Erstellt am 28. Oktober 2015, 05:57

von Hermann Knapp

Schutz für Biber wird aufgeweicht. Die Biber sind im Bezirk schon weit verbreitet und sorgen mit ihren Dämmen auch für Probleme. Land will das Einschreiten bei Schäden erleichtern.

Bezirksbauernbundobmann Andreas Pum und Franz Zeiser auf einem Biberdamm bei St. Pantaleon. Die genialen Baumeister haben einen Bach aufgestaut, das Wasser umgeleitet und somit einen Kanal geschaffen. Foto: Knapp  |  NOEN, Knapp

Mehr als 4.000 Biber gibt es in Niederösterreich wieder, schätzt die Naturschutzabteilung des Landes. Auch im Bezirk haben sich die emsigen Nager so rasch verbreitet und nicht alle sind glücklich darüber.

Unterirdische Röhren gefährlich für Landwirtschaft

Da die Biber mit ihren Dämmen Bäche aufstauen, setzen sie immer wieder auch landwirtschaftliche Kulturen unter Wasser. Außerdem „ernten“ sie auf Mais- und Rübenfeldern, um sich Vorräte für den Winter anzulegen.

„Gefährlich sind sie für die Landwirtschaft auch durch unterirdische Röhren, die sie graben, weil da ein Traktor auf einem Feld leicht einbrechen kann“, sagt Bezirksbauernbundobmann Bundesrat Andreas Pum. Auf den Kosten bleiben die Landwirte sitzen. Eine Entschädigung gibt es nicht.

Natürlich werden den Bibern aber auch jetzt schon Grenzen gesetzt. So wurde erst kürzlich in Haag ein Damm in unmittelbarer Nähe einer Landesstraßenbrücke beseitigt, weil er zu Überflutungen führen hätte können. Das Prozedere, um gegen die Biber einschreiten zu dürfen, ist für betroffene Landwirte und Grundbesitzer allerdings ein schwieriges.

Lokalaugenschein, Gutachten, Bescheid

Zuerst muss eine Meldung beim NÖ Bibermanagement gemacht werden. Dann gibt es einen Lokalaugenschein vor Ort und es wird ein Gutachten erstellt, aufgrund dessen per Einzelbscheid die Genehmigung erteilt wird, einen Damm zu entfernen und Tiere zu fangen – oder auch nicht.

Künftig soll das einfacher gehen. Der Landtag hat in der Vorwoche die Regierung ermächtigt, gleich in ganzen Regionen per Verordnung gegen Biber vorzugehen, wenn ernste Schäden an Kulturen sowie an Wäldern und Gewässern schnelleres Handeln erfordern. Auch eine Tötung der Tiere ist möglich. Dieselbe Regelung gilt künftig übrigens auch für die Fischotter.

Franz Zeiser aus St. Pantaleon, bis April Biberbeauftragter in der Region, sieht die neue Regelung allerdings mit Skepsis. „Ich habe Bedenken, dass das, was jetzt schon oft illegal geschieht, gefördert wird. Wir stoßen nämlich immer wieder auf tote Tiere, die gewildert wurden.“

Man müsse lernen mit dem Biber zu leben, fordert Zeiser. Es gäbe durchaus Räume, wo er sich frei entfalten könne, aber auch solche, wo das nicht möglich sei. „Da kann aber schon mit der bisherigen Regelung eingegriffen werden.“

Zeiser hält die Schäden in der Landwirtschaft für verkraftbar. Er hat selbst ein Rübenfeld nahe eines Baches. „Dort bedienen sich die Biber auch, aber die Menge ist verkraftbar. Zudem, so Zeiser, sorge die Natur ohnehin selbst für ein gewisses Gleichgewicht. So seien beim Hochwasser 2013 viele Jungtiere ertrunken.


Zitiert: Schäden beträchtlich

„Wenn der Biber einen halben Hektar stehenden Mais unter Wasser setzt, weil er einen Bach aufstaut, dann ist das ein beträchtlicher Schaden für Bauern. Da ist der Unmut verständlich.“
Bezirksbauernkammerobmann Josef Aigner sieht die Probleme mit dem Biber nicht so gelassen.

„Die Biber holzen junge Bäume um, bevor sie für die Bauern verwertbar sind. Die müssen daher immer wieder von vorne anfangen. Die Schäden in der Fortwirtschaft sind beträchtlich, auch wenn man sie nicht unmittelbar sieht.“
Bürgermeister Hannes Pressl, Obmann des VP-Gemeindevertreterverbandes