Erstellt am 12. April 2016, 05:04

von Hermann Knapp

Sobotka: „Lachendes und weinendes Auge“. VP-Granden aus Bezirk trauen Sobotka zu, ein guter Innenminister zu sein. Ihnen ist aber leid um ihn als Finanzreferent.

Für die VP-Granden im Bezirk ist Wolfgang Sobotka ein kluger Kopf und guter Stratege, der bestimmt auch als Innenminister reüssieren wird. Dass sie ihn als Landes-Finanzreferenten verlieren, tut ihnen aber leid.  |  NOEN, Erich MarschikNÖN
Für die ÖVP-Spitzen in der Region kam die Personalrochade im Land zwar nicht unerwartet, zum jetzigen Zeitpunkt aber doch überraschend.

Lob: Sobotka strukturiert und klar im Denken

„Erwin Pröll hat ja durchblicken lassen, dass er seine Nachfolge in Niederösterreich rasch regeln will. Ich finde die Vorstellung, dass bald eine Frau an der Spitze des Landes stehen wird, durchaus reizvoll“, sagt VP-Bezirksparteiobmann Andreas Hanger.

Dass Wolfgang Sobotka (60) in die Bundespolitik wechsle, werde dieser gut tun. „Denn wenn sich jemand, der wie Sobotka föderal denkt, auf Bundesebene einbringt, kann das nur positiv sein.“

Hanger glaubt, dass Sobotka ein „ausgezeichneter Innenminister“ sein wird. Der Waidhofner sei sehr strukturiert, klar im Denken, entwickle Strategien und setze diese auch um. Sobotka übernehme das Kernressort in einer durch die Flüchtlingskrise spannenden Zeit. „Aber er ist ja noch nie vor Herausforderungen zurückgewichen.“

„Finanzreferent war sicher ein Vorteil“

Auf den Bezirk bezogen sieht Hanger den Wechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir haben nun zwar einen starken Partner im Bund, andererseits war es natürlich ein Vorteil, dass der Finanzlandesrat aus der Region kam. Er hatte einfach ein großes Problembewusstsein für die Herausforderungen, die sich im Bezirk stellen.“ Andererseits, so der Parteiobmann, sei man im Land auch weiterhin gut aufgestellt.

Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer ist ebenfalls der Ansicht, dass Wolfgang Sobotka als Innenminister gute Figur machen wird. „Es hat mich immer schon fasziniert, wie schnell er sich in Materien einarbeitet und wie rasch er sich viel Detailwissen erwirbt. Das war beim Wohnbau genauso wie bei der Gesundheit oder bei den Finanzen.“

Eine Herausforderung werde das neue Amt für Sobotka aber sicher sein: „Denn als Landespolitiker beschäftigt man sich nicht so intensiv mit dem europäischen Politparkett. Und in Sachen Flüchtlinge gehe ich davon aus, dass der Sommer spannend wird. Hotspot wird heuer sicher Italien sein und man muss sehen, wie sich die Lage in Nordafrika entwickelt, ob da eine neue Flüchtlingswelle auf uns zukommt.“

Mikl-Leitner als Pröll-Nachfolgerin kann sich Hinterholzer gut vorstellen. „Ich hatte, als sie das Sozialressort leitete, immer eine gute Gesprächsbasis mit ihr. Sie ist eine sehr straighte und lösungsorientierte Politikerin.“ Für den Bezirk sei es natürlich kein Nachteil gewesen, den Finanzlandesrat zu stellen. „Aber ich bin mir sicher, dass gute Projekte auch künftig vom Land unterstützt werden“, sagt Hinterholzer.

Kasser hätte später mit Veränderung gerechnet

Für Bundesrat Andreas Pum hat Landeshauptmann Erwin Pröll die „Nachfolgefrage schnell und eindeutig geklärt. Ich finde es ein gutes Zeichen, dass künftig eine Frau an der Spitze des Landes stehen wird.“

Den Wechsel an der Spitze des Ministeriums jetzt durchzuführen, hält der Bundesrat gar nicht für verkehrt. In der Flüchtlingsfrage habe sich die Situation einigermaßen geklärt und Sobotka bekomme als Innenminister nun eine Chance neue politische Akzente zu setzen. „Er ist ein guter Stratege und hat Durchsetzungsvermögen.“

Für den Bezirk tut es Pum leid, dass der Waidhofner in den Bund wechselt. „Denn er hat viel für die Region geleistet. Zahlreiche Projekte tragen seine Handschrift.“

Auch für Landtagsabgeordneten Anton Kasser war längst spürbar, dass es im Land eine Veränderung geben wird. Er hatte aber eher nach der Präsidentenwahl damit gerechnet. „Ich nehme an, dass die handelnden Personen sich das gut überlegt haben. Die Rochade, wie sie jetzt kommt, war immer eine Denkvariante. Sobotka wird sicher ein guter Innenminister sein. Für die Region ist es schon schade, denn es war natürlich kein Nachteil, wenn der Landeshauptmannstellvertreter und Finanzreferent hier zu Hause war, weil er die Notwendigkeiten und auch die handelnden Personen gut kannte.“

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