Erstellt am 17. Februar 2016, 04:49

von Ingrid Vogl

Ortschef Divinzenz: „Mit Leib und Seele“. Rudolf Divinzenz über sein erstes Jahr als Bürgermeister, die Zusammenarbeit mit den Freiheitlichen, das Verhältnis zur SPÖ und die wichtigsten Projekte im heurigen Jahr.

Seit knapp einem Jahr ist Rudolf Divinzenz (ÖVP) nun Bürgermeister von St. Pantaleon-Erla. Im Jahr 2000 kam er in den Gemeinderat, ab 2005 war er geschäftsführender Gemeinderat für die Bereiche Umwelt, Soziales und Gesundheit. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv

NÖN: Sie sind nun fast ein Jahr Bürgermeister. Würden Sie nach den Erfahrungen der ersten zwölf Monate das Amt wieder übernehmen?

Rudolf Divinzenz: Ja, ich habe es nie bereut. Ich bin mit Leib und Seele Bürgermeister. Es ist viel Arbeit, aber ich habe wirklich Freude an dieser Arbeit und mache sie sehr, sehr gerne. Gott sei Dank gibt es auch sehr viele positive Rückmeldungen. Eine sehr große Unterstützung ist für mich auch mein Vizebürgermeister Josef Alkin. Wir arbeiten sehr gut miteinander und haben uns sehr gut eingearbeitet. Das ist insgesamt positiv für die Gemeinde.

„Die ersten Monate waren schon
eine große Herausforderung“

Dass die ÖVP den Bürgermeister stellt und dass dieser Divinzenz heißt, stand vor der Wahl ja noch nicht fest. Hatten Sie genug Zeit, um sich auf das Amt einzustellen?

Es war eine große Herausforderung. Wir hatten ja ein Vorzugsstimmenmodell und daher auch keinen Spitzenkandidaten. Natürlich geht man mit einem gewissen Plan B in die Wahl, so nach dem Motto: Was wäre, wenn. So richtig zum Thema geworden ist das Bürgermeisteramt aber erst vor den Verhandlungen mit SPÖ und FPÖ, weil wenn wir den Bürgermeister stellen, dann brauchen wir natürlich auch jemanden, der die Funktion übernimmt. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich bei den Vorzugsstimmen nicht gut abgeschnitten hätte.

Wie schwierig war das Bürgermeisteramt so kurzfristig mit Ihrem Beruf in der Pädagogischen Hochschule zu vereinbaren?

Die ersten Monate waren schon eine große Herausforderung, weil ich beide Bereiche im vollen Umfang abdecken musste. Unterm Jahr konnte ich ja in meinem Lehrbereich nicht einfach reduzieren. Gute Organisation und effektives Zeitmanagement waren von großer Bedeutung, weil die Einarbeitungsphase am Gemeindeamt schon intensiv war.

Die SPÖ hat zwar die absolute Mehrheit verloren, ist aber immer noch stimmenstärkste Partei. Sie konnten nur mithilfe der FPÖ Bürgermeister werden. Gab es für diesen Schritt irgendwann Kritik aus der Bevölkerung?

Kritik habe ich eigentlich ganz wenig vernommen. Nachdem die SPÖ ja wieder ein Mandat verloren hat, beinahe sogar zwei, kann man schon sagen, dass es bei der Wahl Gewinner und Verlierer gab. Und es haben sich dann halt zwei gefunden, die eine Arbeitsvereinbarung geschlossen haben.

Hat man diesen Schritt schon bereut? Schließlich hat die FPÖ mit ihren Gegenstimmen den von der ÖVP gewünschten Beitritt zur Gemeinde 21 verhindert.

Es belastet uns jetzt nicht mehr, das ist abgeschlossen. Alle anderen Beschlüsse waren ja klar. In diesem einen Fall konnte und wollte die FPÖ nicht mitgehen. Dass das nicht unbedingt lustig ist, brauche ich nicht extra erwähnen. Aber es war uns vor der Sitzung klar, dass sie da nicht mitstimmen werden. Das Projekt Gemeinde 21 ist in dieser Form nicht zustande gekommen, Bürgerbeteiligung wird nun eben auf anderem Wege stattfinden.

„Bezüglich Mauthausner Brücke
sind die Länder am Zug“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der SPÖ?

Wir versuchen, die SPÖ immer einzubinden und werden immer auf sie zugehen, damit wir in Sachthemen miteinander arbeiten und auch gemeinsam Beschlüsse fassen können. Wir wollen mit allen Parteien arbeiten. Das haben wir vor der Wahl gesagt und sagen es jetzt genauso. Die Leute wollen einfach nicht, dass in der Gemeinde gestritten wird.

Eines der bestimmenden Themen der letzten Jahre war die Umfahrung der B123. Wie sieht es mit dem Baufortschritt aus und gibt es schon Neuigkeiten zur Mauthausner Brücke?

Wir sind dankbar, dass diese Entscheidung gekommen ist und der Spatenstich stattgefunden hat. Jetzt wird bereits fleißigst gearbeitet. Der Winter ist ja so, dass er das zulässt. Bezüglich Mauthausner Brücke sind die Länder am Zug. Dass wir auch dahinter und höchst interessiert sind, dass etwas weitergeht, ist klar. Leider ist die Standortfrage noch immer nicht geklärt. Wir hoffen aber, dass sich da bald etwas tut.

Welche Projekte werden die Gemeinde im heurigen Jahr beschäftigen?

Wir sind beim Hochwasserschutz schon sehr weit. Die wasserrechtliche Verhandlung hat schon stattgefunden, den Bescheid gibt es aber noch nicht. Wir brauchen natürlich einen positiven Bescheid und es fehlt uns eine Unterschrift einer Grundbesitzerin. Da sind wir permanent dran, dass wir die auch einholen. Alles andere ist erledigt. Wir wollen das Projekt natürlich sehr rasch umsetzen, im günstigsten Fall könnte sich eventuell im Herbst schon etwas bewegen. Bezüglich Sanierung der Rundholzbrücke sind die Ausschreibungen erfolgt. Das Ganze liegt jetzt bei der Eco Plus zur Begutachtung. Wenn das von dieser Seite abgeschlossen ist, muss sich bei der Brücke zeitnah etwas tun.

Konkrete Pläne gibt es ja auch für den Bereich Wohnbau.

Ja, wir wollen leistbares Wohnen anbieten. Wir haben sehr viele Einfamilienhäuser, aber wir wollen auch etwas für junge Leute tun. Wir sind mit der WET im Kontakt, geplant sind 22 Wohnungen mit 50 bis 70 Quadratmetern. Das Projekt muss noch durch den Gestaltungsbeirat beim Land. Baubeginn könnte noch im Herbst sein, wenn nicht, dann sicher im Frühjahr 2017.