Erstellt am 10. November 2015, 05:12

von Hermann Knapp

Pröll-Sprechstunde: „Wir werden das prüfen“. Landeshauptmann Erwin Pröll wurde bei der Telefonsprechstunde im NÖN-Büro mit einer breiten Palette von Problemen und Anliegen konfrontiert.

Das eine oder andere Gespräch hatte aber durchaus auch eine recht heitere Note. Foto: Daniela Schlemmer  |  NOEN
Es „menschelte“ bei der Telefonsprechstunde von Landeshauptmann Erwin Pröll am Freitagvormittag im NÖN-Büro. Schicksalsschläge kamen zur Sprache, Probleme im Beruf, aber auch banale Nachbarschaftstreitigkeiten.

„Bruder bekommt wegen Epilepsie keine Stelle“

Die erste Anruferin bittet den Landeshauptmann um Hilfe für ihren 20-jährigen Bruder aus St. Georgen an der Leys. „Er würde gerne arbeiten, aber er leidet an Epilepsie und daher bekommt er keine Stelle.“

Mobil ist der junge Mann ob seiner Krankheit natürlich nicht. Pröll verspricht Unterstützung. „Wir werden uns bemühen, ob wir in der Region etwas für ihn finden können. Leicht ist es in der momentanen wirtschaftlichen Situation aber sicher nicht.“

Weitaus weniger existenziell ist das Anliegen des nächsten Anrufers aus Kienberg. Er will auf einem Grundstück eine Bienenhütte für 40 Stöcke errichten. Die Kommune hat abgelehnt, weil das auf Grünland nicht möglich sei. „Einer aus der Gemeinde hat gemeint, dass ich einfach zu viel gefragt habe“, sagt der Mann. Jetzt bittet er den Landeshauptmann um Hilfe.

Pröll verspricht, die Sache zu überprüfen. „Wenn wir etwas zusammenbringen, dann komme ich aber höchstpersönlich vorbei und kontrolliere, ob Sie alle Vorgaben eingehalten haben“, droht er scherzend. Denn Anrufer schreckt das nicht. „Dann bekommen Sie das erste Glas Honig von mir.“

Sachwalter will Heim von Klienten verkaufen

Dann wird es wieder sehr ernst. Eine Anruferin aus Amstetten bitte Pröll um Hilfe für einen Bekannten. Der sei im Pflegeheim in Mauer, wegen einer psychischen Krankheit. Er wolle wieder nach Hause und dort gepflegt werden. „Aber sein Sachwalter sagt, dass das nicht finanzierbar ist, obwohl er einen guten Job hatte und zwei Pensionen bekommt und Pflegegeld für die Stufe 6.“

Damit nicht genug, wolle der Sachwalter nun auch noch die Wohnung seines Mandanten verkaufen – gegen dessen Willen.

„Das werden wir uns ganz genau anschauen und mit dem Sachwalter reden“, verspricht der Landeshauptmann. Die Wege, die Sachwalter gingen, seien manchmal sehr eigenwillig.

„Ich habe schon manchen Blödsinn
in meinem Leben gemacht, aber ich
habe immer die ÖVP gewählt.“
Ein Anrufer bei der Telefonsprechstunde
im NÖN-Büro zu Landeshauptmann
Erwin Pröll.

Ein völlig anderes Anliegen hat ein Unternehmer aus Ybbs an der Donau. „Die NÖ-Card macht derzeit eine deutsche Firma. Ich könnte das gesamte Portfolio aber auch anbieten“, sagt er. Angeblich gäbe es 2016 eine Umstellung. „Darum wende ich mich an Sie, Herr Landeshauptmann. Ich möchte zumindest auch anbieten können.“

Pröll zeigt sich sehr interessiert. „Alles, was wir im Land selber machen können, brauchen wir nicht nach Deutschland zu vergeben. Sie müssen aber natürlich auch preislich mithalten können“, sagt der Landeshauptmann. Das sichert der Unternehmer zu. „Vielleicht kann ich es sogar etwas billiger machen.“ Pröll verspricht, dass er die zuständige Landesrätin Petra Bohuslav mit der Sache betrauen werde.

Mit großen privaten Sorgen konfrontiert die nächste Anruferin aus Golling/Erlauf den Landeshauptmann. Sie ist Türkin, lebt aber seit ihrem ersten Lebensjahr in Österreich. Vor vier Jahren hat sie in der Türkei geheiratet und möchte nun, dass ihr Mann im Rahmen der Familienzusammenführung nach Österreich kommen kann.

Sie habe, so die Frau, bereits mehrere Anträge gestellt, doch bisher erfolglos. Der letzte sei aus finanziellen Gründen abgelehnt worden, weil sie in Karenz war und daher ein zu geringes Einkommen vorweisen konnte. „Mein Mann hat zwar eine Einstellungszusage einer Firma hier in Österreich, aber das wurde nicht anerkannt.“

Der Fall liegt nun beim Landesverwaltungsgericht. „Egal, wie es ausgeht, ich möchte endlich eine Entscheidung haben. Die Sache macht mich fertig. Ich möchte meine Familie in Österreich aufbauen. Sie sind meine letzte Hoffnung“, sagt die Frau. Der Landeshauptmann verspricht, den Fall zu prüfen.

„Komme mit dem Computer nicht zurecht“

Pröll wird in der Sprechstunde aber auch mit banalen Dingen konfrontiert. Eine Anruferin aus Muckendorf will von ihm wissen, wer die Äste eines Baumes zurückschneiden muss, die in den Nachbargrund ragen. „Da fragen Sie den Landeshauptmann? Wenden sie sich an einen Juristen. Besser noch ist, sie setzen sich mit ihrem Nachbarn zusammen und reden sich das aus. So machen wir das nämlich in Niederösterreich.“

Ein 80-Jähriger aus St. Georgen am Ybbsfelde bittet den Landeshauptmann, ihm zu helfen, damit er seinen Führerschein wieder bekommt. Dieser ist ihm wegen Alkohol am Steuer abgenommen worden. „Ich habe alle Nachschulungen gemacht und auch die praktische Prüfung bestanden, aber mit dem Computer komme ich nicht zurecht, weil meine Finger schon ein wenig steif sind. Meine Frau hatte einen Schlaganfall. Ich brauche den Führerschein.“

Pröll sagte zu, sich zu erkundigen, ob in diesem speziellen Fall nicht eine andere Form der Prüfung möglich sei. „Aber bestehen müssen Sie sie, da kann Ihnen der Papst auch nicht helfen.“ Darauf der 80-Jährige keck: „Ja, ja. Der Papst hat eh selber Schwierigkeiten genug!“