Erstellt am 07. Juni 2016, 04:20

von Hermann Knapp

Milch-Krise: „Preisdumping muss Ende haben“. Milchpreis im Keller. Handel lockt mit Billigangeboten. Bauern fordern Solidarität ein und appellieren auch an Konsumenten.

Die Vertreter der Landwirtschaft bitten die Konsumenten, regionale Milchprodukte zu kaufen (v.l.n.r.): Bauernkammerobmann Josef Aigner, Renate Haimberger, Genossenschaftsobmann Johann Schoder, Milchkönigin Elisabeth Haimberger, Bauernbundobmann Andreas Pum und Landeskammerrat Andreas Ehrenbrandtner. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp
Der diesjährige Weltmilchtag war kein Grund zum Feiern für die Bauern. Denn der Preis ist nach wie vor im Keller. Die Gründe dafür sind bekannt.

Überangebot am Markt drückt auf die Preise

„Durch den Russland-Boykott als Folge des Ukraine-Konflikts hat Österreich einen wichtigen Abnehmer verloren. Hinzu kommt noch die Aufhebung der Milchquote, die Österreich nicht wollte, aber auch nicht verhindern konnte“, sagt Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner. Manche Länder steigern ihre Produktion nun drastisch – Irland beispielsweise um 50 Prozent.

Dadurch entsteht am Markt ein Überangebot, das natürlich auf die Preise drückt. Rund 27,3 Cent netto pro Liter bekommen die Bauern derzeit von der Molkerei Berglandmilch ausbezahlt. „Das reicht zwar gerade noch, um produzieren zu können, macht Investitionen aber unmöglich“, sagt Aigner.

Die Landwirte stehen der Entwicklung weitgehend ohnmächtig gegenüber. „Wir können nur immer wieder die Konsumenten auf unsere Qualität hinweisen und darauf, dass wir garantiert gentechnikfrei produzieren und eine wichtige Leistung zur Erhaltung einer schönen Landschaft bringen“, sagt der Bauernkammerobmann.
Die Handelsketten unterlaufen diese Versuche der Bewusstseinsbildung allerdings immer wieder, in dem sie die Konsumenten auch mit Billigaktionen ausländischer Produkte ködern.

Bauern und Molkerei sitzen im selben Boot

Das Verhältnis zwischen Molkerei und Bauern ist natürlich auch angespannt, obwohl eigentlich beide im selben Boot sitzen. „Wir können selbst nur den Preis für die Milch bezahlen, den der Markt zulässt, sonst laufen die Kosten aus dem Lot und wir müssen natürlich auf die Wirtschaftlichkeit achten“, sagt der Obmann der Molkereigenossenschaft Mostviertel, Johann Schoder, der selbst in Aschbach einen Betrieb mit 15 Milchkühen betreibt.

Letztlich wird der Kurs der Berglandmilch von den 12.000 Landwirten bestimmt, die sie beliefern, denn sie alle sind Genossenschafter und somit Mitbesitzer. Dass die Lage am Milchsektor trist ist, daran gibt es auch für Schoder nichts zu beschönigen. 2,5 Milliarden Liter Milch pro Jahr liefern die Bauern an und die wollen verkauft sein. Die Berglandmilch schafft das über ihre veredelten Produkte noch ganz gut. Ein Drittel der Milch wird zu Käse verarbeitet, rund 20 Prozent zu Joghurt und ähnlichen Artikeln.

Seit Wegfall der Quote ist die Milchproduktion in Österreich um etwa fünf bis sieben Prozent gestiegen, wobei ein kräftiger Zuwachs vor allem am Biosektor zu verzeichnen ist. „Denn Biomilch, Heumilch, etc. sind sehr gefragt“, bestätigt Schoder. Deshalb zahlt die Molkerei den Bauern auch rund 40 Cent für den Liter.
Gerade in Krisenzeiten ist natürlich das Marketing sehr wichtig. „Und das fängt schon beim Bauern selbst an, denn er ist der beste Werbeträger für die Milch“, sagt Schoder.

Seit Kurzem werden die Landwirte aber auch von Milchkönigin Elisabeth Haimberger aus Zeillern unterstützt, die ihre Aufgabe sehr ernst nimmt: „Wir bieten Vielfalt und Qualität. Das will ich den Leuten sagen. Ich will gute Stimmung verbreiten, auch wenn ich natürlich keine Wunder wirken kann.“

Die erwarten sich die Bauern auch eher von der Politik. „Wir müssen vor allem dem Preisdumping einen Riegel vorschieben. Das muss ein Ende haben.“, sagt Bezirskbauernbundobmann Anderas Pum. Er weiß zwar selbst, dass die Handelsketten am längeren Ast sitzen, „aber wenn die Betriebe immer weniger werden, dann trifft es langfristig auch sie, das müssen wir ihnen klar machen.“

Für Pum ist das erklärte Ziel, die flächendeckende Produktion mit Familienbetrieben zu erhalten. „Das kann aber nur funktionieren, wenn sich die Landwirte ein Einkommen erwirtschaften können und das geht nur, wenn die Leute beim Einkaufen zu regionalen Produkten greifen.“

Für Pum ist da auch die Gastronomie gefordert. Es sei wichtig, dass auch sie den Einsatz heimischer Produkte forciert. „Dass jene Betriebe die das tun, nun mit dem AMA-Gastrosiegel ausgezeichnet werden, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, betont Pum.