Behamberg

Erstellt am 19. April 2017, 03:50

von Ingrid Vogl

Fahrradstraße: „Nach Ostern wird sanktioniert“. Seit zwei Wochen ist die Fahrradstraße in Ramingdorf in Kraft. Autofahrer müssen sich erst daran gewöhnen.

Polizei, Anrainer und Gemeindevertreter informierten die Verkehrsteilnehmer in Ramingdorf über die neue Verkehrsregelung, die Durchzugsverkehr verbietet, Tempo 30 vorschreibt und Radfahrer bevorzugt. Foto: privat  |  privat

Mit dem sogenannten „Radler-Paket“ beschloss der Nationalrat im Jahr 2013 in einer Novelle der Straßenverkehrsordnung Neuerungen für den Radverkehr – wie etwa Fahrradstraßen, Begegnungszonen oder Radwege ohne Benützungspflicht. Seit April 2013 ist die Kuchelauer Hafenstraße in Wien, die Teil des Donauradwegs ist, Österreichs erste Fahrradstraße.

Straße unterbindet Durchzugsverkehr

Seit zwei Wochen ist nun auch die erste Fahrradstraße im Bezirk Amstetten offiziell in Kraft. Die Ortsdurchfahrt von Ramingdorf – genauer gesagt die Haagerstraße ab Beginn des Gemeindegebietes Behamberg bis zur Einmündung in die Landesstraße LH80 – ist seither auf einer Länge von rund einem Kilometer dem Fahrrad- und Anrainerverkehr vorbehalten.

„Jede Art von Anliegerverkehr ist weiterhin ungehindert möglich. Bahnhof, Sparkasse und die Gewerbeunternehmen können wie bisher angefahren werden. Es gilt aber Tempo 30“, erklärt Bürgermeister Karl Josef Stegh die Besonderheiten der Ramingdorfer Fahrradstraße, die den reinen Durchzugsverkehr unterbindet und Radfahrer bevorzugt. Hintergrund für diese Verkehrslösung ist die starke Verkehrsbelastung durch die unmittelbare Nachbarschaft zu großen Steyrer Industriebetrieben.

„Vor vielen Jahren wurde deshalb die Umfahrung Ramingdorf errichtet, um den Pendlerverkehr umzuleiten und das Ortsgebiet zu entlasten. Leider wird diese immer noch zu wenig genützt“, betont Karl Josef Stegh.

Außerdem liegt Ramingdorf am überregionalen Radwegenetz des Enns-Radweges, den immer mehr Radfahrer benützen. Der dichte motorisierte Verkehr bot für sie aber zuletzt kaum Platz, sodass viele Radfahrer auf den Gehsteig auswichen und damit sich und andere massiv gefährdeten. Deshalb wurde in Anrainerinitiativen, Bürgergesprächen und Verkehrsverhandlungen nach Verbesserungsmaßnahmen gesucht. Und diese wurde in der Fahrradstraße gefunden.

„95 Prozent haben keine Ahnung und kennen auch das Verkehrszeichen nicht. Da braucht es noch viel Aufklärungsarbeit.“Bürgermeister Karl Josef Stegh über seine Erfahrungen nach Inkrafttreten der Fahrradstraßen-Verordnung

Bevor die Gemeinde jedoch die Fahrradstraße per Verordnung realisierte, wurden die Autofahrer monatelang informiert. So flatterte etwa auch ein Infoschreiben in sämtliche Haushalte in Behamberg und Steyr sowie in alle Gemeinden der Kleinregion Mostviertel-Ursprung.

Wirklich erfolgreich war man mit der Informationsinitiative aber bisher noch nicht. „95 Prozent haben keine Ahnung und kennen auch das Verkehrszeichen nicht. Da braucht es noch viel Aufklärungsarbeit“, gesteht der Bürgermeister, der in den vergangenen Tagen gemeinsam mit Anrainern und der Polizei die Verkehrsteilnehmer vor Ort über die neue Verkehrsregelung informierte.

Ob wirklich alle Autolenker ahnungslos waren oder die Ahnungslosigkeit nur vortäuschten, sei dahingestellt. Ausreden bekam Stegh jedoch schon einige zu hören. So etwa, dass man vom Navi ins Ortsgebiet gelotst worden sei. „Da frage ich mich schon, was wichtiger ist: Das Navi oder das Verkehrszeichen? Und das Verkehrszeichen kann man nicht übersehen“, stellt der Ortschef klar.

Bis jetzt wurden die Verkehrsteilnehmer lediglich auf die geänderte Verkehrssituation aufmerksam gemacht. Gestraft wurde nur in den seltensten Fällen. „Bis jetzt haben wir es im Guten probiert und die Autofahrer nur informiert. Leute, die absolut nicht einsichtig waren, hat die Polizei aber fallweise auch jetzt schon gestraft“, weiß Karl Josef Stegh. Und er weist darauf hin, dass die Schonfrist in Kürze gänzlich vorbei sein wird.

„Nach Ostern wird sanktioniert“, kündigt der Bürgermeister an. „Schließlich ist die Ortsdurchfahrt ja nicht alternativlos“, hofft Stegh, dass auch jene Autolenker, die bisher gewohnt waren, die Abkürzung durch Ramingdorf zu nehmen, endgültig auf die Umfahrungsstraße ausweichen werden. „So wollen wir im Sinne aller eine Verbesserung erreichen“, wünscht sich der Bürgermeister Einsicht der Autofahrer.