgerechnet und für leistbar befunden. Wir wollen zeigen, dass wir ihre qualifizierte Arbeit schätzen“, sagt Personalstadtrat Anton Katzengruber (SPÖ).

Wenig begeistert von derartigen Alleingängen von Städten oder Gemeinden ist der Vizepräsident des NÖ-ÖVP-Gemeindevertreterverbandes, Ardaggers Bürgermeister Hannes Pressl.

„Die Entlohnungsstufe drei ist für Kinderbetreuerinnen im Landesgesetz definiert. Wer das ändern will, muss daher auch mit dem Land verhandeln. Ich halte nichts davon, wenn Gemeinden da jetzt einen Wettbewerb beginnen. Man muss bedenken, dass es da immer auch um Steuergeld geht“, sagt er.

„Muss auf Landesebene entschieden werden“

Pressl lobt ausdrücklich die gute Arbeit der Betreuerinnen und versteht auch die Forderung der Gewerkschaft. „Entschieden werden kann das aber nur auf Landesebene.“

Für Pressl kommt der Vorstoß der Personalvertreter auch deshalb zu einem schlechten Zeitpunkt, weil das Land erst heuer den Beitrag, den es bisher zur Finanzierung der Kinderbetreuerinnen leistete, gestrichen habe. „In meiner Gemeinde fallen da konkret 40.000 Euro weg“, sagt Pressl.

Die Gewerkschafter kontern, dass sie die Forderung schon im Jahr 1999, als die neue Ausbildungsverordnung für Kindergartenbetreuerinnen in Kraft trat, erstmals erhoben und im Forderungspaket 2011 nochmals bekräftigt hätten. „Der Zeitpunkt scheint also immer ungünstig zu sein.“