Erstellt am 21. Juni 2016, 07:00

von Sabine Hummer

Sensationsfund: Highlights der Steinzeit. Die Senationsfunde der Haidershofner Hobbyarchäologen Franz Mitterhuber sowie Othard und Otto Temper sind nun in einem Buch zusammengefasst.

Auf der Hochterrasse des Lehbergs (im Hintergrund) kamen sensationelle Steinzeitartefakte ans Tageslicht. Die Funde der Haidershofner Hobbyarchäologen Franz Mitterhuber (r.) und Othard Temper (nicht am Bild) stehen nun im Blickpunkt in Band 47 der Linzer Archäologischen Forschungen durch Alexander Binsteiner (l.) und Erwin Ruprechtsberger (2.v.r.). Bürgermeister Manfred Schimpl unterstützte dieses für die Nachwelt so wichtige Projekt mit Gemeindemitteln.  |  NOEN, Sabine Hummer

Am Mittwoch wurde von Bürgermeister Manfred Schimpl und Erich Ortner, ehemaliger Besitzer des Hauses Lehberg, zu einem Pressegespräch an einem besonders geschichtsträchtigen Ort geladen: Am Lehberg kamen vor einigen Jahren im Zuge von Baumaßnahmen an Strommasten die mitunter ältesten Fundstücke rund um den Homo erectus ans Tageslicht.

Noch nie zuvor waren Spuren dieses Urzeit-Menschen am Alpenrand entdeckt worden. Die altsteinzeitlichen Artefakte übertrafen mit einem Alter von mehr als 500.000 Jahren alles, was bisher im Alpenraum bekannt war. Der Lehberg gilt seitdem als älteste Fundstelle in Österreich überhaupt.

Unweit der Fundstelle präsentierten die Steinzeitexperten Alexander Binsteiner und Erwin Ruprechtsberger nun die neueste Publikation der Reihe „Linzer Archäologische Forschungen“ des Museum Nordico.

Die Abhandlung mit dem Titel „Steinzeit an der Enns – die Sammlungen Temper und Mitterhuber in Haidershofen“ ist den außerordentlichen Funden der drei Haidershofner Hobbyarchäologen Franz Mitterhuber sowie Othard Temper und dessen im Vorjahr verstorbenen Vater Otto gewidmet.

Rund 3.000 Artefakte von drei Menschenarten

Denn nicht nur der Homo erectus wurde durch ihre Sammelleidenschaft im Ennstal lokalisiert. Auch Zeugnisse vom Neandertaler, der vor rund 40.000 Jahren in Ernsthofen ein Freilandlager bewohnte, sowie aus der Jungsteinzeit mit Keramikfragmenten und Steingeräten der Chamer Kultur (um 3.000 v. Chr.) wären ohne ihr besonderes Auge wohl nie geborgen worden.

Im Buch ist auf 147 Seiten das Ennstal als Ganzes behandelt und umfasst Steinzeitfunde von der Steirischen Landesgrenze bis zur Mündung in die Donau. „Rund 3.000 Artefakte wurden von uns sukzessive mittels stereoskopischem Auflichtmikroskop im Museum Nordico untersucht“, informiert Geoarchäologe Alexander Binsteiner. „Es war sehr wenig Abfall dabei, das Meiste war qualitativ sehr hochwertiges Material.

Ein Auszug mit den wertvollsten Artefakten ist in der neuen Publikation zu sehen“, erklärt der Steinzeitfachmann, der schon an der Erforschung vom Ötzi oder der Venus von Willendorf mitgearbeitet hat. „Für mich gehört die Haidershofner Sammlung bestimmt in diese Größenordnung. Es waren sehr viele Superlativen und Sensationen dabei.“

"Auf diese Art Förderung und Interesse erfahren"

Für Franz Mitterhuber ist es eine Freude, dass seine Fundstücke einen Ehrenplatz in der Forschungsreihe erhalten haben: „Es ist schön, dass sie so für die Nachwelt erhalten bleiben. Denn durch die modernen Pflüge wird es immer schwerer, intakte Sachen zu finden.“

Die Publikation wurde finanziell durch die Gemeinde Haidershofen unterstützt, wofür sich Erwin Ruprechtsberger bei Bürgermeister Schimpl bedankt: „Es ist nicht selbstverständlich, auf diese Art Förderung und Interesse zu erfahren.“

Eine Ausstellung der Steinzeitzeugen ist im neuen Gemeindeamt Haidershofen geplant. Im Zuge der Eröffnungsfeierlichkeiten sollen auch die Hobbyarchäologen vor den Vorhang geholt werden.