Erstellt am 23. Februar 2016, 03:34

von Andreas Kössl

Milchbad schlägt hohe Wellen: BBC rief an. Jungbauer aus St. Leonhard/Walde bietet aus Protest gegen niedrigen Milchpreis überschüssige Milch für Vollbäder an.

Teufel tarnte seinen Protest gegen den niedrigen Milchpreis als Geschäftsidee und stieg in die Baggerschaufel zum Milchbad. Foto: Teufel  |  NOEN, Teufel

Ein derartiges Medienecho hat Johannes Teufel nicht erwartet. Der 24-jährige Jungbauer aus St. Leonhard/Walde, der vor zwei Jahren den elterlichen Hof übernommen hatte, setzte Anfang letzter Woche eine Geschäftsidee in die Tat um. Er bot Milch auf der Internet-Plattform willhaben.at zum Verkauf an – zum Baden!

Kunstfigur „Ferdl“ mit Videos aus dem Kuhstall

„Biete Vollmilchbäder zu Billigstpreisen“, heißt es da. Für nur 30 Cent je Liter könne man „100-prozentig gentechnikfreie, österreichische Qualitätsmilch direkt vom Bergbauern“ für ein Schönheitsbad erwerben. Zur Veranschaulichung befindet sich daneben ein Bild, das den Junglandwirt beim Milchbaden in der Baggerschaufel zeigt. An die 15.000 Zugriffe innerhalb kürzester Zeit waren die Folge.

Auch auf Facebook rührte Teufel die Werbetrommel für seine Geschäftsidee. Als Kunstfigur „Staudnhoga Ferdl“ postet er komische Videos aus dem Kuhstall. „Milch ist schon billiger als Wasser und weil ich sparen muss, bade ich jetzt halt in Milch“, sagt der „Staudnhoga Ferdl“ da etwa.

Was auf den ersten Blick skurril anmutet, hat einen ernsten Hintergrund: den niedrigen Milchpreis. „Ich will mit dieser Aktion satirisch die geringe Wertschätzung, die der Milch entgegengebracht wird, verdeutlichen“, sagt Teufel.

„Not now, I need to get up early to milk my cows“

Der St. Leonharder verweist auf eine Verschlechterung, die den Milchbauern ab März droht: „Wir müssen die Milchanlieferung reduzieren. Unsere Molkerei sieht sich derzeit gezwungen, einen Teil der angelieferten Milch als sogenannte Versandmilch zu Spottpreisen von 14 bis 17 Cent pro Liter zu exportieren. Um die Produktion einzudämmen, wäre vorübergehend angedacht, dass wir Lieferanten für die Überschussmenge diesen Spotpreis erhalten. Es sei denn, man schafft es, weniger als 90 Prozent der Vorjahresmenge zu liefern. Dann würden wir für die ganze Milch den normalen, immer noch niedrigen Preis von 30 Cent erhalten.“

Obwohl das noch nicht beschlossen sei, habe er sich Gedanken gemacht, wie er die Milchmenge auf seinem Hof mit 30 Milchkühen reduzieren könne, ohne Kühe schlachten zu müssen. Dabei fiel ihm die Sache mit dem Milchbad ein.

Mittlerweile haben nicht nur heimische Tageszeitungen von seiner kuriosen Geschäftsidee berichtet, auch die internationale Presse hat schon angeklopft. Allerdings sehr spät am Abend, weshalb der Jungbauer schlaftrunken „Not now, I need to get up early to milk my cows“ („Nicht jetzt, ich muss morgen früh auf und meine Kühe melken“) geantwortet hat. Dass es sich bei der Interviewanfrage um die BBC gehandelt hat, realisierte der Jungbauer erst am nächsten Tag.