Seitenstetten

Erstellt am 12. April 2017, 04:35

von Sabine Hummer

Jahrhundertprojekt beinhaltet größtes Rückhaltebecken. Bürger wurden über Jahrhundertprojekt Hochwasserschutz informiert. Der Baubeginn der Westspange ist im Sommer 2017 geplant, Ausschreibung ist in Vorbereitung.

Der Hochwasserschutz für Seitenstetten nimmt Form an. Den Plan vom Durchlaufbauwerk des Rückhaltebeckens präsentierten (v.l.) Projektleiter Oliver Huber, Planer Herbert Prax, Erich Czeiner, Bürgermeister Johann Spreitzer, Gewässermeister Franz Deinhofer, Altbürgermeister Franz Deinhofer und Vizebürgermeister Franz Tramberger.  |  NOEN, Sabine Hummer

Mit Bildern des Jahrhunderthochwassers 2002 startete Bürgermeister Johann Spreitzer letzten Mittwoch den Informationsabend zum Großprojekt Hochwasserschutz im Gasthaus Ott. „Zahlreiche Gemeinderatsbeschlüsse waren in den vergangenen Jahren dafür notwendig und wurden alle einstimmig gefasst“, betonte Spreitzer, der sich bei allen Grundbesitzern und Anrainern für das Mittragen dieses Jahrhundertprojektes bedankte.

Seit 2003 wird intensiv an der Realisierung des Hochwasserschutzes gearbeitet, von dem unmittelbar 255 Personen betroffen sind. Im Februar dieses Jahres wurde mit einem Meilenstein begonnen: dem größten Rückhaltebecken im Mostviertel mit einem Fassungsvermögen von 240.000 Kubikmetern, einer Länge von 300 Metern und einer Breite von 80 Metern.

Warum das Vorhaben nötig ist...

Experten – Planer Herbert Prax, Erich Czeiner und Projektleiter Oliver Huber von der Abteilung Wasserbau Land NÖ sowie Gewässermeister Franz Deinhofer – gaben detaillierte Informationen zu diesem Jahrhundertprojekt und begründeten anschaulich, warum ein Vorhaben dieser Dimension in Seitenstetten überhaupt nötig sei. „Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder wir bauen den Trefflingbach in Seitenstetten massiv aus, siedeln teilweise Häuser ab und geben das Hochwasserproblem an Unterlieger weiter oder wir bauen einen Damm, der so viel Wasser wie möglich zurückhält, und versuchen das restliche Wasser kontrolliert durch den Ort zu bekommen“, legte Erich Czeiner die Fakten auf den Tisch.

Planer Herbert Prax beschrieb anschließend das Gesamtprojekt und wies auf die Gefährdung durch den Trefflingbach hin. „Beim Hochwasser 2002 flossen 60.000 Liter pro Sekunde durch das Ortszentrum. Derzeit kann der Trefflingbach nur 20 bis 25 Kubikmeter pro Sekunde, also ein Drittel der damaligen Überflutungsmenge, in seinem Bachbett ableiten“, erklärte Prax. Deshalb wurde im Talverlauf des Baches nach verschiedenen Standorten für ein Rückhaltebecken gesucht. Parallel dazu wurde bereits 2008 mit der neuen Verbauung des Trefflingbaches begonnen.

Synergieeffekte mit Umfahrungsstraße

Durch das Hochwasserprojekt muss auch die Landesstraße L88 verlegt werden, weshalb nun auch der Wunsch der Gemeinde nach einer Umfahrungsstraße, der sogenannten „Westspange“, realisiert werden kann. Der Dammbau hängt eng mit dem Straßenbau zusammen. Es ist geplant Synergieeffekte zu nutzen: „Wir sind in der glücklichen Situation kein Material von weither bringen zu müssen, sondern können das Überschussmaterial aus dem Straßenbau gewinnen“, sagen die Experten.

Derzeit wird die Ausschreibung für die Umfahrung von der NÖ Straßenbauabteilung vorbereitet. Noch im Sommer soll der Baustart erfolgen. Die bestehende Landesstraße wird rekultiviert, der Radweg mit der Umfahrung mitgezogen.

Auf rund sechs Millionen Euro werden sich die Gesamtkosten belaufen, wobei die Gemeinde Seitenstetten 12,4 Prozent finanzieren wird. „Danke an Land und Bund, dass es ein leistbarer Hochwasserschutz für die Gemeinde sein wird“, betonte Vizebürgermeister Franz Tramberger. Bürgermeister Spreitzer bat alle Bürger um Verständnis, da während der Bauphase mit einigen Einschränkungen zu rechnen sei. „Wenn alles fertig und grün ist, wird man aber kaum merken, dass ein Damm da ist.“