Erstellt am 05. Mai 2016, 04:34

von NÖN Redaktion

Situation für Landwirte dramatisch. Bauern-Spitze antwortete auf Forderungskatalog. Doch Landwirte wollen Taten sehen, sonst stehen auch Streiks im Raum.

Bauernvertreter fordern rasche Maßnahmen gegen den Preisverfall (v.l.): Toni Pfaffender, Johann Lehner, Andreas Pum und Wolfgang Dietl. Foto: privat  |  NOEN, privat
Schlechte Preise, TTIP, überbordende Bürokratie und Perspektivenlosigkeit: Für die Bauern im Bezirk ist die Situation der Landwirtschaft am Nullpunkt angelangt. Das teilten sie kürzlich auch Landwirtschaftsminister Andrä Ruprechter bei einer Veranstaltung in Aschbach mit. Funktionäre übergaben ihm einen Forderungskatalog.

Jetzt kamen erste Antworten darauf: Das Freihandelsabkommen TTIP werde vom Bauernbund nicht gefordert, aber wenn mit Amerika verhandelt wird, wolle man die Inhalte und Bedingungen mitdiskutieren, betont die Agrarspitze in einem Schreiben an die Mostviertler Landwirte. „Die Haltung der Bäuerinnen und Bauern in der Region zu TTIP ist klar: Wir sagen nein!“, betont Bauernbundobmann Franz Lehner.

Die schlechte Marktlage erklären die führenden Köpfe der Bauern in Bund und Land, vor allem dadurch, dass das Russlandembargo auf Milch und Fleisch zu massiven Preiseinbrüchen geführt habe.

Bekenntnis zur regionalen Produktion

Man tue alles, um die Lage zu verbessern. Auch Vizekanzler Rudolf Mitterlehner sei in Gespräche involviert. Eine Export-Servicestelle sei mit 1. Jänner in Betrieb genommen worden und Präsident Schultes habe eine Milch-Zielmenge-Vereinbarung auf EU- Ebene bewirkt.

Im Bezirk verlangen die Bauern aber noch andere Maßnahmen: „Wir fordern ein klares Bekenntnis zur regionalen Produktion und Herkunftskennzeichnung. Gastronomie, Handel, Großküchen und jedem Außer-Haus-Verzehr muss es ein Anliegen sein, Herkunftssicherheit und heimische Qualität zu vermarkten. Wenn in diesen Bereichen keine Erfolge spürbar werden, müssen unsere Landwirte zu drastischen Maßnahmen wie Streiks oder Blockaden greifen“, warnt Bauernbundobmann Toni Pfaffeneder und ergänzt: „Preisdumping mit Lebensmitteln darf es nicht geben.“

Ein Dorn im Auge ist den Landwirten auch die überbordende Bürokratie. Landesrat Pernkopf und Minister Rupprechter weisen zwar auf einige Verbesserungen hin, den Landwirten im Bezirk reicht das aber nicht. „Dieser Weg muss konsequent weiterverfolgt werden“, stellt Landwirt und Bauernbundfunktionär Wolfgang Dietl klar.

Bauernbundobmann Pum sieht noch viele offene Themen, die angegangen werden müssten, damit die heimische Landwirtschaft überleben könne. „Denn unsere bäuerlichen Familienbetriebe sind Basis einer flächendeckenden Produktion, Motor und Grundstein für Arbeitsplätze und gesunde Lebensmittel.“