St. Pantaleon-Erla

Erstellt am 12. Juli 2016, 06:01

von Daniela Führer

UNESCO-Welterbe „wäre kultureller Ritterschlag“. 1.800 Jahre altes Legionslager in Albing könnte als UNESCO-Welterbe vorgeschlagen werden. Bürger bei Informationsabend zwiegespalten.

Rund 40 interessierte Besucher – darunter viele Bewohner und Grundbesitzer in Albing – kamen zur Informationsveranstaltung.   Fotos: Schlemmer  |  Daniela Schlemmer

Die Pyramiden von Gizeh, der Taj Mahal in Indien oder die Semmeringbahn, die Altstadt von Salzburg und Hallstatt in Österreich. All diese Orte haben eines gemeinsam: Sie sind UNESCO-Weltkulturerbestätten, von denen es weltweit nur in etwa 1.000 gibt. Allesamt sind sie einzigartig und weltbedeutend für die Kultur der Menschheit.

Komitee-Zusammenkunft: „Das ist ein Erlebnis“

Ein internationales Komitee (World Heritage Committee) mit den klügsten Köpfen aus 21 Staaten der Erde kommt einmal im Jahr zusammen und entscheidet darüber, welche besonderen Orte als Welterbestätten in die UNESCO-Liste aufgenommen werden. „Das ist ein Erlebnis. Wenn man vor dem Komitee steht und es von einer Stätte als Welterbe überzeugen muss“, schildert der UNESCO-Welterbe-Beauftragte vom österreichischen Bundeskanzleramt, Bruno Maldoner, im Musikheim in St. Pantaleon.

Bei diesem Informationsabend zum Thema „Donaulimes als UNESCO Welterbe“ waren es in etwa 40 Personen, die Maldoner gemeinsam mit drei weiteren Experten der Archäologie sowie Kunst und Kultur von der historischen Stätte am Ostrand der Siedlung Albing von der Eignung als UNESCO-Welterbestätte überzeugen wollte. Das „Komitee“ bestand hier aus Gemeindebürgern, vorwiegend Anrainern und Grundbesitzern.

Albing wäre das größte Legionslager geworden

Konkret geht es in Albing um ein römisches Legionslager entlang des sogenannten Donaulimes, das nie fertiggestellt wurde. Es wäre ein römisches Militärlager zur Überwachung des Donauraumes gworden. „Mittels Patrouillenbooten bewachten die Römer vom Lager aus den Fluss“, erklärte Bruno Maldoner eingangs den Besuchern.

Entlang der Donau in Österreich gibt es 21 solcher Orte am Donaulimes – 14 in Niederösterreich. Damit wäre Albing Teil des Gesamtprojekts „Weltkulturerbe Donaulimes“.

„Albing ist aber ganz besonders, so etwas wie hier gibt es in ganz Österreich nicht“, betonte Archäologe Martin Krenn vom Bundesdenkmalamt: „Es wäre das größte Legionslager Österreichs geworden, so etwas wie die erste Kommandatur. Die Mauer um das Lager, Türme und die Toranlage sind auch tatsächlich vorhanden. Albing war immer von besonderer Bedeutung für die österreichische Forschung“, sagte der Experte.

Der Ortsteil Albing in St. Pantaleon beherbergt unter den Wiesen und Feldern eine Besonderheit und Rarität der Menschheitsgeschichte: ein römisches Legionslager, das größte seiner Art, das nicht
fertiggestellt wurde.
 |  Daniela Schlemmer

Doch vom Legionslager sieht man heute de facto kaum etwas. Darüber steht zum Teil die Siedlung Albing, weit und breit ziehen sich Wiesen und Äcker über die historische Stätte.

Diese Tatsache ist es auch, die von einigen Bürgern sehr kritisch gesehen wird: „Es ist weit hergeholt, Albing als Weltkulturerbe einzutragen, man sieht nichts von der Mauer und es macht den Leuten nur Probleme“, sagte etwa Unternehmer Karl Hasenöhrl.

Archäologe Martin Krenn betonte daraufhin mehrfach – immer wieder flammte nämlich die Diskussion über mögliche Einschränkungen für Grundeigentümer in Albing auf –, dass sich eine etwaige Eintragung als UNESCO-Welterbe nicht negativ auf die Situation der Bewohner und Grundeigentümer auswirken würde: „Albing steht bereits seit den 80er Jahren unter Denkmalschutz. Das ist der höchste Schutz, den es geben kann. Nichts ist darüber. Die Situation bleibt, wie sie ist, es gibt keine Enteignungen oder Verschlechterungen“, betonte er.

„Seien wir doch stolz, ein Teil sein zu dürfen“

Dass das Legionslager auch unter der Erde bleibt, steht für die Experten außer Frage: „Es ist der archäologische besondere Wert, dass es unter der Erde ist und bleibt, denn nur so können wir es für die Nachwelt erhalten. Das ist unser Auftrag, denn in 40, 50 Jahren gibt es sicher viel bessere Möglichkeiten der Forschung.“

Neben den Ängsten und Bedenken ob ihrer Lebensqualität gab es aber auch andere Stimmen, die sehr wohl die Bedeutung eines UNESCO-Welterbes in der Gemeinde begrüßen würden: „Seien wir doch bitte stolz darauf, Teil dieser Weltkultur sein zu dürfen. Es wäre wirklich schade, wenn wir jetzt von vornherein sagen, das wollen wir nicht“, meinte ein Bürger.

Krenn gab der Runde auch noch mit: „Die Erklärung zum UNESCO-Weltkulturerbe wäre ein kultureller Ritterschlag. St. Pantaleon-Erla würde damit zu einem Ort von höchster Bedeutung.“

Ob Albing als Teil des Donaulimes nun dem UNESCO-Komittee vorgeschlagen wird, entscheidet im Herbst der Gemeinderat von St. Pantaleon-Erla. Sagt der Gemeinderat „Ja“ wird 2017 oder 2018 das Projekt „Weltkulturerbe Donaulimes“ von der Republik Österreich beim UNESCO-Welterbe-Komitee als neue Welterbestätte eingereicht. Das Komitee trifft eineinhalb Jahre später (im Juli des Jahres nach der Einreichung) eine Entscheidung.

Zitiert: „Gibt fast kein älteres Gebäude“

Archäologe Martin Krenn vermittelte den Besuchern die Bedeutung von Albing als mögliche UNESCO-Weltkulturerbestätte.  |  Daniela Schlemmer

„Es geht um die Substanz und nicht um die Sichtbarkeit. (...) Der Denkmalschutz ist der höchste Schutz. Da steht drinnen, die derzeitige Nutzung bleibt aufrecht. Acker bleibt also Acker, Wiesen bleiben Wiesen. Daran ändert sich auch nichts, wenn Albing UNESCO-Welterbe werden würde. Es wird keine zusätzlichen Auflagen geben.“
Archäologe Martin Krenn (Bundesdenkmalamt) zu Bedenken der Bewohner über eine Verschlechterung ihrer Situation und die Kritik, dass das Legionslager nicht sichtbar sei.

Martin Krenn: „Wir haben Ihnen immer bei allen Bauprojekten geholfen und wir werden uns bemühen, das auch in Zukunft immer zu tun. Darauf kann ich Ihnen mein Wort geben.“
Anrainer: „Ihr Wort ist etwas wert, das habe ich schon selbst festgestellt, aber Sie gehen auch einmal in Pension!“
Krenn (lacht): „Bis zur Pension habe ich noch zirka 15 Jahre. Bis dahin bleibe ich Ihnen schon noch erhalten.“

„Das Bauwerk ist 1.800 Jahre alt, das Sie da haben. Es gibt fast keine älteren Gebäude als diese Mauern und die sind auch noch erhalten, weil sie unter der Erde sind.“
Martin Grüneis (Amt der NÖ Landesregierung, Abt. Kunst und Kultur) über die Bedeutung der historischen Stätte Albing.

Wissenswertes:

  • Das römische Legionslager dürfte 568 × 412 Meter (Fläche: 23,3 Hektar) groß sein und vier Toranlagen und 28 Zwischentürme beinhalten. Die Umfassungsmauer ist bis zu 1,70 Meter tief erhalten und 1,80 bis 3,15 Meter stark. Errichtet wurde das Lager durch die von Kaiser Marc Aurel während der Markomannenkriege an den Donaulimes verlegte legio II Italica in den 170er-Jahren. Das Lager wurde nur wenige Jahre genutzt, da ab 190 n.Chr. die Verlegung der Legion nach Lauriacum/Enns erfolgte.

Quelle:„René Ployer, Der norische Limes in Österreich, Fundberichte aus Österreich, Materialheft B 3, 2013, S 34 – 37 – Bundesdenkmalamt

Abschnittsweise durchgeführte Ausgrabungen ergaben bislang drei Toranlagen (eine davon am Bild) und mehrere Zwischentürme, die unterschiedlich weit von der Mauer des Legionslagers hervorsprangen. Foto: Bundesdenkmalamt  |  Bundesdenkmalamt

Die UNESCO verleiht den Titel Welterbe (Weltkulturerbe und Weltnaturerbe) an Stätten, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind und von den Staaten, in denen sie liegen, für den Titel vorgeschlagen werden.