Erstellt am 21. Juni 2016, 04:00

von Christian Eplinger und Hermann Knapp

AMS: Lehrlingszahl stark gesunken. Arbeiterkammer zeigt interessante und drastische Entwicklungen der letzten Jahrzehnte auf.

Für Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Robert Schuster sind die größten Sorgenkinder die Arbeitslosen 50+.  |  NOEN, Eplinger

Aktuelle Zahlen und Daten sowie interessante Entwicklungen über Jahre hinweg in den Bereichen Bevölkerung, Wohnen, Arbeitsmarkt und Bildung beinhaltet die am Donnerstag in Scheibbs präsentierte neue Regionsbroschüre „Mein Mostviertel“ der Arbeiterkammer Niederösterreich.

242.689 Menschen leben in den Bezirken Amstetten, Melk, Scheibbs und der Statutarstadt Waidhofen. Das sind um 1,5 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, wobei die Bevölkerungsentwicklung ein extremes Gefälle aufweist.

Während die Bezirke Amstetten (+3,5 Prozent) und Melk wachsen, verzeichnen Scheibbs und Waidhofen einen stetigen Rückgang, der laut AKNÖ-Studienautor Matthias Koderhold bis 2030 anhalten wird.
Abnehmen wird bis zum Jahr 2050 aber auch im Bezirk Amstetten die Zahl der jugendlichen Bevölkerung (bis 19 Jahre) um zirka 4,9 Prozent.

Größten Sorgenkinder: 50+ Arbeitslose

Vom Arbeitsmarkt gibt es in den letzten Monaten im Bezirk positive Nachrichten. Fünf Mal in Folge ist die Arbeitslosenrate gesunken. Die AK-Broschüre weist für 2015 eine Steigerung der Beschäftigtenzahl um 0,6 Prozent aus (auf insgesamt 101.710). Obwohl auch die Zahl der Arbeitslosen 50+ zurückgeht, sind sie doch die größten Sorgenkinder von AK- Bezirksstellenleiter Robert Schuster.

„Es geht halt einfach nicht zusammen, dass Industriellenvereinigung und Teile der Wirtschaft fordern, dass wir länger arbeiten gehen, aber selber Beschäftigte über 50 abbauen. Auch im Handel sind, wenn Kündigungen anstehen, meist ältere Beschäftigte betroffen, weil sie mehr verdienen.“

Stark zurückgegangen ist im Bezirk (inklusive Waidhofen) im Vorjahr die Zahl der Lehrlinge – um 168, was einem Minus von 8,6 Prozent entspricht. Dramatisch ist die Entwicklung, wenn man sie längerfristig betrachtet. Seit dem Jahr 1980 ist im Bezirk die Zahl der Lehrlinge um 802 von 2.577 auf 1.775 gesunken – ein Minus von 31,5 (!) Prozent. Die Zahl der Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, ist in diesem Zeitraum sogar um 47,8 Prozent gesunken – von 1.019 auf 532.

NEET-Jugendliche verlieren Anschluss

Große Sorgen bereiten Schuster auch die NEET-Jugendlichen (Not in Education, Employment, Training), also die 15- bis 24-Jährigen, die nach der Pflichtschule weder eine weiterführende Schule noch eine Lehre absolvieren, aber auch an keiner Schulungsmaßnahme teilnehmen.

„Sie sind hochgradig gefährdet, den Anschluss zu verlieren oder haben ihn schon verloren. Im Bezirk Amstetten sind das 706 Personen, in Waidhofen 80 – insgesamt rund fünf Prozent aller 15- bis 24-Jährigen. „Wir brauchen geeignete Maßnahmen, um sie ins Bildungssystem oder Erwerbsleben zu integrieren, denn sonst sind sie verloren. An entsprechenden Maßnahmen wird derzeit gearbeitet“, sagt Schuster.

Noch ein anderer interessanter Wert aus dem Bezirk: Rund 20 Prozent aller hier wohnhaften Erwerbstätigen pendeln nach Oberösterreich aus. „Das hat geografische Gründe, aber auch wirtschaftliche, weil das Einkommensniveau im Raum Linz-Steyr höher ist, als bei uns.“

Dabei weist der Bezirk die höchsten Einkommen in Niederösterreich aus, was auch der Nähe zu Oberösterreich geschuldet ist. „Denn die Betriebe müssen Fachkräften gute Gehälter bieten, weil sie sonst abwandern“, sagt Schuster.

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