Erstellt am 04. Januar 2016, 07:41

von Daniela Rittmannsberger

Putz-Ruhestand nach 29.930 Stunden im Einsatz. 30 Jahre lang stand Hubert Putz aus St. Peter/Au im Dienste des Roten Kreuzes. Mit 70 tritt er jetzt nach 29.930 Stunden beim Roten Kreuz die wohlverdiente Pension an.

Hubert Putz war insgesamt 29.930 Stunden für das Rote Kreuz im Einsatz. Foto: Daniela Rittmannsberger  |  NOEN, Daniela Rittmannsberger
Sieben Minuten dauerte es meist, bis Hubert Putz vom nächtlichen Anruf, der ihn aus dem Bett holte, fix und fertig für den nächsten Einsatz im Rettungshaus eintraf. „Es war schon eine stressige G’schicht. Es musste alles parat sein, da hat man keine Zeit zum Suchen“, erzählt der St. Peterer.

Überwindung habe es Hubert Putz nie gekostet, gerade in der Nacht bereit zu sein, denn er war mit Leib und Seele bei der Rettung. Jetzt, mit 70 Jahren, legt er sein Amt zurück und hört mit Ende des Jahres auf.

Kleine und große Katastrophen im Bezirk

30 Jahre ist es her, als Putz zufällig zum Roten Kreuz kam und als Fahrer sofort engagiert bei den Einsätzen mit dabei war, denn: Hinter dem Steuer zu sitzen und zu fahren, das sei Putz immer am liebsten gewesen. Sogenannte „Leerzeiten“ auf der Dienststelle seien hingegen gar nicht seines gewesen.

Nach sechs Jahren als freiwilliger Helfer wechselte Putz als hauptberuflicher Fahrer zum Roten Kreuz. Von da an gab es keine Nachtdienste mehr, als Hauptberuflicher fuhr der 70-jährige gebürtige Weistracher hauptsächlich Krankentransporte. Nach seiner Pensionierung 2006 blieb Putz beim Roten Kreuz und stellte sich wieder in den Dienst der Freiwilligkeit.

5 Jahre hauptberuflicher Fahrer, 15 Jahre als Freiwilliger – in 30 Jahren vor Ort bei den kleinen und großen Katastrophen im Bezirk hat Putz viel miterlebt. Bei einer Strangulation, einer Schussverletzung, Pfählungen und insgesamt sieben Unfällen, die Menschen nicht überlebten, war Putz im Einsatz.

„Man kommt hin und muss zupacken“

Zeit zum Nachdenken während der tragischen Ereignisse hat man aber nicht: „Man kommt hin und muss zupacken. Das geht automatisch. Erst später, wenn wir wieder zurück auf der Dienststelle waren, haben wir das Ganze besprochen.“

Besonders in Erinnerung blieben dem St. Peterer die Einsätze mit Kinder: Als einmal ein Kind von einer Tür erschlagen wurde oder ein anderes Kind beinahe in der Badewanne ertrank, ging das selbst dem routinierten Mann sehr nahe. Wie nahe Leid und Glück aber doch auch beisammen liegen können, zeigen seine schönsten Erinnerungen: Bei insgesamt drei Geburten war Putz anwesend, einmal sei es sehr schnell gegangen: „Die Frau lag da, machte einen Seufzer und das Kind war schon da.“

In den 30 Jahren beim Roten Kreuz hat der 70-jährige auch viele Veränderungen miterlebt: Als er damals als freiwilliger Helfer startete, gab es weder die heutige Dienststelle noch Navigationsgeräte und andere technische Geräte. Die Fahrzeuge waren im Feuerwehrdepot geparkt; bei einem Einsatz musste erst der Schlüssel geholt, das Auto herausgefahren und alles wieder verschlossen werden.

Hubert Putz war „das lebendige Navi“

Ohne jegliche Anhaltspunkte ging es damals zu den Patienten, die angehalten wurde, das Haus zu beleuchten, um Putz und seinen Kollegen die Anfahrt zu erleichtern. Diese Dienste haben den engagierten Fahrer geprägt, weshalb er innerhalb der Rettung das „lebendige Navi“ genannt wurde.

Insgesamt 29.930 Stunden leistete Hubert Putz im Dienste der Freiwilligkeit. Zu seinem 70. Geburtstag im November hat sich Putz entschlossen, seine Rot-Kreuz-Karriere endgültig zu beenden, denn „irgendwann muss Schluss sein“. In seiner neu gewonnen Freizeit möchte sich der gelernte Bäcker mehr dem „herummurksen“ an seinen Fahrzeugen widmen.