Erstellt am 13. Oktober 2015, 04:57

von Ingrid Vogl

Pilz-Projekt: "Das Tempo ist die Hürde". Freiheitliche drängen auf Grundsatzbeschluss für Übersiedlung des Kindergartens auf das Pilz-Areal. Bürgermeister Rudolf Divinzenz (ÖVP) will sich aber nicht hetzen lassen.

Der Saal im Landgasthof Winklehner war bei der Gemeinde 21-Informationsveranstaltung gerammelt voll. Die im Vorfeld angekündigte und mit Spannung erwartete Präsentation der Freiheitlichen zur Ortskernentwicklung in St. Pantaleon („Zentrum Pilz“) fand dann aber überraschenderweise doch nicht statt.  |  NOEN, Fuchs

„Ich bin überwältigt, dass so viele Leute hier sind“, freute sich Referentin Alexandra Schlichting von der NÖ Landesregierung über den großen Andrang bei der Gemeinde 21-Auftaktveranstaltung in St. Pantaleon am vergangenen Mittwoch.

Dass statt der erwarteten 30 Bürger gleich fünfmal so viele in den Landgasthof Winklehner gepilgert waren, lag aber nicht an Schlichtings Vorstellung des Bürgerbeteiligungsprogrammes und nicht am Vortrag von Ardaggers Bürgermeister Johannes Pressl. Was die Bevölkerung zur Veranstaltung gelockt hatte, war die angekündigte Präsentation der FPÖ-Ideen zur Ortskernentwicklung in St. Pantaleon. „90 Prozent waren deshalb da“, gab auch Bürgermeister Rudolf Divinzenz zu. Deshalb bereitete es dem Ortschef auch einiges an Kopfzerbrechen, seinen Gemeindebürgern am Veranstaltungsbeginn mitteilen zu müssen, dass der Programmpunkt kurzfristig entfiel.

x  |  NOEN, Foto: privat

Warten auf Gemeinderats-Beschluss

„Wir haben der FPÖ die Möglichkeit gegeben, ihre Ideen öffentlich zu präsentieren. Am Dienstag haben wir dann erfahren, dass sie es nicht machen. Ich habe die Präsentation jedenfalls nicht von der Tagesordnung abgesetzt“, betonte Divinzenz am Tag darauf.

Warum die Freiheitlichen die Präsentation des Pilz-Projekts zurückzogen, liegt für FPÖ-Gemeinderat Johann Schlögelhofer an der Gemeinde. Dem Bauausschuss wurde der Einbau des Kindergartens im Pilz-Projekt vorgestellt und die Planungsunterlagen liegen dem Gemeinderat seit zwei Monaten vor. Grundsatzbeschluss gibt es aber noch keinen, beklagte Schlögelhofer. „Wir stehen Gewehr bei Fuß und haben geglaubt, das geht alles schneller. Wir können das Projekt nicht präsentieren, wenn der Gemeinderat den ersten Schritt noch nicht beschlossen hat.“

Nächster Anlauf ist am 21. Oktober

Dass das Pilz-Projekt durchaus diskussionswürdig sei und die Idee es wert weiterverfolgt zu werden, stritt Bürgermeister Rudolf Divinzenz auch gar nicht ab. „Das Projekt ist okay, das Tempo ist die Hürde“, erklärte er, woran es sich spießt. Für eine Schnellschussaktion sei er nicht zu haben, beteuerte Divinzenz. „Das lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen, das wäre verantwortungslos. Auch wenn wir mit den Freiheitlichen eine Partnerschaft eingegangen sind, heißt das nicht, dass wir alles umsetzen, was sie wollen“, stellte der Ortschef klar.

x  |  NOEN, Privat

Ein Termin, bei dem die FPÖ ihre Ideen vorstellen könnte, ist schon fixiert. Am 21. Oktober wird im Landgasthof Winklehner die erste Sitzung des Arbeitskreises Ortskernentwicklung stattfinden. „Dort haben die Ideen der FPÖ ihren Platz. Das wäre gemeinsames Arbeiten und Gestalten, so wie wir uns das vorstellen“, sagt der Bürgermeister

Die SPÖ hält sich zu dem Thema eher im Hintergrund. „Das ist eine Idee, die genauso diskutiert werden soll wie viele andere auch. Ich sehe das neutral“, sagte Parteiobmann Harald Watzlinger zum Pilz-Projekt. Innerparteilich diskutiere man derzeit vielmehr, ob man die Gemeinde 21 überhaupt brauche. „Ich bin selber noch am Rätseln, was gescheit ist. Es gibt ja ein bestehendes Ortsentwicklungskonzept und da stellt sich die Frage, ob wir eine externe Betreuung brauchen“, verrät Watzlinger die Sicht der SPÖ. Beschlossen ist der Beitritt zur Gemeinde 21 ja noch nicht.


Projekt Pilz-Areal

Beim Projekt „Zentrum Pilz“ entstehen am Pilz-Areal ein moderner Lebensmittelmarkt, ein Kaffeehaus, ein praktischer Arzt, ein Zahnarzt, Büros, Wohnungen und Bauparzellen. Hier könnte zusätzlich ein Gesamt-Kindergarten für alle drei Ortsteile auf Mietkauf-Basis und auch in Etappen realisiert werden.

Dadurch könnten die Räumlichkeiten des Gemeindeamts auf den Ortsplatz in den jetzigen Kindergarten übersiedeln und das Areal des alten Gemeindeamtes stünde für die Musik und die Vereine zur Verfügung. Das Privatprojekt „Zentrum Pilz“ wird noch im Herbst/Winter begonnen. Alle Vorbereitungsarbeiten sind abgeschlossen.