Erstellt am 09. November 2015, 08:24

von Hermann Knapp

Pröll: „Es gibt große Chancen“. Landeshauptmann Erwin Pröll präsentierte die Arbeitsschwerpunkte. Sorgen bereitet ihm der Arbeitsmarkt, für Mostviertler Firmen sieht er vor allem im Export Möglichkeiten.

Landeshauptmann Erwin Pröll zog mit den beiden Landtagsabgeordneten Michaela Hinterholzer und Anton Kasser am Mostvierteltag Bilanz über die letzten Jahre und präsentierte neue Arbeitsschwerpunkte. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp
Sorgen bereitet Landeshauptmann Erwin Pröll der Arbeitsmarkt in Niederösterreich. Die Situation sei eine divergente: „Zum einen haben wir zwar die Schallmauer von 600.000 unselbstständig Beschäftigten durchbrochen, auf der anderen Seite haben wir aber 53.000 Arbeitslose im Land“, sagte Pröll bei einer Pressekonferenz im Rahmen des Mostvierteltages im Hotel Exel.

Exportwirtschaft als „kleine Sensation“

Zugute komme dem Land und der Bevölkerung in dieser Situation, dass durch intensive Arbeit eine stabile Wirtschaftsstruktur entwickelt worden sei.

„So haben wir zum Beispiel im Mostviertel seit 2013 21 Projekte bei Betriebsansiedlungen und -erweiterungen abgewickelt, 664 Projekte über den Wirtschafts- und Tourismusfond gefördert und 35 Regionalförderungsprojekte unterstützt“, listete Pröll auf. Damit seien 21.000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert worden.

Positives gibt es von der Exportwirtschaft zu berichten. Dort wurde in den Jahren 2013 und 2014 die 20-Milliarden-Euro-Grenze geknackt. „Und das ist auch eine kleine Sensation. Allein durch den Export werden 220.000 Arbeitsplätze abgesichert“, betont der Landeshauptmann. Etliche Betriebe aus dem Mostviertel hätten in diesem Bereich ihre Chancen genutzt, etwa Stöckl Parkett aus Kematen oder der Kürbishof Metz.

USA und England als Hoffnungsmärkte

Bisher wurde vor allem nach Osteuropa, Russland, in die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate exportiert. Für die nächsten Jahre gelten aber Großbritannien und die Vereinigten Staaten als Hoffnungsmärkte. „Da gibt es für Know-how aus dem Mostviertel große Chancen – im Bereich der Agrartechnologie, im Maschinen- und Anlagenbau und in der Umwelttechnologie.“

Das Land, so Pröll, wolle aber auch die Klein- und Mittelbetriebe unterstützen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung seien die neuen Ausschreibungsformalitäten für Projekte der öffentlichen Hand. Diese würden künftig in Form von Gewerken vergeben, was natürlich die Chancen der kleineren Firmen, zum Zug zu kommen, deutlich erhöhe.

Wichtig für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich ist natürlich auch die Verkehrsinfrastruktur. Da kündigte Pröll an, dass bis 2018 rund 124 Millionen Euro investiert werden: in den dreispurigen Ausbau der A1 zwischen Pöchlarn und Melk in den Jahren 2016/17, in die Errichtung der Umfahrung Wieselburg (B25) bis 2019 und in den Bau der Umfahrung von Pyburg/Windpassing (B123) bis zum Jahr 2017.

Betrübt über die Sorgen der Wirte

Gerade im Hinblick auf das mühsame und langwierige Verfahren bei der B123 wünscht sich Pröll „von den juristischen Institutionen, dass diese etwas bürgernäher Recht sprechen. Auch bei der Umfahrung Scheibbs haben wir da nicht die besten Erfahrungen gemacht.“

Pröll versicherte einmal mehr, dass noch heuer der Standort der neuen Donaubrücke bei Mauthausen feststehen wird.

Sehr betrübt ist der Landeshauptmann über die Sorgen der Wirte. „Beide Regierungsparteien gehen leider sehr unsensibel mit ihnen um. Dabei sind gerade die Wirte das Rückgrat für die touristische Entwicklung. Allein im Mostviertel gibt es 1.500 Unternehmen in der Hotellerie und Gastronomie.“

Viel zu lachen hätten die Wirte in den letzten Jahren nicht gehabt. Vom Rauchverbot über die Allergen-Kennzeichung, die Barrierefreiheit bis hin zur Registrierkassenpflicht seien die Wirte ständig mit neuen Forderungen konfrontiert. „Wir haben deshalb in Niederösterreich ein Förderpaket auf die Beine gestellt, um unsere Wirte zu unterstützen“, sagt Pröll.

Statistik:

Arbeitsmarktzahlen
Wie unterschiedliche die Lage im Land ist, zeigen die Zahlen der Bezirke. In Amstetten gab es im Oktober einen Anstieg von 4 Prozent, in Waidhofen an der Ybbs sogar von 12,1 Prozent. Im Bezirk Melk wurde hingegen ein Rückgang von 4,5 Prozent verzeichnet, im Bezirk Scheibbs ein Rückgang von 4,6 Prozent.

Breitband-Ausbau
Viel Geld – rund 150 Millionen Euro – wird das Land gemeinsam mit EVN/kabelplus und A1 in den Breitband-Ausbau investieren. Im Mostviertel ist das Ybbstal Pilotregion, erste Glasfaseranschlüsse werden im Frühjahr 2016 fertig, neun Kleinregionen haben bereits Interesse angemeldet.

Tourismus-Boom
Landeshauptmann Erwin Pröll verweist auf eine positive Tourismus-Entwicklung im Mostviertel. 720.000 Nächtigungen von Jänner bis August bedeuten eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 5,5 Prozent. Dazu beigetragen habe natürlich die erfolgreiche Landesausstellung 2015, zu der mehr als 280.000 Besucher gekommen sind. „Wir haben damit rund 30 Millionen Euro an zusätzliche Wertschöpfung in die Region gebracht“, sagt Pröll.